Offensive auf Mossul: Kurden melden erste Erfolge

Konflikt

Sollte der Sturm auf  Mossul gelingen, wären die Extremisten im Irak militärisch weitestgehend besiegt.
Sollte der Sturm auf Mossul gelingen, wären die Extremisten im Irak militärisch weitestgehend besiegt. | Foto: dpa

Mossul ist die letzte Bastion der IS-Terrormiliz im Irak. Die groß angelegte Militäroperation dort war seit Monaten erwartet worden. Wird sie ein Erfolg, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend besiegt.

Nach dem Beginn der lang erwarteten Großoffensive auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul melden die Angreifer erste Erfolge. Kurdische Peschmerga-Kämpfer nahmen nach eigenen Angaben rund 40 Kilometer östlich von Mossul sieben Dörfer ein. Irakische Sicherheitskräfte hatten zuvor im Schutze der Nacht nach monatelangen Vorbereitungen die großangelegte Militäroperation begonnen. Sie soll die Großstadt von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreien.

Sollte das tatsächlich gelingen, wären die Extremisten im Irak militärisch weitestgehend besiegt. Die US-Regierung sprach von einem «entscheidenden Moment» im Kampf gegen den IS. Hilfsorganisationen sehen durch die Offensive jedoch mehr als eine Millionen Zivilisten in Gefahr und forderten für diese sichere Fluchtwege.

Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi erklärte in einer kurzen Fernsehansprache, die Stunde des Sieges sei gekommen. «Die Operation zur Befreiung Mossuls hat begonnen», sagte er. Al-Abadi rief die Bürger von Mossul dazu auf, mit den irakischen Streitkräften zu kooperieren. Der IS hatte bei seinem Einmarsch in Mossul vor mehr als zwei Jahren unter der Bevölkerung Rückhalt gefunden. «Sehr bald werden wir unter Euch sein, um die irakische Flagge zu hissen», sagte Al-Abadi. 2016 werde das Jahr sein, in dem der IS besiegt werde.

Mossul ist die letzte Bastion des IS im Irak. Die Millionenstadt unweit der Grenze zur Türkei steht seit Juni 2014 unter Kontrolle der Extremisten. Von Mossul aus überrannte der IS weite Teile des Landes. Inzwischen hat er viele dieser Gebiete wieder eingebüßt. Im Nachbarland Syrien beherrscht die sunnitische Miliz jedoch weiter große Landstriche, steht dort aber ebenfalls unter Druck.

Kräfte der irakischen Armee und Polizei hatten in den vergangenen Wochen und Tagen im Umland von Mossul Stellung bezogen. Unterstützt werden sie bei der Offensive von kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die aber nicht in die Stadt eindringen sollen. Auch lokale sunnitische Milizen sollen an dem Angriff beteiligt werden. Nach Medienberichten zählen zu der Allianz rund 30 000 Kämpfer. Die von den USA geführte internationale Koalition fliegt Luftangriffe gegen den IS.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter erklärte nach Beginn der Offensive: «Die Vereinigten Staaten und der Rest des internationalen Bündnisses stehen bereit, um die irakischen Sicherheitskräfte, Peschmerga-Kämpfer und das irakische Volk in dem schwierigen Kampf zu unterstützen, der ihnen bevorsteht.» Ziel sei es, den IS dauerhaft zu besiegen und sowohl Mossul als auch den Rest des Iraks «vom Hass und der Brutalität» der Extremisten zu befreien.

In Mossul und im Umland sollen sich rund 4000 IS-Kämpfer aufhalten. Diese haben nach verschiedenen Berichten in der Stadt tiefe Gräben und ein Tunnelsystem ausgehoben, um sich zu verteidigen. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Straßen und Gebäude mit Sprengfallen versehen sind, was einen Vormarsch auf die Stadt erschweren könnte.

Umstritten ist der Einsatz schiitischer Milizen bei der Offensive. Diese hatten angekündigt, sich an der Militäroperation zu beteiligen. Die Sunniten lehnen das jedoch ab, weil sie befürchten, dass die schiitischen Milizen ihren Einfluss im Land noch weiter ausbauen könnten. Mossul ist die wichtigste sunnitische Stadt im Irak. Viele Sunniten fühlen sich von der Mehrheit der Schiiten im Land und von der schiitisch dominierten Zentralregierung diskriminiert.

UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien warnte, er sei höchst besorgt um die Sicherheit von rund 1,5 Millionen Menschen in Mossul. Die Hilfsorganisation UNHCR rechnet mit bis zu einer Million Flüchtlingen, von denen bis zu 700 000 Hilfe benötigen könnten. «Familien sind einem extremen Risiko ausgesetzt, in die Schusslinie zu geraten oder von Scharfschützen ins Visier genommen zu werden.» (dpa)

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