Nato muss Umzug verschieben

Infrastruktur

Die Flaggen der Mitgliedsstaaten wehen vor dem Nato-Hauptquartier in Brüssel.
Die Flaggen der Mitgliedsstaaten wehen vor dem Nato-Hauptquartier in Brüssel. | Foto: Daniel Naupold/dpa

Für die Nato beginnt das neue Jahr mit Frust. Nach rund 75 Monaten Bauzeit wollte das größte Militärbündnis der Welt in diesen Tagen eigentlich sein neues Brüsseler Hauptquartier beziehen.

Doch von der Baustelle in unmittelbarer Nähe des alten Sitzes kamen zuletzt schlechte Nachrichten. Wegen unerwarteter Verzögerungen bei der Installation der IT-Infrastruktur muss der Umzug auf noch unbestimmte Zeit verschoben werden muss. Frühestens im April werde man starten können, heißt es aus Bündniskreisen.

Unter den insgesamt rund 4.000 Nato-Mitarbeitern und Diplomaten werden die Verzögerungen mit Galgenumor gesehen.

Auch wenn die Verzögerungen keine Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit der Allianz haben – ärgerlich sind sie schon. Zur Eröffnung des neuen Hauptquartiers sollte im ersten Halbjahr 2017 eigentlich ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs organisiert werden. Ob dies noch klappen kann, steht nun in den Sternen. Hinzu kommt, dass der Umzugstermin nicht zum ersten Mal verschoben werden muss.

Die ersten Planungen nach dem fast 18 Jahre zurückliegenden Neubaubeschluss sahen die Fertigstellung eines neuen Hauptquartiers bis 2009 vor. Letztendlich wurden die Bauarbeiten dann aber erst im Oktober 2010 begonnen. Damals wurde mit einem Umzug im Jahr 2015 gerechnet. Auch die ursprünglichen Kostenschätzungen erwiesen sich als viel zu optimistisch.

Derzeit werden für das Projekt Ausgaben in Höhe von 1,1 Milliarden Euro erwartet – 2004 hatte man noch mit 300 Millionen Euro gerechnet. Unter anderem höhere Sicherheitserfordernisse und der für neue Mitgliedstaaten benötigte Platz hätten Neuplanungen notwendig gemacht, heißt es aus Nato-Kreisen. Deutschland trage rund 12 Prozent der Kosten. Unter den insgesamt rund 4.000 Nato-Mitarbeitern und Diplomaten werden die Verzögerungen mit Galgenumor gesehen. Die Nato residiert schließlich bereits seit 1967 in einer Zentrale, die eigentlich nur als vorübergehende Lösung gedacht war.

Mitarbeiter verweisen deshalb mit einem gequälten Lächeln darauf, dass es nach fünf Jahrzehnten nicht auf ein paar Monate mehr ankomme. Man habe sich mittlerweile an nicht richtig schließende Fenster und langsame Internetverbindungen gewöhnt, heißt es. Zudem gebe es auch immer wieder die Versicherung, dass ein Debakel wie beim Berliner Hauptstadtflughafen undenkbar sei. Zumindest nicht nach dem derzeitigen Stand der Dinge.

Einige altgediente Mitarbeiter der EU-Kommission in Brüssel können den Frust der Nato-Beschäftigten sicher gut nachvollziehen: Auch die Sanierung des zentralen Kommissionsgebäudes „Berlaymont“ im Europaviertel kostete deutlich mehr Zeit und Geld als erwartet. (dpa)

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