Menschenkette gegen Pannenreaktor: Bouli Lanners macht mobil

Anti-Tihange-Demo

Ist am 25. Juni Teil der Aktion „Stop Tihange - Menschenkette von Tihange nach Aachen“: Schauspieler Bouli Lanners. | Foto: belga

Hand in Hand gegen Atomkraft: Um gegen den Weiterbetrieb der immer wieder wegen Pannen und tausender Risse in die Kritik geratenen Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 zu demonstrieren, soll am Sonntag, 25. Juni, eine trinationale, 90 Kilometer lange Menschenkette vom AKW Tihange in Huy über Lüttich und Maastricht nach Aachen entstehen. Über 16.000 Menschen haben bereits ihr Kommen angemeldet – einer von ihnen ist der berühmte Schauspieler, Autor und Regisseur Bouli Lanners (52).

Der gebürtige Kelmiser ist hierzulande zu einem der prominenten Aushängeschilder der Anti-Tihange-Demo geworden. Eigentlich nicht wirklich verwunderlich, denn wie die „Aachener Zeitung“ berichtet, sei Lanners bereits im Teenageralter sehr aktiv in der Anti-Atom-Bewegung gewesen. „Wenn man sich die Situation in Belgien mit den Atomkraftwerken Tihange und Doel ansieht, ist das erschreckend. Da war die alte Flamme des 15-jährigen AKW-Gegners in mir wieder da. Nichts wurde in Belgien bewegt in Sachen Atomausstieg“, zitiert ihn die Tageszeitung. Woran liegt das? Der Schauspieler meint, die Antwort zu kennen: „Aber es ist so ein bisschen wie mit den US-Präsidenten. Barack Obama war für den Pariser Klimavertrag, und Donald Trump steigt jetzt einfach aus. So hat bei uns eine Regierung auch den zuvor beschlossenen Atomausstieg zwar nicht offiziell, aber de facto rückgängig gemacht mit der Verlängerung der Vertragslaufzeiten. Die AKW-Betreiber und Energielobby sind einfach so mächtig hier.

Dass der Protest gegen die umstrittenen Meiler Tihange 2 und Doel 3 vor allem aus Deutschland und der Grenzregion heraus betrieben wird, ist ein offenes Geheimnis. Widerstand aus der belgischen Bevölkerung gibt es kaum. Ein Phänomen, das für Bouli Lanners nicht von ungefähr kommt. „Es gibt eine Müdigkeit im Kampf gegen die Kernenergie. Und ja, daran ist eine Atmosphäre des Lügens Schuld. Die Atomaufsichtsbehörde FANC und der AKW-Betreiber Engie-Electrabel sagen den Belgiern immer wieder, dass alles in Ordnung ist. Die Kampagne von Engie funktioniert. Bei jeder Abschaltung oder bei jedem Vorfall wird der Bevölkerung weisgemacht, dass die Probleme eigentlich gar nicht im Kraftwerk, sondern irgendwo ganz weit weg, quasi in der Kantine oder auf den Toiletten aufgetreten sind. Ich überspitze das jetzt mal. Engie schafft es ja beinahe, uns zu erklären, dass Atomkraftwerke dank einer geringen CO2-Bilanz quasi bio sind. Und die Menschen wissen es nicht besser“, zitiert die „Aachener Zeitung“ den in Moresnet geborenen Schauspieler, Autor und Regisseur. In Belgien werde der Bevölkerung eingeimpft, dass die Atomkraftwerke unbedingt gebraucht werden, weil sonst im Winter der Strom auszufallen drohe. Ohne Atomkraftwerke sei mit einem Elektrizitätsblackout zu rechnen. Aber das ist Panikmache, glaubt Lanners: „In Belgien gibt es einen Blackout an Informationen. Der Strom ist nicht unser Problem. Problematisch ist allerdings, dass wir bei der Etablierung grüner Energie, den Windparks, hinterherhinken.“ (calü)

  1. Bouli Lanners hat verstanden, dass die potentielle von den „maroden“ belgischen Atommeilern ausgehende Gefahr, nicht an Landesgrenzen halt macht.
    Wer statt der Auseinandersetzung mit den inhaltliche Fragen hierzu, belgisch-deutsche Ressentiments schürt, trifft möglicherweise mitten in die immer noch vorhandene Identitätsneurose einiger „Ostbelgier“.
    Der Herausforderung wird er damit sicher nicht gerecht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.