Last Living Lion: „Wir sind am Ziel, wenn das Publikum mitsingen kann“

GE-Couchkonzert

Von links: Francis Keto (Bass), Achim Bill (Schlagzeug), Yves Paquet (Gesang) und Daniel Chavet (Gitarre) stehen seit einem Jahr gemeinsam auf der Bühne.

Vier Eifeler Jungs haben lange, getrennt voneinander, ihr eigenes Musikding gemacht. Vor einem Jahr haben sich Achim Bill, Daniel Chavet, Francis Keto und Yves Paquet gefunden und möchten nun als Band durchstarten. Noch können die Wenigsten die rockigen Popsongs von Last Living Lion mitsingen, doch was nicht ist, kann ja noch werden. Bald kommt ihr erstes Album heraus.

Von Annick Meys

Im World Wide Web findet man kaum Informationen über euch. Könnt ihr euch kurz vorstellen?
(Paquet) Wir sind eine neue Band aus der Eifel. Achim und ich kommen aus Heppenbach und kennen uns schon seit dem Kindergarten. Francis kommt aus Burg-Reuland. Daniel wohnt in St.Vith. Jedenfalls hat jeder vorher sein eigenes Musikding gemacht. Wir haben in verschiedenen Bands gespielt, gelegentlich aber auch an gemeinsamen Musikprojekten gearbeitet. Vor einem Jahr haben wir zusammengefunden und seitdem als Band schon einige Songs herausgebracht. Unser Ziel ist es, Anfang 2018 ein Debütalbum herauszubringen.
(Bill) Wir kommen alle aus verschiedenen Musikszenen. Ich bin eigentlich Jazzmusiker, Daniel hat sein eigenes Gitarrenalbum herausgebracht, Yves macht als Solokünstler Pop- und Elektromusik und Francis spielt viel in Coverbands. Ursprünglich kommen wir alle aus Coverbands, aber unser großer Wunsch war es, auch mal eigene Songs zu schreiben.
Paquet: Und das, obwohl Bands im Moment nicht sehr populär zu sein scheinen. Man braucht ja nur einen Blick in die Charts zu werfen. DJs mischen ganz oben mit. Es ist als Band eine Herausforderung, Orte zu finden, wo man mit seinen eigenen Songs live auftreten kann. Die Leute sind gesättigt, aber ich bin überzeugt, dass der Hunger nach handgemachter Musik und organischen Instrumenten wiederkommt.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
(Paquet) Rockige Popmusik trifft es ganz gut: starke Pop-Refrains, eingängige Melodien und markante Gitarrenlinien. Das Besondere ist, dass jeder von uns einen anderen musikalischen Background hat, und das spiegelt sich auch in den Songs wider. Es fließen verschiedene Musikrichtungen mit ein.
(Bill) Man entwickelt sich ja auch weiter. Anfangs wollten wir Indi-Rock oder Indie-Pop machen. Aber mit der Zeit hat sich herausgestellt, dass wir das gar nicht sind.

Die Anzahl eurer Auftritte lässt sich bislang noch an einer Hand abzählen. Wo seid ihr schon aufgetreten?
(Paquet) Wir haben zweimal in Antwerpen in Live-Clubs gespielt, in La Louvière, in Verviers und in Köln. Unseren bislang größten Auftritt hatten wir auf dem Aachener Domplatz. Zu dem Zeitpunkt waren wir noch gar keine richtige Band. Wir hatten damals auch noch keinen Bandnamen. Das war wirklich ganz am Anfang, aber ein guter Start in das Bandprojekt. Als neue, unbekannte Band fängt man natürlich bei Null an, unabhängig davon, was jeder von uns zuvor gemacht hat.

Wo mehrere Musikstile aufeinandertreffen, besteht doch sicher auch mal Uneinigkeit, oder?
(Bill) Es bleibt nicht aus, dass man musikalisch mal unterschiedlicher Meinung ist, aber das schafft auch ein sehr kreatives Umfeld. Wir diskutieren oft, lernen aber auch viel voneinander.
(Paquet) Eine Band ist immer auch ein bisschen ein Sozialprojekt. Leute mit verschiedenen Hintergründen und unterschiedlichen Meinungen müssen auf einen gemeinsamen Nenner kommen, also einen gemeinsamen Kompromiss finden, in dem sich jedes Bandmitglied wiederfindet. Auf der Bühne muss man als Band eine Einheit bilden. Das Publikum merkt sofort, wenn das Gefüge nicht funktioniert. Natürlich braucht es Zeit, diese Einheit zu erreichen. Es macht aber auch die Faszination einer Band aus: gemeinsam musikalisch etwas zu erschaffen.

Wie entsteht ein Song?
(Bill) Die Songs entstehen in unserem Proberaum. Jemand gibt eine Melodie vor, und die anderen steigen intuitiv darauf ein. Aus der Improvisation und der Stimmung heraus entsteht etwas, das irgendwann vielleicht ein Song werden könnte. Möglicherweise können wir aber bei der nächsten Probe schon nichts mehr damit anfangen, weil wir uns nicht mehr darin wiederfinden. Dann schmeißen wir alles wieder über den Haufen. Es kann aber auch sein, dass Yves einen Text mitbringt und wir dazu die passenden Akkorde suchen.

Yves, du schreibst Texte auf Englisch und Portugiesisch. Worum geht es inhaltlich?
(Paquet) Es geht vor allem um persönliche Erfahrungen und Themen, die mir gerade durch den Kopf gehen: um Beziehungen, Tragträumereien und Hoffnung. Es ist und bleibt Popmusik. Eine politische Message steht nicht im Vordergrund.

Man bekommt den Erfolg nicht geschenkt: Man muss immer einen Preis dafür bezahlen.

Yves Paquet

Wovon träumt ihr?
(Paquet) Wenn man, wie wir, noch ganz am Anfang steht, dann muss man Überzeugungsarbeit leisten. Die Leute kennen die Songs schließlich noch nicht, sie hören sie teilweise zum ersten Mal. Man weiß vorher nie, wie sie reagieren. Ich würde sagen, wir sind an unserem Ziel angekommen, wenn das Publikum irgendwann mitsingen kann. Wenn die Leute einen Song fühlen und sich darin wiederfinden. Das wäre großartig.

Ziel ist es, groß rauszukommen. Wie schwer ist es für eine ostbelgische Band, das zu erreichen?
(Bill) Wenn wir nicht in Ostbelgien, sondern in London wären, hätten wir als Band sicher ganz andere Möglichkeiten. Unmöglich ist es aber nicht.
(Paquet) Wenn man sehr pessimistisch sein will, könnte man sagen, dass Vieles gegen einen spricht. Die Möglichkeiten, seine Musik bei einem breiten Publikum bekannt zu machen, sind manchmal etwas begrenzt. Es ist eine Herausforderung, Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Aber das hält uns nicht davon ab, weiterhin Musik zu machen. Davon abgesehen: Ich halte es für ein sehr großes Privileg, auf einer Bühne zu stehen und für 45 Minuten die volle Aufmerksamkeit von anderen Menschen zu bekommen.

Was würdet ihr nie für den Erfolg tun?
(längeres Schweigen)
(Bill zu Paquet) Heißt das jetzt, wir würden alles tun, oder was? (lacht)
(Paquet) Man bekommt die großen Bühnen und den Erfolg in den Charts nicht geschenkt. Von Freunden aus Brasilien, die international als DJ auf Tour sind, weiß ich, dass man immer einen gewissen Preis bezahlen muss: Man hat weniger Zeit für die Familie, muss möglicherweise seine Prioritäten neu ordnen. Das ist nicht immer einfach. Man muss hart dafür arbeiten und vor allem muss man dranbleiben, auch wenn es mal längere Zeit nicht vorangeht.
(Bill) Musik ist im Endeffekt eine Dienstleistung am Zuhörer. Wir wären schon bereit, uns etwas anzupassen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Unser gesamtes Bandkonzept würden wir nicht über den Haufen werfen. Wenn einem alles vorgeschrieben werden würde, würde einem jegliche Inspiration genommen und der Spaß daran würde einem vergehen. Man macht schließlich Musik, weil man sie liebt.

Ihr werdet am 26. Oktober ein exklusives Couchkonzert im GrenzEcho spielen. Worauf muss sich das Publikum einstellen?
(Paquet) Wir werden auf jeden Fall Akustikversionen aller unserer Songs spielen, die bereits im Internet umherschwirren. Ein paar neue Songs von unserem Debütalbum werden auch dabei sein.

Last Livin Lion geben exklusives Couchkonzert im GrenzEcho

Am 26. Oktober (ab 19 Uhr) spielt die Band im GrenzEcho ein exklusives Akustik-Set in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre und wir laden eine Handvoll Leser dazu ein, Teil dieses besonderen Abends zu sein – Getränke und Snacks inklusive.

Karten für das GE-Couchkonzert kann man nicht kaufen, sondern ausschließlich gewinnen. Wer dabei sein möchte, der schreibe entweder eine E-Mail mit dem Betreff „Couchkonzert“ an gewinnspiele@grenzecho.be oder nehme an unserem Gewinnspiel auf der GE-Facebookseite teil.

Ist das Interesse sehr groß, entscheidet die Glücksfee. Die Gewinner werden rechtzeitig benachrichtigt.

Wer nicht dabei sein kann, den laden wir dazu ein, sich das Couchkonzert ab 19.45 Uhr auf der GE-Facebookseite im Livestream anzuschauen. (sue)

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