Kettenis: Das Dorf in der Nähe der Stadt

LokalRunde

Schnurgerade und viel befahren: Dass die Ketteniser die Aachener Straße vor allem als trennendes Element empfinden, dürfte bei der LokalRunde angesprochen werden. | Foto: David Hagemann

Eng verknüpfte Dorfgemeinschaft und blühendes Vereinsleben einerseits sowie Verkehrsbelastung und zu wenig fußläufig erreichbare Angebote andererseits: Wenn die 20. LokalRunde am kommenden Sonntag, um 11 Uhr im Café Zum Tal einkehrt, dann mangelt es nicht an Themen für diese Ketteniser Auflage der GrenzEcho-Veranstaltungsreihe.

Von Jürgen Heck

Wie für viele andere Ortschaften gilt auch für Kettenis, dass die geografische Lage Fluch und Segen zugleich sein kann. Denn das Dorf hat unwiderruflich Durchgangscharakter: beispielsweise für die zahlreichen Eupener, deren Arbeitsplatz über Merols hinaus liegt, und für die Eltern von zahlreichen Besuchern der Eupener (Sekundar-)Schulen. Die so entstehenden „Blechlawinen“ wälzen sich über die Regionalstraße N68, die Aachener Straße.

Sicherlich gibt es noch andere Verkehrstrassen, die mindestens, wenn nicht noch intensiver genutzt werden, aber für in Kettenis hat dieses Phänomen im wahrsten Sinne des Wortes einen einschneidenden Charakter: Durch die Aachener Straße wird das Dorf in zwei Teile gespalten, was vor allem für die sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmer negative Auswirkungen hat.

Doch genau diese Nähe zu Eupen einerseits, die gute Busverbindungen und die schnelle Erreichbarkeit von Regionalstraße und Autobahn andererseits machen einen Teil der Ketteniser Attraktivität aus. Die intensive Bautätigkeit zeugt davon, dass es nach wie vor einen Markt für Wohnraum in Kettenis gibt.

Ganz gezielt wurde bei der nicht-repräsentativen Telefonumfrage, die das GrenzEcho im Vorfeld jeder LokalRunde durchführt, nachgefragt, ob es noch immer so etwas wie eine Ketteniser Identität gibt. Die Antworten hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können.

So fühlen sich einige Befragte durchaus als „100-prozentige“ Ketteniser, denen das Dorf und die Dorfvereine ungemein wichtig sind. Sie sind von der Dorfgemeinschaft, für deren Fortbestand es sich einzusetzen gilt, vollständig überzeugt. „Ich bin ein Ketteniser, kein Eupener“, könnte man diese Einstellung verkürzt darstellen.

Am anderen Ende der Skala stehen jene, für die Kettenis längst nur noch ein Stadtteil von Eupen ist. Das sei erst recht so, seitdem Dorf und Stadt nicht mehr durchgehend durch einen Grüngürtel getrennt seien, ja geradezu nahtlos ineinander übergehen. Ein Befragter meinte sarkastisch: „Der einzige Tag, an dem man sieht, wo Kettenis anfängt und Eupen aufhört, ist der Tag, an dem der Müll abgeholt wird.“ Auch bezüglich dieser Frage gibt es die Goldene Mitte, die doch viele Ketteniser im Herzen tragen. Diese Position könnte man wie folgt umschreiben: „Ich genieße es, in Kettenis mit seinen dörflichen Vorzügen zu leben, profitiere aber davon, dass vieles in Eupen so nah liegt.“

Doch zurück zum Thema Verkehr und Mobilität. Dazu gab es bei der Telefonumfrage die meisten deutlichen Aussagen. Verkehrsdichte, überhöhte Geschwindigkeit, zu wenig Verkehrsberuhiger und Bürgersteige: Das sind nur drei der verschiedensten Forderungen, die in diesem Zusammenhang laut wurden. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Kreuzung Aachener Straße/Weimser Straße/Lindenberg, für die selbst ein Kreisverkehr ins Gespräch gebracht wurde.

Bei der LokalRunde am Sonntagmorgen wird diese Fragestellung sicherlich aufs Tapet kommen und kontrovers diskutiert werden.

Bei der lockeren Gesprächsrunde zur Frühschoppenzeit wird sicherlich angesprochen werden, wie es in Sachen Kneipe und Saal weitergeht. Vielen Kettenisern ist sehr bewusst, welche Bedeutung diese Einrichtungen für das Dorfleben, erst recht für die Dorfvereine, haben. Auch die Möglichkeit, tagsüber zu Kaffee und Kuchen einkehren zu können, gehört zu den Wünschen, die bei der LokalRunde-Befragung geäußert wurden.

Diese und andere Themen sollen am Sonntag zur Frühschoppenzeit aufs Tapet kommen. Als Gesprächspartner haben sich Christine Kirschvink-Ernst, Christine Haag, Karl Miessen und Stephan Mathieu bereit erklärt, André Frédéric von Radio Contact Ostbelgien Now und GE-Journalist Jürgen Heck Rede und Antwort zu stehen.

Alle Ketteniser sowie alle interessierten Bürger sind, selbstverständlich bei freiem Eintritt, herzlich eingeladen, sich aktiv als gern gesehene Besucher, Fragesteller und Diskussionsteilnehmer am Sonntag in das Geschehen bei der Gesprächsrunde einzuschalten.

Und allen winkt am Ende der Veranstaltung eine LokalRunde, die das GrenzEcho im Café Zum Tal ausgibt.

Verkehr und Mobilität beschäftigen die Ketteniser.

Die Themen Verkehr und Mobilität prägten die Telefonbefragung im Vorfeld der LokalRunde Kettenis. Nachstehend einige der wichtigsten Aussagen:

Die Verkehrsdichte an der Aachener Straße ist zu hoch.

Kettenis wird durch die Aachener Straße in zwei geteilt.

Oberste Heide und Buschbergerweg werden in beiden Richtungen als Umgehung für die Aachener Straße missbraucht.

Die Existenz des Parkplatzes hinter der Mehrzweckhalle ist zu wenigen bekannt. Er müsste besser ausgeschildert werden.

Bushaltestellen gibt es nur an der Aachener Straße.

Geschwindigkeitskontrollen werden für den Buschbergerweg gefordert.

Insgesamt sollte man im Dorf die Höchstgeschwindigkeit senken.

In den Wohngebieten wie Herrenpfad/Schöne Aussicht sollten verkehrsberuhigende Maßnahmen angebracht werden.

Die Oberste Heide sollte in eine 30er-Zone umgewandelt werden.

Es gibt zu viele Schlaglöcher, auch in den Bürgersteigen.

Es werden mehr Bürgersteige benötigt, nicht zuletzt an der Hochstraße und an der Aachener Straße.

Man sollte die Promenade über den Bushof hinaus verlängern.

Es mangelt an Parkplätzen im Bereich Marienstraße/Nispert.

Es sollte eine Radanbindung an den Ravel geschaffen werden.www.lokalrunde.be

Austragungsort und Thema zugleich: Viele Ketteniser wünschen sich, dass Kneipe und Café Zum Tal wieder in vollem Umfang funktionieren.

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