Protokoll des Wankelmuts von Donald Trump

NATO-Gipfel

Mal Freund, mal Feind, aber immer Donald Trump. Der US-Präsident prägte den Nato-Gipfel mit seinen Kapriolen. | Foto: afp

Mal Freund, mal Feind, aber immer Donald Trump. Der US-Präsident prägte den NATO-Gipfel mit seinen Kapriolen. Die Bündnispartner erlebten im heftigen Streit um Verteidigungsausgaben fast stündlich einen neuen Trump.

Eine kleine Chronologie der Ereignisse in der abgelaufenen Woche rund um den NATO-Gipfel in Brüssel:

Stimmungsmache in der Air Force One:Bereits auf seinem Weg nach Europa wärmt sich der Präsident auf Twitter für die Wortgefechte in Brüssel auf. „Die USA zahlen ein Vielfaches mehr als jedes andere Land, nur um sie zu beschützen. Nicht fair für den amerikanischen Steuerzahler“, schreibt er am Dienstag – und gibt damit schon mal die Stoßrichtung für den Gipfel vor.

Frühstück des Zorns: Kurz vor dem Gipfel trifft sich Trump bei Orangensaft und Croissants mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Er nutzt den Protokolltermin für eine aggressive Brandrede gegen Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel. Die Bundesrepublik sei ein „Gefangener“ Russlands, werde total von Russland kontrolliert und zahle viel zu wenig für Verteidigung. Stoltenberg kann der Schimpftirade wenig entgegensetzen.

Spaziergang in der Sonne: Beim Rundgang mit den anderen Staats-und Regierungschefs durch das neue NATO-Hauptquartier wirkt Trump dann recht entspannt. Zwischenfälle wie beim Gipfel im Mai 2017 gibt es nicht. Damals drückte sich Trump durch die Menge, was wie ein rüder Rempler gegen den montenegrinischen Premier Dusko Markovic wirkte und im Netz zum Renner wurde. Diesmal drängelt sich Trump nicht in den Vordergrund, er gibt den Zuhörer, läuft sogar beim Weg zum Familienfoto am Ende der Gruppe – fern von Kanzlerin Angela Merkel.

Überschwängliches Lob für die Kanzlerin:Beim Arbeitstreffen der 29 Staats- und Regierungschefs hinter verschlossenen Türen trägt Trump dann seine Kritik schon zurückhaltender vor als noch am Morgen. Beim Gespräch mit Merkel im Anschluss scheint seine Frühstückswut dann völlig vergessen. Plötzlich schwärmt er von ihr in den höchsten Tönen. Sein persönliches Verhältnis zu Merkel sei „sehr, sehr gut“. Die Kanzlerin habe „herausragenden Erfolg“, Deutschland und die USA hätten ein „hervorragendes Verhältnis“.

Nachtreten bei Twitter:Die Arbeitsitzung erfolgreich beendet, die Gipfelerklärung beschlossen – da legt Trump am späten Nachmittag nochmal nach. Die Bündnispartner müssten sofort zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben und nicht erst 2025, schreibt er auf Twitter. Auch Deutschlands Wirtschaftsbeziehungen mit Russland nimmt er erneut ins Visier: „Für was ist die NATO gut, wenn Deutschland Russland Milliarden Dollar für Gas und Energie zahlt?“

Neuer tag, alte Kritik:Mit Verbalattacken startet Trump auch in den zweiten Gipfeltag. Reiche NATO-Länder wie die Bundesrepublik zahlten nur einen Bruchteil der Kosten, twittert er und legt als Geldeintreiber noch eine Schippe drauf: „Alle NATO-Staaten müssen ihre Zwei-Prozent-Verpflichtung erfüllen, und sie müssen letztlich auf vier Prozent gehen.“

Drohung mit Alleingang: Am frühen Donnerstagvormittag dann der endgültige Eklat beim Gipfeltreffen. US-Präsident Donald Trump droht der restlichen NATO mit einem Alleingang.

Wenn die Bündnispartner nicht sofort zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgäben, würden die Amerikaner ihr eigenes Ding machen, sagt er, wie die Deutsche Presse-Agentur erfährt. Es ist unklar, ob die Drohung ernst gemeint ist und was Trump damit genau meint. Die Verbündeten kommen zu einer Krisensitzung zusammen.

Treueschwur zum Bündnis: Keine zwei Stunden später stellt sich Trump vor die Weltpresse und wirkt wie ausgewechselt. Er sichert zu, weiter zur NATO zu stehen, lobt die Bündnispartner für ihre Anstrengungen bei der Erhöhung der Verteidigungsausgaben und hebt den großartigen kollegialen Geist bei den Gesprächen hervor. Die NATO sei eine „fein abgestimmte Maschine“. „Die Leute zahlen Geld, das sie vorher nie gezahlt haben. Und sie sind glücklich, das zu tun.“

Und vor Deutschland habe er große Achtung. Am Ende wünscht er sich sogar den Weltfrieden. (dpa)

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