Das Ende der Unschuld: Wenn Kinder morden

Konflikte

Ehemalige Kindersoldaten nehmen an einer Feier anlässlich ihrer Freilassung teil. Rebellengruppen im Bürgerkriegsland Südsudan hatten mehr als 300 Kindersoldaten freigelassen. | Foto: Sam Mednick/AP/dpa

In wenigen Stunden werden die Kindersoldaten von ihren Rebellengruppen entlassen. Im Dienste ihrer Miliz mussten sie womöglich töten und plündern. Kurz vor ihrer Befreiung klammern sich einige der Jungen noch immer an ihre Holzwaffen, die sie zur Übung erhalten hatten.

Viele der Kinder, die in dieser Einrichtung von Hilfsorganisationen in Yambio im Südsudan übergangsweise übernachten und darauf warten, in die Normalität zurückzukehren, wirken noch verstört, wie Mark Nonkes von World Vision erzählt. „Sie haben einige der schlimmsten Dinge erlebt, die die Menschheit zu bieten hat.“

Die Kinder haben nach Monaten, manchmal Jahren des Leidens nun Glück gehabt. Sie gehören zu rund 300 Kindern, die von zwei Rebellengruppen freigelassen werden. Doch in dem Bürgerkriegsland im Osten Afrikas gehören dem UN-Kinderhilfswerk zufolge immer noch etwa 19.000 Kinder bewaffneten Gruppen an. Weltweit sind es nach UN-Angaben Zehntausende – eine genaue Zahl gibt es nicht. Projekte wie „Rebound“ versuchen Ex-Kindersoldaten einen Neustart nach den grausamen Erfahrungen zu ermöglichen. Auf das Schicksal der Betroffenen macht der Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am Montag aufmerksam. Wo ein Konflikt herrscht, werden oft auch Kinder mit hineingezogen und zu Tätern gemacht. In Ländern wie dem Südsudan, Irak, Somalia, der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo und Afghanistan werden jedes Jahr Tausende Kinder von bewaffneten Gruppen im Kampf eingesetzt; einige werden zwangsrekrutiert, andere schließen sich freiwillig an. Nicht nur Rebellen, sondern auch Regierungskräfte sind dafür verantwortlich. Die Kinder sind zugleich Opfer und Täter. Sie werden zu brutalen Taten gezwungen.

Sie müssen Dörfer überfallen, Menschen töten oder vergewaltigen, oftmals unter Androhung des eigenen Todes.

Sie müssen Dörfer überfallen, Menschen töten oder vergewaltigen, oftmals unter Androhung des eigenen Todes. Kindersoldatinnen werden in den Milizen oft sexuell missbraucht. Von den Kindersoldaten in Yambio habe Nonkes gehört, dass einige auch etwa als Köche oder Spione genutzt worden seien. „Alle sagen, dass es schlimm war und sie nicht wollen, dass andere Kinder dort auch hingehen müssen“, sagt der Mitarbeiter von World Vision. Doch auch eine Befreiung stellt nicht sofort ein Ende der Odyssee dar. Für die meisten Ex-Kindersoldaten ist es extrem schwierig, in die Normalität zurückzukehren. „Ihnen fehlt ein großes Stück Kindheit“, sagt Vedasto Nsanzugwanko, ein Kinderschutz-Beauftragter bei Unicef im Südsudan. Sie müssen schwere Traumata bewältigen. Viele können nicht lesen und schreiben. Und oftmals finden sie nicht in ihr altes Leben zurück. „Die Kinder werden oft von ihren Gemeinden abgelehnt“, erklärt Betty Lalam. Denn durch die Straftaten, die sie begehen mussten, sind sie in vielen Gesellschaften mit einem Stigma behaftet. Lalam leitet eine Organisation in Uganda, die ehemalige Kindersoldaten unterstützt. In dem Land trieb jahrelang die Rebellengruppe Lord’s Resistance Army unter der Führung von Joseph Kony ihr Unwesen, die systematisch Kinder entführte und als Kämpfer einsetzte. Nach diesen Erfahrungen seien viele der Kinder von ihren Familien und Bekannten mit Feindseligkeit begrüßt worden, sagt Lalam. (dpa)

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