Ausblick auf die Reisemesse ITB: Overtourism und Digitalisierung

Tourismus

Jedes Jahr im März lockt die Reisemesse ITB Hunderte Branchenprofis und Besucher nach Berlin. Zwei wichtige Themen in 2018: Overtourism und die Auswirkungen der Digitalisierung. | Foto: Inga Kjer/dpa-tmn

Die ganze Welt in ein paar Messehallen: Das ist das Versprechen der ITB, der größten Reisemesse der Welt. Vom 7. bis 11. März wird sie wie jedes Jahr wieder in Berlin stattfinden.

Länder und Regionen locken Besucher mit Folklore, kulinarischen Spezialitäten und Inspiration für die nächste Urlaubsreise. Die Tourismusbranche verhandelt außerdem die Fragen der Zukunft. Wie und wohin werden die Menschen künftig reisen? Wo zeigen sich dunkle Wolken am Horizont? Diese Themen stehen auf jeden Fall auf der Agenda:

1. Overtourism: Wenn Urlauber nicht mehr willkommen sind: Terrorgefahr und Sicherheitsbedenken in vielen Urlaubszielen trübten zuletzt die Euphorie der Reisebranche und vieler Urlauber. Doch mittlerweile hat man sich an Anschläge fast schon gewöhnt. Nun rückt ein neues Problem in den Fokus: In Europas Metropolen, aber auch auf Mallorca wird es mit dem Massentourismus einfach zuviel. Preise und Mieten steigen, Innenstädte verlieren ihren Charakter, Einheimische protestieren. Das Schlagwort: Overtourism. Keine externen Faktoren verderben die Reisefreude – der Urlauber selbst wird zum Störfaktor.

Städte wie Amsterdam, Barcelona und Rom machen im Sommer nur wenig Spaß: Menschenmassen, stundenlanges Warten vor den Attraktionen, Selfie-Stangen überall. Auch Mallorca wird zur Feriensaison quasi überrannt. Einheimische forderten bereits: „Tourists go home!“ Nicht gerade eine Willkommensbotschaft. Und selbst Schönwetter-Reiseformen wie die Kreuzfahrt stehen in der Kritik, weil Ziele wie Dubrovnik oder Venedig von den Landausflüglern überfordert sind. „Das Problem ist ernst“, sagt Martin Buck von der Messe Berlin, der die ITB verantwortet. Die Tragfähigkeit von Umwelt, Gesellschaft und Infrastruktur habe natürliche Grenzen. „Touristensteuerung“ werde nötig – etwa durch Kontingente, Gebührenmodelle und eine Erweiterung der Saisonzeiten. Doch das ist alles nicht so leicht. Die große Frage ist: „Wie kann man regulativ eingreifen, ohne die Touristen zu vergraulen?“, sagt Buck. Darüber wird auf der ITB diskutiert.

2. Digitalisierung: Der beste Service zum richtigen Zeitpunkt: Der gesellschaftliche Megatrend verändert auch das Reisen. „Das beginnt bei der Buchung einer Reise vom Sofa aus, geht weiter über den Wunsch nach WLAN im Flieger und Hotel bis hin zu Bewertungen über den Urlaub, wenn man wieder zuhause ist“, sagt Buck.

Und das sind noch einfache Beispiele. Chatbots, virtuelle Sprachassistenten, smarte Hotels: All dies wird den Urlaub weiter verändern. „Digitalisierung ist ein schillernder Begriff“, sagt Prof. Torsten Kirstges, Tourismusforscher von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Er klingt aus Urlaubersicht reichlich abstrakt. Dennoch gebe es viel Potenzial für digitale Anwendungen, vor allem im Urlaub selbst. Dort sucht der Gast zum Beispiel punktgenaue Empfehlungen für das nächste Restaurant. Apps helfen da schon jetzt. „Aber da lässt sich noch viel optimieren“, sagt Kirstges. Reiseveranstalter könnten viele Gimmicks hier clever nutzen, um mit ihren Gästen während der Reise in Kontakt zu bleiben. „Da wird dran gearbeitet.“ Aber vieles funktioniere von der Handhabung her noch nicht so gut.

Werden wir in Zukunft unsere Urlaube nicht mehr im Reisebüro oder vor dem Computerbildschirm buchen – sondern im Gespräch mit Alexa, dem digitalen Sprachassistenten im Wohnzimmer? Und wo ist da noch Platz für etablierte Reiseanbieter? Diese und andere Fragen rund um die Digitalisierung werden auf der ITB eine große Rolle spielen.

3. Verkehrsmittel der Zukunft: Drohnen-Taxis und Hyperloop: Der Blick in die Glaskugel gehört in jeder Branche zu einer Fachmesse dazu. Und ein bisschen von der Zukunft träumen will ein Urlauber ja auch: Wie wird er vielleicht einmal reisen? Vom Flughafen in die Stadt in einem Drohnentaxi, wie sie Dubai bereits hat? Zwischen zwei Städten pendeln in einer Hyperloop-Vakuum-Röhre mit 1.200 km/h? Kurz in die USA per Überschallflug in weniger als drei Stunden? Und wer will so etwas überhaupt? Dazu wird auf der ITB eine Studie präsentiert. Aus Sicht der ITB ist die Notwendigkeit des Themas klar: Die heutigen Verkehrssysteme seien nicht zukunftsfähig – wegen Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung, Lärm, Staus und Zeitverschwendung. Somit seien neue – gerne auch revolutionäre – Technologien gefragt. „Es gibt viele spannende Ansätze, die aber sicherlich noch nicht in den kommenden Jahren marktfähig sein werden“, urteilt Kirstges. Zukunftsmusik also. Aber man sollte darüber reden. (dpa)

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