Neue Nationalkirche in der Ukraine: Spaltung der Orthodoxie besiegelt

Religion

Epifani von Perejaslawl (M), Oberhaupt der neuen Orthodoxen Kirche der Ukraine, lässt weiße Tauben aufsteigen, nachdem die Unabhängigkeit der neuen ukrainischen Nationalkirche symbolisch vollzogen wurde. | Foto: ap

Die Ukraine hat die Gründung einer eigenen orthodoxen Nationalkirche nun auch formal auf den Weg gebracht und sich damit weiter von Russland gelöst. Die oberste Autorität der Orthodoxie, der Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, unterschrieb im türkischen Istanbul einen Erlass zur Eigenständigkeit der neuen Kirche. Die Schriftrolle überreichte er am Sonntag am Ende eines Gottesdienstes an Kirchenvertreter aus der Ukraine. Sie besiegelt zugleich die Spaltung der orthodoxen Kirche.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nahm an der zweitägigen Zeremonie teil. Auf Twitter schrieb er: „Das ist ein historisches Ereignis und ein großer Tag.“ Poroschenko sprach von einem neuen Zeitalter in der orthodoxen Kirche und ergänzte: „Gott sei Dank.“ Die neue Kirche garantiere die „geistige Freiheit“ der Ukraine. Zugleich versprach er, dass die Religionsfreiheit gewahrt werde.

Die orthodoxe Landeskirche war Mitte Dezember in Kiew gegründet worden. Für die Vereinigung stimmten Bischöfe von zwei ukrainischen orthodoxen Kirchen. Die moskautreue orthodoxe Kirche in der Ex-Sowjetrepublik hatte die Versammlung weitgehend boykottiert. Zum Oberhaupt der neuen Kirche war der Metropolit Epifani von Perejaslaw gewählt worden. Mit seiner Unterschrift unter dem Erlass zur Eigenständigkeit unterstützte Patriarch Bartholomaios mit Sitz in Istanbul die kirchliche Loslösung der Ukraine von Moskau.

Wegen der Kirchengründung herrscht seit Monaten ein Streit zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Die kirchlichen und politischen Folgen dieser Spaltung lassen sich noch nicht abschätzen. Poroschenko hat die Kirchenpläne als Teil seines Wahlkampfs vorangetrieben, um in der Wählergunst zuzulegen. Ende März wird ein neuer Präsident gewählt.

Ein Sprecher der moskautreuen Kirche in der Ukraine sagte russischen Medien zufolge, der Erlass sei „nur ein Stück Papier“ und Ergebnis politischer und persönlicher Ambitionen. „Dieses Vorgehen wird der Ukraine nichts als Probleme, Spaltung und Sünde bringen.“ Andere Kirchenvertreter sprachen von einem „schwarzen Tag“. Dass sich die Politik in kirchliche Dinge einmische, sei „Unsinn und ein Verbrechen“.

Die staatstreue Russisch-Orthodoxe Kirche unter Patriarch Kirill hat sich in den vergangenen Jahren nie als überstaatlich verstanden. Sie hat immer den außenpolitischen Kurs von Präsident Wladimir Putin unterstützt und sieht die Ukraine als Teil der „russischen Welt“. Die Ukraine versucht seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991, sich auch kirchlich aus der Oberhoheit des Nachbarn zu lösen.

Die Gründung der neuen Nationalkirche ist für viele Ukrainer auch ein symbolischer Schritt. Seit der Annexion der Halbinsel Krim 2014 durch Russland übt Moskau verstärkt militärisch und politisch Druck auf das Nachbarland aus. Der Konflikt zwischen den beiden Ländern hatte sich zuletzt Ende November verschärft, als der russische Küstenschutz im Schwarzen Meer vor der Straße von Kertsch drei ukrainische Boote mit 24 Mann Besatzung gewaltsam festgesetzt hatte.

(dpa)

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