„Voll verschleiert“: französischer Humor trifft Migrationsprobleme

Film

Szene des Films „Voll verschleiert“ | Foto: The Film/dpa

Die Studenten Leila und Armand sind frisch verliebt und freuen sich auf ein Praktikum bei den Vereinten Nationen in New York.

Doch da haben sie die Rechnung ohne Leilas Bruder Mahmoud gemacht: Als der von einer Reise aus dem Jemen nach Frankreich zurückkehrt, ist er völlig verändert. Zu Hause hängt Mahmoud erst mal einen Wandteppich mit dem Konterfei von Hassan al-Banna auf – dem Gründer der Muslimbruderschaft – und schmeißt seine alten, westlichen Klamotten weg. Seiner Schwester verbietet er den Kontakt zu Armand. Um Leila dennoch sehen zu können, schlüpft dieser unter einen Niqab – ganz nach dem Motto: „Es gibt Tage, an denen die Wahrheit ihr Gesicht besser nicht zeigt.“ Und als ob die Maskerade nicht schon schwierig genug wäre, verliebt sich der streng religiöse Mahmoud auch noch in das scheue Wesen unter dem Schleier.

In der Komödie trifft französische Leichtigkeit auf ernste Themen rund um Migration und religiösen Fanatismus. Sou Abadi, bisher Dokumentarfilm-Regisseurin, gibt damit ihr Spielfilmdebüt und baut eine Reihe eigener Erfahrungen in die Migrationskomödie ein. So hat die Filmfigur Armand – gespielt von Félix Moati – ebenso wie Abadi einen iranischen Hintergrund. „Streng religiöse Erziehung, eine vorgeschriebene Kleiderordnung und die Sittenpolizei haben sich unauslöschlich in die Erinnerungen an meine Teenagerzeit eingebrannt“, sagt Abadi, die einige Jahre nach dem Sturz des Schah-Regimes durch Revolutionsführer Ajatollah Chomeini als Jugendliche nach Frankreich kam. Ihre Filmfigur Mahmoud (William Lebghil) bezeichnet Abadi als „noch nicht völlig radikalisiert“. Dem etwas unbeholfen wirkenden „religiösen Fanatiker auf Freiersfüßen“, wie es im Presseheft heißt, bringt sie Sympathien entgegen, was einem als Zuschauer zumindest in manchen Szenen schwerfallen dürfte: Etwa als Mahmoud den Pass von Leila (Camélia Jordana) anzündet, um zu verhindern, dass seine Schwester in die USA reist, oder als Mahmoud mit einem Beil eine Tür zertrümmert – im Glauben, dahinter verbarrikadiere sich Leila.

Französische Leichtigkeit trifft auf ernste Themen rund um Migration und religiösen Fanatismus.

Das sind Szenen, wo die Wohlfühl-Atmosphäre, die bei „Voll verschleiert“ dominiert und auch anderen französischen Sozialkomödien wie „Ziemlich beste Freunde“ oder „Monsieur Claude und seine Töchter“ zu eigen ist, nicht mehr ganz glaubwürdig wirkt – zumal Anschläge wie die im Pariser Bataclan oder auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ noch zu präsent sind. Das Spiel mit den Klischees in „Voll verschleiert“ kommt da manchmal etwas holzschnittartig daher. Für Abadi ist ihre Komödie eine „Geschichte über Versöhnung“. Man möchte angesichts der Spannungen zwischen islamischer und westlicher Welt nur zu gern daran glauben. (dpa)

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