Polizist in Paris getötet: IS reklamiert Attacke für sich

Ermittlungen

Polizisten sichern das Gebiet um den Champs Elysees. Nach einem tödlichen Angriff auf Polizisten mitten in Paris gehen die Sicherheitsbehörden einem Terrorverdacht nach.
Polizisten sichern das Gebiet um den Champs Elysees. Nach einem tödlichen Angriff auf Polizisten mitten in Paris gehen die Sicherheitsbehörden einem Terrorverdacht nach. | Foto: dpa

Nach einem tödlichen Angriff auf Polizisten mitten in Paris hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Tat für sich reklamiert. Drei Tage vor der Präsidentenwahl in Frankreich schoss ein Mann mit einer automatischen Waffe auf einen geparkten Mannschaftswagen der Polizei. Er tötete einen Polizisten und verletzte zwei weitere Beamte, wie der Sprecher des Innenministeriums sagte. Die Polizei erschoss den Angreifer.

Nach den Worten des französischen Staatspräsidenten François Hollande spricht einiges für einen Terrorakt. „Wir sind überzeugt, dass die Spuren (…) terroristischer Art sind“, sagte er nach einem Krisentreffen im Élyséepalast. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Bei dem Angreifer handele es sich um einen Kämpfer des IS, berichtete das IS-Sprachrohr Amak und benannte den Mann als Abu Jussuf al-Beldschiki („Der Belgier“). Bei ähnlichen Verlautbarungen wurden die Angreifer häufig „Soldaten“ der Terrormiliz genannt. Die Nachricht konnte zunächst nicht unabhängig auf ihre Echtheit überprüft werden. Sie wurde aber über die Kanäle verbreitet, über die der IS in der Vergangenheit auch ähnliche Anschläge für sich beansprucht hat – etwa nach den Attacken in Ägypten oder London.

Am kommenden Sonntag ist in Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahl. Die Abstimmung soll von mehr als 50.000 Polizisten und Soldaten geschützt werden. Das Land war in den vergangenen Jahren mehrfach das Ziel islamistischer Anschläge, seit der Pariser Terrornacht vom 13. November gilt der Ausnahmezustand.

Die Attacke habe sich gegen 21 Uhr abgespielt, hieß es. Der Angreifer habe mit einem Auto neben dem Polizeifahrzeug gehalten, sei ausgestiegen und habe das Feuer eröffnet. Anschließend rannte er über den Bürgersteig und schoss auf weitere Polizisten, die außerhalb des Mannschaftswagens positioniert waren. Beamte erwiderten das Feuer und töteten den Angreifer.

Der Mann habe wohl eine automatische Waffe benutzt, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet. Nach ersten Erkenntnissen habe es nur einen Angreifer gegeben. Man könne aber nicht ausschließen, dass es einen oder mehrere Komplizen gibt, die in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt waren. „Das ist natürlich ein Drama für die Polizei, ein Drama für unser Land.“

Die Champs-Élysées waren am späten Abend weiträumig abgesperrt, ein Hubschrauber kreiste über der Szene. Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz, auch Soldaten waren vor Ort. Polizisten schrien Passanten an, von der Straße zu gehen.

Polizisten durchsuchten noch am Abend die mutmaßliche Wohnung des getöteten Angreifers im Umland von Paris, wie es aus Ermittlerkreisen hieß. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld der Ermittlungen, dass es gegen den Mann bereits eine Untersuchung von Anti-Terror-Ermittlern gegeben habe: Er habe die Absicht erkennen lassen, Polizisten zu töten.

Französische Sicherheitskräfte standen bereits mehrfach im Visier mutmaßlicher Attentäter. Im vergangenen Juni wurde ein Polizistenpaar im Umland von Paris ermordet, in diesem Jahr stoppten Soldaten Angreifer beim Louvre und am Pariser Flughafen Orly.

Die französische Polizei hatte erst am Dienstag in Marseille zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war. Laut Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins drohte ein Anschlag in den nächsten Tagen.

Die Sicherheitsmaßnahmen für den Wahlkampf wurden daraufhin verstärkt. Am Donnerstagabend traten die elf Kandidaten beim Fernsehsender France 2 nacheinander zu Kurzinterviews auf. Die entscheidende Stichwahl ist für den 7. Mai geplant. Beim ersten Wahlgang wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit dem Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron erwartet. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.