D’r Sach erobert den ostbelgischen Karneval

GEneration

Sacha Kever ist im Karneval als "D'r Sach" auf der Bühne zu sehen.

Er ist jung und heiß auf die Bühne: „D‘r Sach“ ist die Nachwuchshoffnung im ostbelgischen Karneval. Im November hat er sein erstes Lied vorgestellt. Seitdem tingelt er von Auftritt zu Auftritt.

Von Annick Meys

„D‘r Sach“ heißt eigentlich Sacha Kever, ist 23 Jahre alt und macht gerade eine Ausbildung zum Gastronomiefachmann. Nebenbei arbeitet er in einer Frittüre. In der Karnevalszeit dreht der Raerener voll auf: Dann zieht er seine Fliege, ein weißes Hemd und Hosenträger an – und macht als „D‘r Sach“ Stimmung auf ostbelgischen Bühnen.

Sacha ist neu in der Szene. Im November hat er im Haus Harna in Walhorn sein erstes Karnevalslied „Vär klatsche ijen häng“ (Wir klatschen in die Hände) vorgestellt. Den Text dazu hat er selber geschrieben. Inhaltlich ist der Song zwar mehr als banal, aber wer erwartet im Karneval schon Tiefsinnigkeit? „Es geht nicht um mehr, als dass man in die Hände klatscht. Es ist ein Mitmachlied. Solange es für Stimmung sorgt, hat man alles richtig gemacht“, weiß der 23-Jährige.

Vor seinem ersten Auftritt hatte Sacha ganz schön Muffen­sausen: „Ich hatte große Angst, dass das Lied nicht gut ankommt und keine Stimmung aufkommt. Das ist wirklich das Schlimmste, was einem auf der Bühne passieren kann.“ Zum Glück trat der Fall nicht ein. Im Gegenteil: der Song ging auf Anhieb durch die Decke. Kein Wunder. Wenn Sacha die Bühne betritt, dreht er voll auf: von null auf hundert. „Wenn man alleine auf einer Bühne steht, dann ist da ganz schön viel Raum. Man muss ihn nutzen, damit man sich da nicht verloren vorkommt. Auf die Performance kommt es an. Man muss die Leute animieren.“ Offenbar macht Sacha das so gut, dass er immer öfter gebucht wird. „Zwar als Eisbrecher“, gibt er lachend zu, „aber einer muss es ja machen.“ Seitdem er nach seinen Auftritten regelmäßig nach seiner Nummer und Verfügbarkeit gefragt wird, hat er auch kleine Visitenkarten. Und eine Facebook-Seite.

Sacha liebt den Karneval einfach. Es gibt für ihn nichts Schöneres. Selbst zu Weihnachten hört er Karnevalsmusik. So kam es, dass der Eupener Stimmungsmacher „Sven ohne Girls“ den 23-Jährigen vor einem Jahr während eines Auftritts spontan auf die Bühne holte. „Ich konnte jedes Lied mitsingen, das hat ihn, glaube ich, beeindruckt“, vermutet Sacha. Was sich die meisten wohl nicht getraut hätten, tat der Raerener ohne mit der Wimper zu zucken: „Ich bin dann auf die Bühne gegangen und habe mitgefeiert. Den Leuten hat es gefallen und ich hatte auch richtig Spaß.“ Dann kam eins zum anderen: Der Kelmiser Mirko Braem, der viele Jahre selber Karnevalsmusik machte, wurde auf Sacha aufmerksam und nahm ihn unter seine Fittiche. „Er war wohl der Meinung, dass ich in den Karneval gehöre und hat mich bei der Produktion meines Songs unterstützt“, erzählt Sacha.

Wenn es mir irgendwann keinen Spaß mehr macht, dann höre ich auf.

Sacha Kever

Der 23-Jährige findet es wichtig, dass es Menschen gibt, die den Karneval „am Laufen halten“. Er möchte einer davon sein. Noch ist der Raerener ein kleiner Stern am Karnevalshimmel. Für seine Auftritte kassiert er keine Gage – zumindest noch nicht: „Ich hoffe, dass nächstes Jahr auch mal etwas dabei herausspringt“, lacht er. Denn bislang hat Sacha nämlich nur reingesteckt, unter anderem in seine Outfits, Fahrtkosten und die Studioproduktion seines ersten Hits, das auf dem Sampler „Lot dech Jue“ zu hören ist. Ein paar hundert Euro hat ihn das alles gekostet. „Davon hätte ich schön in Urlaub fliegen können.“ Aber wer möchte schon Urlaub machen, wenn er sich auch auf ostbelgischen Karnevalsbühnen feiern lassen kann? Sacha jedenfalls nicht. Mittlerweile hat der 23-Jährige ein kleines Bühnenprogramm. Sein Repertoire umfasst drei Lieder – alle auf plattdeutsch. Das hat Sacha zwar nie wirklich gelernt, aber seine Eltern und Mirko Braem helfen ihm, wenn es mal hakt. So ist das in der Karnevalsszene. Man unterstützt sich gegenseitig. Konkurrenzkampf gibt es nicht. „Die Spassvögel haben mich auch schon mitgenommen zu Auftritten. Das hilft ungemein“, weiß Sacha.

Er nimmt das alles aber auch nicht allzu zu ernst: „Wenn es mir irgendwann keinen Spaß mehr macht, dann höre ich auf.“ Soweit ist es aber noch lange nicht. Am 25. Februar hat Sacha beim „Samstags-Comeback“ der Kgl. KG Lustige Elf Raeren in der Kantine des RFC Raeren (20.11 Uhr) seinen nächsten Auftritt.

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