Was in Europa zu Weihnachten im TV läuft

Medien

Die beiden Filme „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (Bild) und „Kevin - allein zu Haus“ haben nicht viel gemeinsam. Außer, dass sie sich vor allem zu Weihnachten großer Beliebtheit erfreuen. | Foto: WDR/DRA/dpa

Die beiden Filme „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Kevin – allein zu Haus“ haben nicht viel gemeinsam. Außer, dass sie vor allem zu Weihnachten sehr beliebt sind.

Besinnlichkeit, Familie – und Altbekanntes im Fernsehen: Rund um Weihnachten setzen die TV-Sender in vielen Ländern auf stets die gleichen Filme. Festliche Klassiker. Die Geschmäcker in den Ländern sind dabei verschieden, und zum Teil eher ungewöhnlich. Es gibt aber auch grenzüberschreitenden Konsens.

Kevin, der moderne Klassiker: Seine ganze Familie verreist ohne ihn und lässt „Kevin – allein zu Haus“. Der Klamauk um Kevin (Macauly Culkin), der sich unter anderem Einbrecher vom Leib halten muss, gehört in vielen Ländern zum Weihnachtsprogramm fest dazu. Auch in Polen geht es nicht ohne den pfiffigen Jungen. Als das polnische Fernsehen 2010 plante, „Kevin – allein zu Haus“ an den Festtagen nicht ins Programm zu nehmen, hagelte es Proteste. In der Facebook-Gruppe „Polsat hat Weihnachten getötet – dieses Jahr gibt es keinen Kevin“ appellierten Zehntausende Polen an den TV-Sender, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Polsat nahm den Film dann doch ins Programm und beging den Fauxpas seitdem nicht wieder.

Auch in diesem Jahr wird der US-Kracher am 24. Dezember ausgestrahlt. In Spanien ist Kevin ebenfalls beliebt. Zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, wenn die eigentliche Bescherung stattfindet, laufen im TV aber auch andere weihnachtliche Hollywood-Filme wie „Der Grinch“ mit Jim Carrey als grüne Kreatur mit schlechter Laune und gehörigem Hass auf das Fest. Am Ende ist der Grinch aber auch in Feierlaune.

Märchenhaftes TV-Weihnachten: Wie in Deutschland geraten auch in Tschechien die Menschen ins Märchenfieber, entsprechende Filme gehören zum Standard-Weihnachtsprogramm. Kultstatus hat dabei die CSSR-DDR-Koproduktion „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, die in der damaligen Tschechoslowakei zum ersten Mal an Heiligabend 1974 über die Bildschirme flimmerte. Vergangenes Jahr sahen das Märchen 2,5 Millionen Menschen zu Weihnachten.

Kaum bekannt ist, dass der Winterfilm-Klassiker laut Drehbuch eigentlich im Sommer hätte aufgenommen werden sollen – die Studios aber nur in der kalten Jahreszeit verfügbar waren. Auch die Norweger läuten Weihnachten mit dem deutsch-tschechischen Klassiker ein: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist einer der wenigen synchronisierten Filme im norwegischen Fernsehen.

Geschmäcker ändern sich: Sissi und Actionfilme:In der Schweiz sind „Sissi“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ebenfalls Teil des weihnachtlichen TV-Angebots. Allerdings wandeln sich die Geschmäcker: beim Online-TV-Angebot von Swisscom entschieden sich die Deutschschweizer zuletzt eher für Filme im Fantasy-Genre wie „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ über den Drachen, der seinen Goldschatz gegen Bilbo Beutlin und Co. verteidigt. In der französischsprachigen Schweiz waren Action-Thriller wie „Non-Stop“, in dem Liam Neeson mörderische Erpresser jagt, am gefragtesten.

Donald Duck statt Weihnachtsmann: In Schweden erleichtern seit den 1950er Jahren Donald Duck („Kalle Anka“) und seine Freunde das Warten auf den Weihnachtsmann – viele Jahre lang waren es die einzigen Cartoons im schwedischen Fernsehen. In Island kommt dagegen tatsächlich der Weihnachtsmann im TV vorbei – in einer Sendung namens „Stundin okkar“ (Unser Moment), die seit der Einführung des isländischen Fernsehens 1966 gezeigt wird.

„Stirb langsam“ zum Fest: Und Frieden auf Erden? Nicht, wenn es nach vielen Briten geht. Zumindest auf ihrem TV-Bildschirm bevorzugen sie über die Feiertage Explosionen und das Rattern von Maschinenpistolen. Knapp ein Drittel von ihnen findet, dass es sich beim US-Actionthriller „Stirb Langsam“ um einen Weihnachtsfilm handelt. Das ergab eine YouGov-Umfrage Anfang Dezember. Im weitesten Sinne hat der Hollywood-Klassiker ja auch eine Verbindung zum Fest: Im ersten Teil der Reihe von 1989 kämpft John McClane (Bruce Willis) gegen fiese Terroristen aus Deutschland, die eine Weihnachtsfeier in einem Büroturm in Los Angeles sprengen und die Gäste als Geiseln nehmen.

Kitschige Komödien im Kino:Wenn Italiener sich zu Heiligabend vor den Fernseher setzen, ist ihnen nach lustiger Unterhaltung. Traditionell läuft im Fernsehen dann die US-Komödie „Die Glücksritter“ mit Eddie Murphy und Jamie Lee Curtis. Andere gehen lieber ins Kino und schauen sich die sogenannten Cinepanettoni an: italienische Filmkomödien, die mal mehr, mal weniger witzig, kitschig, albern und mit vielen Witzen unter der Gürtellinie daherkommen. Dieses Jahr wird besonders viel geboten: Es läuft „Super Vacanze di Natale“ (Super-Weihnachtsferien), ein Zusammenschnitt der bekanntesten Szenen vergangener „Cinepanettoni“. Die einen halten die Filme für Kult, die anderen einfach nur für geschmacklos. So oder so: Für die Kinos rentieren sie sich in den allermeisten Fällen.

Spendenmarathon in der Alpenrepublik:Das österreichische Fernsehen steht zu Weihnachten ganz im Zeichen des großen Spendenmarathons „Licht ins Dunkel“. Von 9 bis 19Uhr und dann – nach der Bescherung – wieder ab 21.45 Uhr wird im ORF zugunsten von Menschen mit Behinderung oder in sozialen Notlagen Geld gesammelt. Dabei hilft jeder, der in der Alpenrepublik Rang und Namen hat. Der österreichische Bundespräsident sitzt genauso am Telefon, um Spenden entgegenzunehmen, wie der Kanzler, berühmte Schauspieler oder Sportler. Im Vorjahr kamen fast sieben Millionen Euro zusammen. (dpa)

Kommentare sind geschlossen.