Eupener Historiker David Engels: „Deutschland verrennt sich“

Interview

Das Deutschland der „Weltkanzlerin“ zeichne sich durch permanente diplomatische Alleingänge aus, so David Engels. | Foto: dpa

Der Eupener Historiker David Engels hat kürzlich ein Essay veröffentlicht, in dem er ausführt, wie Deutschland immer wieder mit verhängnisvollen Folgen versucht, das restliche Europa mit rück­ständigen Ideen zu dominieren – bis heute.

Von Nathalie Wimmer

Sie bezeichnen Deutschland in einem Essay, das kürzlich in der „Weltwoche“ erschienen ist, als Problemkind der

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  1. „Vor allem verweigert sich die Bundesrepublik mit ihrem Festhalten am Nationalstaat standhaft der dringend notwendigen Reform und Vertiefung der EU etwa durch ein gemeinsames Budget, ein echtes Steuerwesen, eine zentrale Sozialpolitik oder eine demokratisch legitimierte EU-Regierung.“

    Aber, Herr Engels, sind denn die anderen 27 Länder bereit, diesen Weg zu gehen? Die Antwort ist ein klares Nein. Welches Land ist denn wirklich bereit, das Konzept des Nationalstaates aufzugeben?

    Unter eben diesem Vorwurf, nämlich dass die EU schon jetzt zu viele Kompetenzen habe und ihre Regelungen „diktatorisch“ über die Köpfe der nationalen Regierungen durchsetze, scheidet doch Großbritannien jetzt gerade aus dieser EU aus.

    Auch die osteuropäischen Staaten zeigen nur Begeisterung für Europa, wo es um das massive Abgreifen von Subsidien geht, siehe Polen und Ungarn.

    Und in Katalonien formiert sich schon ein neuer Nationalstaat. Morgen folgen dann Schottland, Flandern oder Norditalien.

    In Ihrem Buch „Auf dem Weg ins Imperium“ haben Sie die unausweichliche, da historisch vorherbestimmte Entwicklung vorgezeichnet: zuerst Bürgerkrieg aller gegen alle, dann Auftreten eines starken Herrschers, ähnlich Kaiser Augustus, der alle Probleme löst und mit starker Hand europaweit von oben nach unten durchregiert.

  2. Ich frage mich, was mit diesen Analysen erreicht werden soll. Sie kommen mir wie eine Totgeburt vor…

    Was bringt dieser einseitige Fokus auf „das“ Deutschland und „die“ Deutschen? Warum diese krampfhafte Suche nach einem fast schicksalhaft vorgegebenen roten Faden in der Geschichte einer lange Zeit ungeeinten Kulturnation? Jedes Land birgt haufenweise Widersprüche, geht von einem Extrem in das andere, ist mal fortschrittlich, mal rückständig usw.

    Was ist z.B. schlimm daran, dass die „bedeutenderen“ Staaten, ob in der EU oder auf anderen Ebenen, sich in Separatgesprächen auf Leitlinien einigen? Die Praxis hat doch zur Genüge gezeigt, dass man so am besten vorankommt…

    Nicht sonderlich ernst nehmen kann ich Aussagen in der Art von „das Zerbrechen der christlichen Einheit durch den Protestantismus“ sei typisch deutsch.

    Bedenklich finde ich, dass Herr Engels tatsächlich zu glauben scheint, man hätte in Deutschland die Öffentlichkeit befragen sollen, bevor man die ganzen Wirtschaftsflüchtlinge hereinlässt. Klingt schon sehr populistisch… Er müsste doch wissen, dass solche „Befragungen“ kaum emotionsfrei und objektiv argumentiert ablaufen. Typischerweise werden sie immer dann gefordert, wenn man etwas ablehnt bzw. zu verhindern sucht.
    Vor lauter Analysieren und Theoretisieren kann mal schnell der Blick für die Realitäten verloren gehen!

  3. @N. Schleck
    @W. Brüls
    Vollkommen einverstanden.

    Der Beitrag von Herrn Engels ist, was seine historische Analyse betrifft durchaus interessant, informativ und aufklärend. Seine politische Betrachtung verlangt jedoch nach Gegenrede, wird hier doch eine quälend einseitige, widersprüchliche und letztlich klischeehafte Sichtweise dargelegt.
    Herr Engels fordert in seinen abschließenden Aussagen über die Rolle Belgiens „eine diplomatische Umorientierung hin zu den Alternativen Wert- und EU- Modellen Süd- wie Osteuropas“ und eine Hinwendung zum „traditionellen humanistischen abendländischen Menschenideal in Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft“.
    Wie lässt sich beim Blick auf die politische Entwicklung in den osteuropäischen Ländern (insbesondere die Visegrád-Staaten) diese Aussage mit der Äußerung in Einklang bringen, „Flüchtlingen für die Dauer des Konfliktes im Ursprungsland eine sichere Bleibe zu gewähren, sei eine elementare menschliche Pflicht“? Offensichtlich gar nicht, waren es doch die Herrn Orban, Sobotka, Fico und Frau Szydlo die den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen mit der Eiseskälte ihrer nationalitischen Politik begegneten und sich mit einer Ausnahme bis heute weigern, ihren humanistisch-solidarischen Beitrag zu leisten und EU-Entscheidungen umzusetzen.
    In dieser Notsituation war es die „ideologisch und vom Materialismus geblendete“ Frau Merkel, die sich über ein mit einem Geburtsfehler behafteten Dublin-Abkommen hinweggesetzt hat, das den Anforderungen der „Flüchtlingskrise“ und insbesondere den EU-Mittelmeer-Ländern nicht im Ansatz noch gerecht wird.
    Die von Herrn Engels geforderte legitime Befragung der Bevökerung zur Flüchtlingspolitik wird zumindest nachträglich am 24. September stattfinden.
    Die Parteien, die dem „abendländisch-humanistischen“ Leitbild von Herrn Engels, was die Flüchtlingspolitik betrifft, am nächsten kommen, werden bei dieser Wahl 70-80 % der Wählergunst auf sich vereinen. Wo liegt also das Problem?
    Dieses liegt wohl in der ideologisch-politischen Zerrissenheit von Prof. Engels begründet, der sich zwar einerseits offensichtlich und zu Recht nach einer Alternative zum vorwiegend materialistischen, neo-liberalen europäischen Wirtschafts- und Politikmodell sehnt, anderseits aber in der Ablehnung neuer „vermeintlich“ rechter Bewegungen, Parallelen zur Kommunistenverfolgung in den USA der 50er Jahre zu erkennen glaubt.
    Vielleicht ist Herr Engels auf dem rechten Auge blind, wenn er linksextreme Übergriffe auf, ja auf wen?, beklagt, die demokratiezersetzenden Umtriebe und fast täglichen Verunglimpfungen dieser „vermeintlich“ Rechten jedoch ignoriert. Oder handeln Herr Gauland, Frau Storch, Herr Höcke und Co. mit „inhaltlicher Rechtfertigung“ ?
    Von kaum einer politischen Partei wird der grenzenlosen Multikulturalismus in Deutschland noch propagiert. Und sicher stößt die zunehmende Zahl ausländischer und muslimischer Flüchtlinge und Migranten zu Integrationsproblemen und zu der Frage, wie und ob deren kulturelle und religiöse Lebensweisen mit den angeblich homogenen „christlich-abendländischen“ Werten zu vereinbaren sind. Mit Ja oder Nein ist diese Frage nicht zu beantworten. Die gesellschaftliche Akzeptanz hat sicher ihren Sättigungsgrad erreicht. Davor darf keiner die Augen verschließen. Das Bleiberecht von Flüchtlingen von deren Integrationsfähigkeit, vor allem aber deren Integrationswillen abhängig zu machen, ist ebenso legitim wie notwendig.
    Aber wo bitte findet – außer in den inakzeptablen und beklagenswerten Ausländerghettos – die von Herr Engels erkannte zunehmende kulturelle gesellschaftliche Transformation statt?
    Wenn man dies ließt kann der Eindruck entstehen, dass Herr Engels ebenfalls der Umvolkungs-Verschwörungstheorie rund um den angeblichen Kalergi-Plan anhängt…
    Das von Prof. Engels kritisierte „Maas’sche Zensurgesetz“ ist zumindest der Versuch, die Beiträge in den ach so „sozialen Medien“, die von dem Recht auf freie Meinungsäußerung nicht mehr gedeckt sind und sich nur noch in Demokratiezersetzung, in Volksverhetzung und Diffamierung suhlen, einzudämmen bzw. die Betreiber solcher Plattformen an ihre Verantwortung zu erinnern. Wahrscheinlich wird dieses Gesetz sogar scheitern. Ohne ein Mindestmaß an Selbstzensur wird dem Problem jedoch nicht beizukommen sein, es sei denn man ist gewillt, die Implosion einer jetzt schon überforderten Justiz in Kauf zu nehmen.
    Der Verdienst des Beitrags von Prof. Engels ist es, Standpunkte und Positionen zu hinterfragen oder gar infrage zu stellen.
    Wenn eine anerkennenswerte, komplexe historische Aufarbeitung jedoch zu widersprüchlichen und fragwürdigen politischen Bewertungen der Gegenwart führt, hilft vielleicht der Hinweis, der historische Schuster möge bei seinen historischen Leisten bleiben.

  4. Mit Vielem hiervor einverstanden.
    So gefällt mir der Vorschlag einer Volksbefragung, während tausende Flüchtlinge in Budapest festsitzen, z.B. besonders „gut“…
    Auch die „Tatsache“, dass „Deutschlands Export durch den praktischerweise unterbewerteten Euro profitiert“… Das Gegenteil ist z.Z. – leider – der Fall ! Und – fast nur – Deutschland kann in Europa, aufgrund „exzessiv praktizierter“ sozialer Marktwirtschaft, Mitbestimmung (kaum Streiks) sowie Qualitäts- und Technologiestandards, dem schwachen Dollar widerstehen und Paroli bieten. Andere europäische Länder mit dem Euro haben da ganz andere Probleme!

  5. „Nicht so die Situation in den neu entstandenen multikulturellen Großstädten wie Paris oder Manchester, wo die kulturelle Divergenz zu den meist islamischen Neubürgern in dem Maße vom Neben- zum Gegeneinander führt, dass die ursprünglichen Europäer allmählich in die Minderzahl geraten.“

    Die Europäer in Städten wie Paris und Manchester gegenüber den Moslems allmählich in der Minderzahl?

    Paris: 10-15 % (geschätzt), Manchester: rund 16 %
    Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cities_in_the_European_Union_by_Muslim_population

    So biegt Herr Engels sich die Fakten zurecht, bis sie in sein Schema passen.

    Verräterisch auch die Forderung, Belgien solle sich „zum traditionellen humanistischen abendländischen Menschenideal in Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft“ hinwenden. Tradition… die gute alte Zeit, als noch alles seine Ordnung hatte. Im Grunde ein reaktionäres Weltbild, das da propagiert wird. Nur dass diese gute alte Zeit nicht gut war, außer für einige wenige. Das war auch im antiken Rom nicht anders.

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