Ein Wochenende lang fette Beats

Trakasspa-Festival

40 DJs auf zwei Bühnen, fette Beats und drei Tage lang gute Laune nonstop: Am Wochenende ging an der Hochstraße in Kettenis das vierte Trakasspa-Festival mit international bekannten Acts und Lokalmatadoren über die Bühne. Eine ganz besondere Note gab dabei am Sonntag das integrierte Holi-Spirit-Fest.

Annick Meys

Am frühen Sonntagnachmittag ist das Festivalgelände an der Hochstraße wie ausgestorben. Es ist der Tag nach einer richtig guten Party. Der Moment nach dem Ausruhen und vor dem Weiterfeiern: Plastikbecher liegen im Gras, in den Hängematten chillen müde Gestalten – ihnen steckt der Vorabend noch sichtbar in den Knochen. Derweil checkt auf der GrenzEcho-Stage ein DJ die Technik. Ein junger Mann tanzt vor der Mainstage gedankenversunken zum Beat. Der DJ hat Electronic Dance Music, kurz EDM, aufgelegt. Noch vor wenigen Stunden dröhnte an dieser Stelle House und Techno aus den Boxen. Auch die Theken-Crew bereitet alles für den letzten Festival-Tag vor. Gläser werden gespült, Kühlschränke aufgefüllt.

Indes: Das Team vom Roten Kreuz ist bereits vollzählig. „Wir sind heute zehn Leute“, erklärt Andreas Müllender. Zwei Personen mehr als noch am Samstag. Warum? Wegen des Holi Spirit-Festivals: „Der Farbpuder kann Augen- und Atemreizungen hervorrufen. Manche Leute reagieren auch allergisch darauf.“ Der Samstag sei zudem, bis auf ein paar Schnittwunden und Unwohlsein aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum, ruhig verlaufen. Immerhin musste niemand ins Krankenhaus eingeliefert werden. „Es lag im Rahmen“, so Andreas Müllender.

Trotzdem hat das Organisationsteam anstrengende Tage hinter sich. Anstrengend, aber gut. Mitorganisator Tom Rosenstein ist schon seit acht Uhr wieder auf dem Gelände, um nach dem Rechten zu sehen. „Man hat immer mehrere Baustellen gleichzeitig. Ich bin echt durch“, lacht er. „Am ersten Tag gibt es immer kleinere Problemchen, der zweite Tag ist schon relaxter – und heute ist es noch stressfreier.“ Zeit, durchzuatmen, bevor das Gelände ein letztes Mal von Festivalbesuchern bevölkert wird. Am Freitag kamen etwa 1.000 Menschen, am Samstag rund 1.800. „Wir hatten echt Glück mit dem Wetter. Heute sind es sogar noch zwei Grad wärmer. Perfekt.“ Das Feedback sei „hammermäßig“, sowohl vonseiten der Besucher als auch der Künstler: „Atemberaubend“, „Das Beste, was Ostbelgien zur Zeit zu bieten hat“ oder „Mega-Show“.

Zum ersten Mal hatte das Trakasspa-Team in diesem Jahr ein Zweibühnenkonzept umgesetzt: Auf der gigantischen Hauptbühne drehten international bekannte Größen der Electro-Szene wie Watermät, Nora en Pure und Zonderling an den Turntables, auf der GrenzEcho-Stage boten lokale und regionale DJs Programm. Zum Abschluss wurde am Samstagabend ein großes Feuerwerk gezündet. Ein rappelvoller Shuttlebus brachte die Festivalgänger nach dem letzten Act nach Hause.

Auch Denise Pitz war am Samstag schon hier. Sie ist erst 17, wird aber in acht Tagen 18. „Mich hat niemand nach dem Ausweis gefragt“, grinst sie. Also ist sie bis zum Ende geblieben. „Es war gut. Sehr gut sogar. Die Leute, die Musik, die Stimmung.“ Heute hat sie ihre Freundinnen Joana und Zoé im Schlepptau. Die drei sind wegen dem Holi Spirit hier, das zuvor mehrere Male in Welkenraedt stattgefunden hat und nun im Rahmen des Trakasspa-Festivals nach Kettenis kommt.

In Kooperation mit dem Daftteam bündelten die Macher des Electro-Festivals alle Kräfte: Holi Spirit und elektronische Musik vereint auf einem Gelände. Tom Rosenstein ist froh über diese Entscheidung: „Es ist ein gegenseitiges Voneinanderlernen, beide Seiten profitieren.“ Quentin Schmitz vom Daftteam stimmt Tom Rosenstein zu: „Die Location ist genial, so etwas hätten wir für das Holi Spirit Festival nie gehabt.“ Und nicht nur das. Es seien auch Freundschaften entstanden. „Wir kannten uns vorher nur vom Sehen. Wir sind als Team richtig zusammengewachsen“, so Rosenstein.

Quentin Schmitz schnorrt sich eine Zigarette, dann muss er weiter. Er hat es eilig, in einer Viertelstunde muss er am Bahnhof sein, um DJ James Carter dort abzuholen, der aus London angereist ist. Sein Telefon klingelt und es wird heute gefühlt auch noch weitere 200 Mal klingeln: Ein Rückflug wurde storniert, der Künstler möchte nach seinem Set in einem Hotel in Brüssel untergebracht werden. Jetzt muss Schmitz reagieren. Er verabschiedet sich. Auch nach Tom Rosenstein wird jetzt wieder verlangt – so langsam nimmt der dritte und letzte Festivaltag an Fahrt auf. Noch eine schnelle Frage im Gehen: Wird es eine Wiederholung des Festivals geben? „Abwarten“, lacht Tom Rosenstein.

Gegen eine weitere Auflage im kommenden Jahr hätte Heike Verheggen definitiv nichts einzuwenden. „Es ist ein spannendes, sehr beeindruckendes Wochenende gewesen“, verrät die Moderatorin, die zum ersten Mal überhaupt das Trakasspa-Festival besuchte und für Radio Contact live vom Festivalgelände berichtete. Und so richtig wie Arbeit hat sich das Ganze für sie gar nicht angefühlt. „Ich bin wirklich positiv überrascht, wie offen und ehrlich mir die DJs im Interview begegnet sind. Ich habe da noch so einiges über die verschiedenen Szenen lernen können. Das hat Lust auf mehr gemacht“, gesteht Heike Verheggen.

Letzteres galt auch für all jene Festivalbesucher, die am Sonntag erstmals mit dem Holi-Spirit-Festival in Berührung kamen. Mit Maismehl und Lebensmittelfarbe gefüllte Beutel flogen durch die Luft und verwandelten Leute und Wiese in ein buntes Schlachtfeld. Ein würdiges Finale eines kunterbunten Wochenendes.

Trakasspa Samstagabend

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Trakasspa Freitagabend und Samstagnachmittag

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Trakasspa-Holispirit Festival 2017

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  1. Eines vorweg: das Trakasspa-Festival ist für Jugendliche der Umgebung ein tolles Event, mit Liebe und Einsatz vorbereitet und organisiert, ein Highlight schlechthin, wie die Berichterstattung im GE vom 17.07. auf Doppelseite hervorhebt.
    Allerdings „übersieht“ die Reporterin einen nicht unerheblichen Aspekt: das Großereignis findet am falschen Standort statt, unmittelbar im Anschluss an die Gärten der Anwohner, die von Freitag, 18:00, bis Sonntag, 24:00, keine Ruhe finden, deren Haus und Körper mitunter beben und dröhnen.
    Mitorganisator Tom Rosenstein hat zwar nach seinen Möglichkeiten immer wieder versucht auf beiden Seiten zu vermitteln und zu schlichten, aber auch ihn überfordert verständlicherweise die Wucht der röhrenden Bässe ebenso wie die Erwartung der unmittelbar betroffenen Anwohner.
    Eines ist spätestens nach dieser 2. Auflage klar: es darf keine erneute auf der Hochstraße geben.
    Hier sind in erster Linie BSK und Schöffe Hunger gefordert, die sich im Vorfeld hinter fiktiven Auflagen und leeren Versprechungen versteckten, statt einige potentielle Wähler ernst zu nehmen.
    Ein drittes Festival sei Organisatoren und Eventbegeisterten von Herzen gegönnt, aber zum Frieden aller in vernünftiger Entfernung jeglicher Wohnhäuser.

  2. Seltsamerweise beschwert sich kaum jemand, wenn die ganze Stadt mitten im Zentrum beispielsweise das Tirolerfest begeht… Warum ist es immer nur dann unerwünscht, wenn es eine Veranstaltung mit Jugendlichen und elektronischer Musik und nicht eine Veranstaltung mit Erwachsenen bzw. Senioren und Volksmusik ist?
    Möchte man eine Stadt, die lebt und in der etwas los ist (und nebenbei Einnahmen durch Festivalgänger generiert), oder eine Stadt, die am Wochenende vor sich hin gähnt?

    1. Lieber Herr Hezel.
      Lassen Sie bitte die Kirche im Dorf,es ist nicht die Rede das solche Veranstaltungen unerwünscht sind,es geht hier schlicht und einfach um die übertriebene Lautstärke, ich gönne jedem seine Feier oder Veranstaltung aber was die Lautstärke des Festivals vom Wochenende angeht grenzt an zumutung.Wenn es Sie auch nicht gestört hat,es gibt andere Leute die eine andere Meinung dazu haben.Als kleine Info anbei,die übertriebene Lautstärke des Festivals vom Wochenende konnte man bis weit über Schönefeld hinaus hören.

  3. Ich weiss nicht wer „man“ ist, aber „ich“ fände gähnende Wochenenden definitiv erholsamer.
    Vom Trakasspa-Wochenende habe ich jede einzelne Minute mitbekommen, im Schlafzimmer, und das, obwohl ich auf der Klotzerbahn wohne, da kann ich ja froh sein, keine Karte gekauft zu haben. Toll, soviel gespart; schlimm, keine Einnahmen generiert. Schlafen? Mit Oropax oder geschlossenem fenster. Zum Glück hatten wir keine Hitzewelle, sonst macht das keinen Spass.
    Und ähnlich kann ich mich sicher wieder auf die Christmas Beats (wieder Trakasspa) „freuen“, diesmal genau unterm Fenster. Da werde ich auch beschallt, kostenlos, aber auch ungefragt. Und meine Ruhe? Inexistent. Nach stundenlanger Weihnachtsmusik gibt es dann Bässe, dass die Fenster wackeln und Ohrestöpsel kapitulieren.
    Wie ich ich mich diesbezüglich bei Zuständigen der Tourist Info beschwerte, merkte ich an, dass es für solche Events mittlerweile den Alten Schlachthof gibt, und ich würde mich freuen, wenn solche Angelegenheiten dorthin verpflanzt würden.

    Ich stimme in dem Punkt zu, dass die Veranstaltungen in Eupen nichtt gleichmässig verteilt sind, und bestimmte demographische Gruppen besser oder schlechter bedient werden als andere. Und auch sich auf „Tradition“ zu berufen, um z.B. ein Tirolerfest im Zentrum zu rechtfertigen, ist vielleicht ein bisschen schwach als Argument.
    Fakt ist aber, dass gewisse Orte und Plätze in Eupen den Grossteil der lautesten Veranstaltungen tragen, und immer hört man, „man“ wolle Leben in die Stadt bringen. Ganz ehrlich, wer im Stadtkern wohnt, freut sich abends nur auf Ruhe und verzichtet gerne auf Jodler UND fette Beats.
    Ausserdem ist Eupen wirklich nicht am A…h der Welt, und man erreicht relativ schnell und einfach die angesagten Partys. „Man“ kann von mir aus gerne da feiern.

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