Die Akte Manfred Theissen: Sieben Jahre später

Kommentar

Der Kassationshof in Brüssel hat festgehalten, dass das Urteil gegen den früheren AS-Manager Manfred Theissen rechtens ist. | Foto: GrenzEcho-Archiv

Sieben Jahre ist es her, dass die AS Eupen erstmals um den Klassenerhalt in der 1. Division kämpfte, erfolglos, wie wir inzwischen wissen. Sieben Jahre ist es her, dass der damalige Manager Manfred Theissen alles in Bewegung setzte, um diesen, für den Verein mit großen finanziellen Einbußen verbundenen Abstieg am

Ein Kommentar von Jürgen Heck

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  1. Hallo Jürgen,
    Um zu bewerten, ob Manfred Theissen das Gesetz wirklich „derart gebeugt“ hat, sollte man sich auch 7 Jahre später – ungeachtet des ergangenen Urteils – noch einmal die Frage stellen, mit welcher Motivation und mit welchen Konsequenzen dies geschah und welches der entstandene Schaden war.

    Die Motivation lag wohl darin, die Chancen der AS im Abstiegskampf zu verbessern und die Instanzen des Fußballverbandes dazu zu bewegen, die Rechtmäßigkeit (!) eines Spielergebnisses (Mechelen-Lierse) zu prüfen, bei dem ein vermeintlich nicht spielberechtigter Spieler des direkten Abstiegskonkurenten Lierse auf dem Schiedsrichterblatt vermerkt war.
    Eine Prüfung, die der Verband eigentlich aus eigener Initiative hätte vollziehen sollen/müssen.
    Motivation war es also nicht, sich zu bereichern oder jemanden zu schädigen, sondern – in Ermangelung einer notwendigen Eigeninitiative des Fußballverbandes – Fußballrecht zur Anwendung zu bringen. Dummerweise 7 Tage zu spät.
    Die Konsequenz des Handelns von M. Theissen bestand darin, dass der Fußballverband die Rechtmäßigkeit des Spielergebnisses schließlich geprüft hat… (!) ohne dem Einspruch der AS allerdings stattzugeben.

    Bei der Bemessung des Strafmaßes hätte m.E. auch vorrangig bewertet werden müssen, welcher Schaden durch diese Beugung des Gesetzes entstanden ist.
    Subjektiv betrachtet kann ich diesen Schaden und auch einen möglichen Geschädigten immer noch nicht erkennen, abgesehen von einer möglicherweise beschädigten Vorbildfunktion, die ein Polizeibeamter erfüllen sollte.
    Das später vom Schnellgericht in Eupen verhängte Tagesgeld gegen den Verband kann m.E. nicht als ursächlicher Schaden interpretiert werden.

    Bei dem in meinen Augen völlig überzogenen Strafmaß von einem halben Jahr Gefängnis für die Rückdatierung eines Einspruchsschreibens hat – und dies gilt auch für den Untersuchungsaufwand der Staatsanwaltschaft – wohl die Tatsache eine Rolle gespielt, dass Manfred Theissen Polizeibeamter ist und die Verteidigungsstrategie u.a. darin lag, die Rückdatierung bis heute zu leugnen.
    Wäre der Manager des RSC Anderlecht ähnlich verfolgt und verurteilt worden ?
    Steht das Strafmaß wirklich in Relation zu dem Delikt ?
    Ich habe da so meine Zweifel.

    Die von Theissens Verteidigung angeführte Befangenheit von Prozessbeteiligten ist wohl auch vor diesem Hintergrund nicht unbegründet.

    Über die Konsequenzen für Theissens weitere berufliche Laufbahn entscheiden nunmehr die Bürgermeister der Polizeizone Weser-Göhl, u.a. – Ironie des Schicksals – Bürgermeister Alfred Lecerf aus Lontzen.
    Der gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Schaden, der durch die Raffgier dieses (und anderer) Volksvertreter entstanden ist (Stichwort Publifin,…) ist ungleich größer, als die Rechtsbeugung von Herrn Theissen.

    Der Unterschied: Herr Lecerf und Co handelten nicht uneigennützig/gesetzeswidrig sondern einfach nur eigennützig/unmoralisch.

    Fazit: Recht und Gerechtigkeit sind zwei verschiedene Paar Schuhe und sind es schon immer gewesen.

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