27. Pigallefest steht in den Startlöchern

Veranstaltung

Pigalle-Wirt Mike Lecok freut sich auf das erste Pigallefest, das er selbst organisiert hat. | Foto: David Hagemann

Seit einem Jahr ist Mike Lecok in Eupens Kultkneipe Pigalle der Herr an den Zapfhähnen. Am Mittwoch steht für den 27-jährigen Wirt die letzte Feuerprobe aus: das 27. Pigallefest, dessen Organisation zum ersten Mal in seinen Händen liegt.

Von Annick Meys

Es war der 15. August 2017, traditionell der Tag, an dem das alljährliche Pigallefest auf dem Werthplatz stattfindet, als der damalige Wirt Lars Brüll offiziell verkündete, die Kneipe an seinen Nachfolger Mike Lecok übergeben zu wollen. Ein Jahr später hat sich der Neffe des verstorbenen Pigalle-Wirts Rick gut in seine Rolle eingefunden. Entspannt sitzt er auf einem Barhocker an einem der dunklen Hochtische im Eicherustikalstil und nickt zufrieden. Hinter ihm liegt ein aufregendes Jahr, in dem er sich unzählige Nächte um die Ohren geschlagen und nur wenig geschlafen hat. Ein Jahr, in dem er den ein oder anderen Krawallmacher vor die Türe gesetzt hat. Ein Jahr, in dem der gelernte Sanitärinstallateur in seine neue Aufgabe als Wirt hineingewachsen ist.

Hoegaarden ist das Lieblingsbier der Pigallegänger.

Sein Fazit: „Ich habe jede Menge gelernt.“ Die Arbeit sei viel komplexer, als er anfangs gedacht habe. Er selbst, von Natur aus ein ruhiger Typ, sei geselliger geworden. „Ich habe viele sympathische Leute kennengelernt, die auch mal unaufgefordert Gläser einsammeln oder spülen, wenn der Laden brummt. Das weiß ich sehr zu schätzen.“ Was ihm nach wie vor aber schwerfalle: „In die Rolle des Chefs zu schlüpfen, beziehungsweise auseinanderzuhalten, wann ich Kumpel und wann ich Chef bin“, gibt er zu.

Seit er die Pigalle übernommen hat, hat Mike Lecok kaum etwas verändert. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es „schon immer so war“ und die Gäste es so mögen. „Es funktioniert, warum sollte man also etwas anderes daraus machen?“, denkt der 27-Jährige laut nach. Was in puncto Einrichtung stimmen mag, gilt jedoch nicht für die Getränkekarte. Regelmäßig kommen neue Biere zum ohnehin schon großen Repertoire hinzu, im Sommer sind es vor allem Fruchtbiere. Seit Neuestem gibt es das Leffe Nectar im Angebot. „Was nicht läuft, nehme ich wieder von der Karte“, so Lecok. Dieses Schicksal würde dem Hoegaarden, dem unangefochtenen Lieblingsbier seiner Kunden, niemals blühen. Dunkle Biere haben in der Pigalle dagegen einen eher schweren Stand.

Für die Trinkvorlieben seiner Kunden hat er inzwischen ein Gespür – in Sachen Pigallefest betritt Mike Lecok dagegen Neuland. Zum ersten Mal stellt er das Open-Air-Event auf die Beine. Am Konzept hat er großartig nichts verändert. Der Wirt serviert den Eupenern ein Event aus gewohnten Zutaten: „Es gibt gute, handgemachte Musik und Bier.“ Die Kleinen können sich auf der Hüpfburg austoben oder schminken lassen.

Fünf regionale Bands werden sich ab 16 Uhr auf dem Werthplatz die Ehre geben. Den wohl schwierigsten Part übernimmt die Band Vapour Eyes, die das Pigallefest eröffnet. „Schade eigentlich. Die sind so gut, aber um die Uhrzeit ist erfahrungsgemäß noch nichts los“, bedauert Mike Lecok. Anschließend spielen John-L aus Welkenraedt mit Hardrock und Heavy Metal im Stil der 1980-er Jahre auf. Danach schlagen YNot Soul ruhigere Töne an, bevor die Stagedicks (Rock) die Systeme nochmal bis zum Anschlag hochfahren. Zum Abschluss wird um 22.30 Uhr die Rockabilly-Band The Cable Bugs auftreten. Anschließend soll es im Zelt weitergehen – Ende offen.

„Nicht ganz ideal ist“, findet Mike Lecok, „dass der 15. August auf einen Mittwoch fällt und die meisten Leute am nächsten Tag arbeiten müssen.“ Und ein weiterer Faktor sei nicht zu unterschätzen: das Wetter. In den vergangenen Jahren ist das Pigallefest selten ohne strömenden Dauerregen über die Bühne gegangen. Mike Lecok hofft das Beste. Gutes Wetter bedeutet mehr Besucher. „Das Pigallefest war immer ein Nullgeschäft“, weiß er von seinem Vorgänger. „Wenn das Wetter gut ist, bleibt auch mal was hängen. Es wäre schön, wenn das Fest in diesem Jahr zumindest einen kleinen Gewinn abwerfen würde.“

„Der Eintritt war immer kostenlos, und so soll es bleiben.“

Geld, das er nicht verprassen, sondern in das nächste Pigallefest investieren möchte: „Ich würde gerne viel mehr daraus machen. Ich denke dabei zum Beispiel an aufwendige Lichtshows, bekanntere Bands und eine Hüpfburg für Erwachsene.“ Doch so etwas kostet Geld, das nicht durch Eintritte reingeholt werden soll. „Der Eintritt war immer kostenlos, und so soll es bleiben“, verspricht Mike Lecok.

Auch die Getränkepreise hat der Wirt nicht erhöht, selbst wenn das bitter nötig wäre, um das Fest zumindest mit einer Null abschließen zu können. Zwei Euro kostet ein Bier. „Rein wirtschaftlich müsste ich 2,20 Euro fragen“, betont Mike Lecok. Immerhin seien die Becher auch größer (0,25cl statt 0,2cl). Aber der Wirt möchte seine Kunden nicht vor den Kopf stoßen: „Nachher werde ich noch als Halsabschneider bezeichnet“, lacht er. Immerhin sei das Pigallefest für ihn die beste Gelegenheit, seinen Kunden mal etwas zurückzugeben und einen schönen Tag zu verbringen: „Ich freue mich über jeden, der im Laufe des Tages mal vorbeischaut.“

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