„Mr. Bratwurst“ in Großbritannien – Exportschlager Weihnachtsmarkt

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Zum Weihnachtsmarkt gehört auch der Glühwein - deutsche Tradition wird schon seit Jahren nach Großbritannien exportiert. | Foto: Carsten Rehder/dpa

Weihnachtsmärkte sind bekanntlich eine typisch deutsche Tradition. Doch auch im Ausland werden sie immer beliebter. In Großbritannien profitieren viele deutsche Gastronomen und Händler von dem Hype.

Der Geruch von Zimt und Mandeln hängt in der Luft, im Hintergrund ist „Let it Snow“ zu hören: Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist für die meisten Deutschen und vermehrt auch für Belgier ein fester Bestandteil der Festtage. Doch auch im Ausland haben die rustikalen Märkte mit „Adventsambiente“ einen beispiellosen Siegeszug hingelegt.

Die Händler haben zum jetzigen Stand bis zu 30 Prozent Umsatzeinbußen zu beklagen.

Der deutsche Weihnachtsmarkt gilt vielen Veranstaltern als Vorbild. Kunsthandwerksstände, kleine Buden mit Bratwurst und Glühwein findet man in der Regel auf Anhieb. So auch im Herzen der britischen Hauptstadt, mitten im berühmten Londoner Hyde Park. Dort hat mit dem „Winter Wonderland“ ein riesiges Volksfest in diesem Jahr bereits zum elften Mal in Folge seine Toren geöffnet.

Mit dabei sind auch dieses Mal zahlreiche deutsche Gastronomen und Aussteller, die in einem eigenen Areal auf dem Festplatz ihre Buden aufgeschlagen haben. Rund 50 der 170 kleinen Hütten dort werden von deutschen Händlern geführt, wie Betreiber David Kohlert erzählt. Für sie stellt das „Wonderland“ mit seinen durchschnittlich 4,5 Millionen Besuchern eine lukrative Einnahmequelle dar – auch wenn der Andrang im Vergleich zum Vorjahr spürbar abgenommen hat.

„Die Händler haben zum jetzigen Stand bis zu 30 Prozent Umsatzeinbußen zu beklagen“, so Kohlert. Grund dafür sei die Furcht der Briten vor einem Anschlag. Das Land ist in diesem Jahr bereits fünf Mal Ziel von Terrorattacken geworden, vier davon in London. Trotzdem suchen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche deutsche Händler und Gastronomen ihr Glück auf der Insel.

Wie viele es genau sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Genaue Daten zu deutschen Schaustellern im Land gebe es nicht, sagt eine Sprecherin der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer.

Doch ganz gleich, ob man an „Mr. Bratwurst“, der „Almhütte“ oder dem „Glühweinzauber“ vorbeizieht: Die deutsche Beteiligung springt einem schon beim Betrachten der Schriftzüge sofort ins Auge.

Der Vorzug eines Marktstandes in Großbritannien liegt dem „Wonderland“-Betreiber zufolge auf der Hand: Die Chancen auf einen lukrativen Standplatz stünden deutlich besser als in Deutschland. „Wenn man beispielsweise auf dem Nürnberger Christkindlemarkt einen Platz haben will, kann man sich auf mindestens zehn Jahre Wartezeit einstellen.“ Dort werden die Stände in der Regel weitervererbt.

Beim Erkunden der anderen Teile des „Wonderlands“ stellt man jedoch schnell fest, wie weit sich die Briten bei der Gestaltung vom deutschen „Klassiker“ entfernt haben. Vor dem Eingang eines großen Bierzeltes, das ebenfalls von einem Deutschen betrieben wird, tummeln sich viele Betrunkene. „Nach sieben Uhr schlägt die Stimmung in der Regel um. Dann tanzen die Gäste normalerweise betrunken auf den Tischen“, erzählt ein junger Sicherheitsbeamter.

Bei durchschnittlich drei Millionen Besuchern pro Winter sind die Hotels in der Umgebung oftmals restlos ausgebucht.

„Richtig weihnachtlich ist dieses ‚Saufen bis zum Umfallen‘ nicht, aber leider sucht man authentische Märkte in London vergeblich“, sagt Kurt Stroscher von der Frankfurter Tourismusbehörde. Er war es, der 1997 eine Kopie des Frankfurter Weihnachtsmarktes nach Birmingham brachte. Was als einmaliges Projekt im Rahmen der bestehenden Städtepartnerschaft mit nur elf Ständen geplant war, sollte sich schnell zu einem beispiellosen Erfolgsprojekt entwickeln.

Auf dem „Frankfurt Christmas Market“, der als der „authentischste Markt“ außerhalb Deutschlands gilt, öffnen jedes Jahr rund 180 Stände. Mit rustikalem Holz und urigen Ständen fungiert er Jahr für Jahr als Aushängeschild deutscher Weihnachtskultur. „Der Markt löst einen richtigen Bustourismus aus, vor allem am Wochenende“, erzählt Stroscher. Bei durchschnittlich drei Millionen Besuchern pro Winter sind die Hotels in der Umgebung oftmals restlos ausgebucht.

Nach Stroschers Erfolg in Birmingham habe man versucht, auch in London einen authentischen Markt auf die Beine zu stellen. Sogar eine offizielle Anfrage der deutschen Botschaft gab es, wie Stroscher berichtet. 1999 inspizierte er dafür in der Hauptstadt entsprechende Flächen in Covent Garden und Westminster. Das Ergebnis war niederschmetternd. Ein hochwertiger, nicht rein kommerzieller Weihnachtsmarkt schien unmöglich. Zu teuer waren die benötigen Lagerflächen, die Unterkünfte und Standmieten.

Mittlerweile gibt es in Großbritannien zwar mehr als 1.000 Märkte, doch die meisten entsprechen eher nicht dem deutschen Original. „Das sind eher amerikanisierte Volksfeste, die auch gar nicht den Anspruch haben, ein authentischer Weihnachtsmarkt zu sein“, sagt Stroscher. Das erklärt auch den Siegeszug privater Anbieter wie dem des „Winter Wonderlands“ im Hyde Park. Hier ist die Standmiete im Gastrobereich zwar bis zu zehnmal so hoch wie in Deutschland, trotzdem rechnet sich der Einsatz für die Betreiber.

Warum das so ist, klärt sich mit einem Blick auf die Ticketpreise und Menükarten. Wer hier das weihnachtliche Komplettpaket bekommen möchte, der muss ziemlich tief in die Tasche greifen. Den Glühwein mit Schuss gibt es im Schnitt für umgerechnet neun Euro. Wurst und Beilagen schlagen sogar mit rund 17 Euro zu Buche. (dpa)

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