Nach Anschlag in Berlin: Immer wieder die gleichen Parolen

Kommentar

Die Trauer ist wieder einmal groß nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiterzumachen. | Foto: dpa

Auch nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt mitten im Herzen von Berlin ist das Entsetzen und die Trauer wieder groß. Und schon wieder greifen die gleichen Reflexe der Medien und der Menschen. Doch was bleibt uns auch anderes übrig? Ein Kommentar.

Von Mario Vondegracht

„Die Zeiten sind so finster, dass man nur still weinen mag. Und die Trauer muss auch ihren Platz haben. Wir sind in diesen Tagen in einer jämmerlichen Verfassung. Da sind Angst und Wut, Irritation und Hoffnungslosigkeit. Unser Leben wird zu einem Ringen mit alldem, was vorher galt, und mittlerweile jede Gültigkeit verloren zu haben scheint. (…) Es ist zu befürchten, dass weitere Anschläge den Glauben an unser Gesellschaftsmodell nachhaltig erschüttern. Dagegen müssen wir uns stemmen. Mit unserem Verstand, der abseits von Ideologien nach Lösungen sucht. Und mit unserem Herzen, das Ungerechtigkeiten erkennt und nicht kalt wird angesichts von Trauer und Wut.“

Diese Zeilen standen so schon einmal bei uns im GrenzEcho in der Zeitung und auf der Webseite, am 16. November 2015, nach den Anschlägen in Paris mit 130 Toten. Am Montagabend war es wieder einmal so weit. Diesmal an der Reihe: Berlin.

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GE-Redakteur Mario Vondegracht

Wenngleich dieser Massenmord ein islamistischer Anschlag, eine Amokfahrt eines Irren oder sonst was war – eines steht fest: Schon wieder werden die gleichen Durchhalteparolen (wie eingangs erwähnt), die gleichen Beileidsbekundungen und die gleichen Symbole (wie das „Pray for Berlin“-Symbol) im Internet benutzt. Sie sollen uns beruhigen und dabei helfen, unseren Schock zu verarbeiten.

„Was bleibt uns auch anderes übrig?“, fragen sich viele. Und sie haben recht. Was bleibt uns übrig? Nichts. Wir müssen weiter durchhalten, noch besser differenzieren und Populisten nicht auf dem Leim gehen. Eines brauchen wir aber keineswegs: eine erneute Sicherheitsdebatte. Denn mehr Kontrolle, mehr Überwachung, das alles wird uns nicht schützen können.

Thibault Heck aus Nidrum, der seit 2004 in Berlin lebt, wird heute auf der Seite 4 unserer Zeitung wie folgt zitiert: „Überall auf der Welt kann etwas passieren und es gibt halt kein Leben ohne Risiko. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall zu sterben, ist höher.“ Passender kann man es nicht sagen.

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende entgegen, und dass 2017 besser wird, ist in Zeiten von Donald Trump als Präsident der USA, dem Brexit oder den Wahlen in Frankreich und Deutschland so ungewiss wie nie. Die Schreckensnachrichten werden nicht abreißen, und wir müssen weiter durchhalten.

  1. Herr Vondegracht,

    Ihr Kommentar mit dem Titel „Immer die gleichen Parolen“ war „spitze“, besonders Ihr eigener Schlußsatz „Wir müssen weiter durchhalten“. Die Richtung Ihres „Spitze“-Daumens dürfen Sie sich selbst aussuchen.

    Irgendwie habe ich den Eindruck, als ob die Grenzecho-Leser auf ihrer Seite dies schon seit längerem getan haben. (Stichwort Teilnahme an den GE-Kommentarspalten).

    Will das Grenzecho unbedingt an so traditionsreiche Blätter wie LE DRAPEAU ROUGE oder LE PEUPLE anschließen? Man gewinnt langsam diesen Eindruck.

  2. Die Zeitung „Le Peuple“ gehört nicht zu meiner Morgenlektüre, aber da Sie, Herr Michaelis, das GE in dessen Nähe rücken, habe ich mir die Website mal angeschaut: „Le Peuple – Quotidien belge de combat pour nos valeurs – Osons la vérité“ ( http://lepeuple.be/ )

    Das hört sich doch schon mal gut an. Das „Volk“, ein Wort, das vor allem in rechten Kreisen Hochkonjunktur hat, als Abgrenzung gegen alles Fremde, Ausländische. Kampf für unsere christlich-abendländischen Werte – Es wagen, die Wahrheit zu sagen.

    Der heutige Leitartikel: „Merkel, son drapeau et le terroriste de Berlin“ mit folgendem Passus;

    „Alors que la chancelière Angela Merkel invite des centaines de milliers de migrants musulmans à rejoindre l’Allemagne, elle semble avoir honte du drapeau de son propre pays. Ou plutôt, elle refuse toute fierté nationale, toute identité. Et elle a accueilli le tueur de Berlin, en 2015, par sa politique stupide…“

    Ein anderer Artikel benennt ohne Umschweife die Verantwortliche fur das Attentat: „Berlin: Pour l’AfD, ce sont les morts de Merkel.“ Die anschließenden Kommentare lassen an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig.

    War Ihnen die Tendenz dieser Beiträge bewusst, Herr Michaelis, als Sie das GE in die Nähe dieses Presseorgans abgleiten sehen wollten? Wenn ja, müssten Sie sich dann nicht darüber freuen? Ihr Beitrag ist da leider etwas zweideutig.

  3. Da wollten Sie wohl nen kleinen Nebenschauplatz eröffnen, verehrter Herr Schleck.
    Also, vielen Dank dafür, dass Sie sich die Mühe machten, den „PEUPLE“ durchzulesen und Auszüge daraus zu posten. Aber mein Kommentar von gestern zielte unmissverständlich auf den GE-Kommentar von Herrn Vondegracht (sein Titel: „Immer die gleichen Parolen“). Der Verweis auf den „DRAPEAU“ und den „PEUPLE“ betraf die Verlage und deren Stellen am Markt, nicht irgendeinen aktuellen Artikel einer dieser beiden französischsprachigen Zeitungen (die ich beide noch nie gelesen habe).

    Gruß.

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