Je teurer das Scheinmedikament, desto stärker die Nebenwirkungen

Nocebo-Effekt

Manch einer fühlt sich durch die lange Liste der möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten derart verunsichert, dass sich die Beschwerden tatsächlich einstellen - das nennt man Nocebo-Effekt. | Foto: Mascha Brichta

Scheinmedikamente ohne Wirkstoffe können nicht nur einen heilsamen Placebo-, sondern auch einen nachteiligen Nocebo-Effekt haben.

Wie Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) im Magazin „Science“ berichten, verstärkt sich diese Wirkung, wenn Patienten glauben, es handele sich um ein teures Mittel. Der Nocebo-Effekt (lateinisch nocere ‚schaden‘, nocebo ‚ich werde schaden‘) – oft auch als negativer Placebo-Effekt (lat. placebo ‚ich werde gefallen‘) bezeichnet – beruht, wie auch der Placebo-Effekt, unter anderem auf einer bestimmten Erwartungshaltung. Die Erwartungshaltung kann demnach auch unbewusst sein und auf Lernmechanismen beruhen.

Für die Studie erhielten 49 Teilnehmer ein Scheinmedikament. Ihnen wurde gesagt, zu den Nebenwirkungen des Präparats zähle ein erhöhtes Schmerzempfinden. Eine Hälfte der Teilnehmer erhielt zudem die Information, das Mittel sei günstig, die anderen dachten, es sei teuer. Resultat: Jene Probanden, die von einem teuren Mittel ausgingen, verspürten mehr Schmerz als die übrigen.

Um die neuronalen Grundlagen zu klären, untersuchten die Forscher die Teilnehmer mit einer Form der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), die die aktivierten Hirnareale darstellte. Bei Erwartungseffekten sei das sogenannte modulierende Schmerzsystem von großer Bedeutung, erläutert Autorin Alexandra Tinnermann vom Institut für Systemische Neurowissenschaften des UKE in einer Mitteilung der Hochschule. Erwartungen, die im Frontalhirn entstehen, würden so die Verarbeitung von schmerzhaften Reizen in tieferen Regionen des Nervensystems beeinflussen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Wert eines Medikaments zusätzlich zu den negativen Erwartungen das Schmerzempfinden beeinflussen kann“, so Tinnermann. „Auch die Verarbeitung von Schmerzreizen im Rückenmark wird durch diese Faktoren verändert.“ (dpa)

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