Politdrama „Wackersdorf“: Widerstand gegen Atommüll-Anlage

Film

Bei einer Demonstration gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf kam es auf dem Gelände im Taxöldner Forst zu schweren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und militanten Atomkraftgegnern. | Foto: dpa frm/dpa

Der Landkreis Schwandorf in den 80er Jahren: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 20 Prozent, die Menschen sind frustriert, fordern von der Politik Lösungen. Als die Staatsregierung dem Landrat eine Wiederaufarbeitungsanlage für Atommüll schmackhaft machen will, sieht der SPD-Mann eine Chance für 3.000 Arbeitsplätze in der Region.

Das in Wackersdorf geplante Projekt löst eine der größten Protestwellen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Es folgt brutale Polizeigewalt. Der Film „Wackersdorf“ von Regisseur Oliver Haffner zeichnet die Entwicklungen nach und erzählt ein Stück deutscher Geschichte – ein ebenso spannendes wie bewegendes Politdrama.

Produzent Ingo Fliess hat die Proteste als Schüler miterlebt und bringt gemeinsam mit Haffner die Geschichte der WAA Wackersdorf nun ins Kino. Im Mittelpunkt steht Landrat Hans Schuierer – stark gespielt von Johannes Zeiler, der die Zuschauer spüren lässt, wie der Politiker an vielen Fronten kämpft.

Um Arbeitsplätze und um das Vertrauen der Menschen, um fachliche Informationen zur WAA und gegen Repressalien seitens der Staatsregierung. Er ringt mit sich und seinem Gewissen und lässt sich schließlich nicht mehr beirren. Schuierer wird zur Symbolfigur des Widerstandes in Wackersdorf.

Spielszenen wechseln sich ab mit dokumentarischen Einblendungen, die die Wucht der Polizeieinsätze zeigen. Mit Knüppeln und Gas gehen die Beamten gegen die Aktivisten vor. Gewalt, Disziplinarverfahren und Verhaftungen sollen die Bürger einschüchtern. Die Staatsregierung hatte den Menschen in der Oberpfalz offensichtlich nicht zugetraut, sich zu wehren. Ein Irrtum.

Die Debatte um die WAA habe damals Familien und Freundeskreise entzweit, erinnert sich Schuierer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Zwar habe sich der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern nach dem endgültigen Baustopp im Jahr 1989 gelegt.

In Vergessenheit geraten seien die Ereignisse nicht. Schuierer sagt, er sei dankbar für den Film. Der zeige, „was in einem Rechtsstaat nicht passieren darf, aber auch, was in einem Rechtsstaat möglich ist“. Vor allem junge Mütter hatten sich zunächst gegen das Projekt gewehrt, nach und nach schlossen sich immer mehr Menschen an.

Pfarrer und Lehrer riskierten ihre Jobs. Der Protest, der aus der Sorge um die Gesundheit der Kinder entstand, weitete sich aus zu einem Protest gegen Parteienfilz und Machtstrukturen.

Die aus Schwandorf stammende Schauspielerin Anna Maria Sturm spielt Monika, eine Rolle, die an ihre Mutter angelehnt ist. Irene Sturm kämpfte damals am Bauzaun gegen die WAA – Anna Maria war als kleines Mädchen meist dabei.

Der Film zeige, dass Bürger etwas erreichen können, wenn sie zusammenhalten, sind sich Mutter und Tochter Sturm einig. „Wackersdorf“ könne Mut machen. Überzeugend auch Fabian Hinrichs in der Rolle des Karlheinz Billinger, der als Vertreter der Projektseite den Landrat umgarnt.

Oder Sigi Zimmerschied als Umweltminister, der dem Landrat eine „blitzsaubere Sache“ verspricht. Schuierer lässt sich jedoch das Zweifeln nicht nehmen. Der Film „Wackersdorf“ bietet zwei Stunden Politkrimi, die rasend schnell vergehen. (dpa)

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