Gedenken an Luxemburg und Liebknecht: Friedhof als Magnet

Geschichte

Auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde ist eine Tafel mit dem Namen „Rosa Luxemburg“ zu sehen. Sie ist an der monumentalen Gedenkstätte der Sozialisten in den Boden eingelassen. | Foto: Paul Zinken/dpa

Es ist ein eher unscheinbares Feld auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Weit weg von der monumentalen Gedenkstätte der Sozialisten, wo die Linke an diesem Sonntag (13. Januar) zusammenkommt, um wie immer im Januar an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu erinnern.

Nur in der Mitte des abgelegenen Feldes verweisen eine Stele und am Rande ein Info-Schild darauf, dass hier die beiden Kommunistenführer beigesetzt wurden. Am Dienstag (15. Januar) wird es 100 Jahre her sein, dass Luxemburg und Liebknecht in Berlin ermordet wurden.

Beide wurden am 15. Januar 1919 von Freikorps-Soldaten in Berlin erschossen. Dem Ganzen gingen Revolutionswirren nach dem Ersten Weltkrieg voraus. Anfang Januar hatte ein Revolutionsausschuss unter dem Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Karl Liebknecht, die Regierung des Sozialdemokraten Friedrich Ebert für abgesetzt erklärt. Es gab Massendemonstrationen. Der „Spartakusaufstand“ wurde niedergeschlagen – Luxemburg und Liebknecht tauchten unter. Doch sie wurden gefunden und getötet. Luxemburgs Leiche wurde in den Landwehrkanal geworfen. Sie wurde erst nach Monaten gefunden.

Der Historiker Arnd Bauerkämper von der Freien Universität Berlin sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass sich an der Ermordung schon früh gezeigt habe, dass die Weimarer Republik von radikalen Gegnern der konservativen Rechten bedroht wurde. Zunächst hätten diese sich vorrangig gegen kommunistische und linkssozialistische Kräfte gewandt, dann auch zunehmend gegen Sozialdemokraten. Er betonte zugleich, dass die Legitimität der noch jungen Republik auch von linken revolutionären Kräften, die auf eine Räteherrschaft zielten, bestritten worden sei.

Luxemburg und Liebknecht (beide 1871 geboren) stehen Bauerkämper zufolge für einen linkssozialistischen Weg der Weimarer Republik. „Sie standen nicht unbedingt für politische Gewalt.“ Als führende KPD-Gründungsmitglieder seien sie keine Stalinisten gewesen. „Die Stalinisierung der KPD setzte in den späten 1920er Jahren ein.“ Zugleich betonte er über beide: „Klar war auch, dass sie eine Räterepublik nach sowjetischem Vorbild anstrebten und damit auf eine revolutionäre, auch soziale Umwälzung zielten. Sie wollten die bestehende Gesellschaftsordnung, die sie als kapitalistisch bezeichneten, umstürzen.“

Rund um die Revolution und den 100. Todestag von Luxemburg und Liebknecht gibt es viele Veranstaltungen, die auf die Geschichte zurückblicken. Die der Linken nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung etwa hat für Januar eine Reihe von Beiträgen zu Rosa Luxemburg in Berlin konzipiert. Demnächst soll sich auf dem Grabfeld auf dem Berliner Friedhof in Berlin-Lichtenberg einiges ändern, wie Vorstandsmitglied Jürgen Hofmann vom Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde ankündigt. Der Verein bietet Führungen auf dem Friedhof an. Noch im Januar sollen Platten als temporäre Installation dort hingesetzt werden und die Grabstellen markieren, wie Hofmann sagt. Im April sollen Info-Tafeln dauerhaft am Rande des Feldes aufgestellt und vor dem Sommer soll ein Gerüst aufgebaut werden, das die Vorderseite des einstigen Revolutionsdenkmals nachbilden soll. Der Verein geht davon aus, dass das Besucherinteresse wegen des 100. Todestages in diesem Jahr steigen wird. Die Berliner Senatsverwaltung für Kultur fördert nach eigenen Angaben die Projekte.

Die Gräber wurden einst zerstört. „Das NS-Regime hat die Gräber beräumen lassen und auch das Revolutionsdenkmal von Ludwig Mies van der Rohe abreißen lassen“, sagt Hofmann. Der Förderkreis seinerseits schätzt, dass Überreste von den Toten dort noch liegen könnten. Es gebe keine Belege in Verwaltungsunterlagen, dass die Gebeine Luxemburgs ausgegraben worden seien. Vor Jahren war eine Debatte aufgekommen, ob statt Luxemburg eine andere Leiche beerdigt worden sein könnte. Doch bewiesen werden konnte eine Theorie nicht. Zum jährlichen stillen Erinnern an Luxemburg und Liebknecht an der Gedenkstätte am Friedhofseingang, wo nur symbolische Grabplatten der beiden Kommunistenführer liegen, wird es am Sonntag (13. Januar) wohl wieder viele Menschen ziehen. Die Linke ruft immer dazu auf. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.