Alpenraum versinkt im Schnee: Reisende sitzen fest, Lawinen drohen

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Bei heftigem Schneefall sind viele Urlauber auf dem Rückweg aus den Weihnachtsferien in Österreich stecken geblieben. | Foto: dpa

Wintersportler dürfte es mancherorts freuen, Reisende waren wohl zunehmend genervt: Schneemassen im Alpenraum blockieren den Straßen-, Bahn- und Flugverkehr. Für abreisende Urlauber ist in einigen österreichischen Skigebieten kaum ein Durchkommen.

Von Albert Otti, Ulrich Kaufmann und Michael Kieffer

Bei heftigem Schneefall sind viele Urlauber auf dem Rückweg aus den Weihnachtsferien in Österreich stecken geblieben. Tausende Touristen, auch aus Belgien, waren zeitweise in den großen österreichischen Skigebieten Obertauern und Saalbach-Hinterglemm eingeschlossen. Die Zufahrtsstraßen wurden gesperrt, weil das Risiko von Lawinenabgängen zu hoch war. Für eine Lawinensprengung wurde außerdem die für den Reiseverkehr wichtige Tauernautobahn gesperrt.

Im gesamten deutschen Alpenraum galt am Sonntag die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Schnee verschüttete am Samstag in den Chiemgauer Alpen eine junge Tourenskifahrerin, die dabei ums Leben kam. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab wegen der Schneemassen Unwetterwarnungen heraus. Straßen-, Bahn- und Flugverkehr wurden erheblich behindert.

Während sich die Situation am Flughafen München entspannte, meldete die Deutsche Bahn etliche Streckensperrungen. Auf den Straßen kam es zu vielen Unfällen – nicht nur in und an den Alpen in Bayern und Österreich, sondern etwa auch im Schwarzwald.

In Oberbayern starb ein 19-Jähriger bei einem Autozusammenstoß auf schneeglatter Straße nahe Bad Tölz. Vier weitere Menschen wurden bei dem Unfall verletzt, zwei davon schwer. Ein 23-Jähriger war auf die Gegenfahrbahn geraten und in die Beifahrerseite des anderen Autos gekracht. In der Nähe des Chiemsees wurde die Autobahn 8 bei Siegsdorf zeitweise gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast auf die Fahrbahn ragten. In München wurden Linienbusse, die sich festgefahren hatten, von der Feuerwehr wieder flott gemacht.

Glück im Unglück hatten rund 300 Reisende, deren Nachtzug nach Zürich in der Nähe von Kitzbühel in Österreich mit einem umgestürzten Baum kollidierte. Nach vier Stunden auf offener Strecke wurden die Waggons in einen Bahnhof geschleppt, wo die unverletzten Passagiere mit warmen Getränken versorgt wurden.

Im österreichischen Saalbach-Hinterglemm waren zeitweise rund 12 000 Wintersportler eingeschlossen. Rund 50 Prozent der Urlauber kommen hier aus Deutschland. Sie seien nicht in Gefahr, beruhigte Bürgermeister Alois Hasenauer. „Wir sind im Ort gut versorgt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Im Skigebiet Obertauern sollte am Sonntag ein Konvoi für abreisende Gäste organisiert werden.

Unter der Schneelast zusammengebrochene Bäume verursachten auch Stromausfälle in Österreich. In Tirol warnten die Behörden wegen der Gefahr von Baumstürzen vor Wanderungen.

Nach Angaben des Lawinenwarndienstes Bayern galt am Sonntag im gesamten deutschen Alpenraum die zweithöchste Lawinenwarnstufe vier. Das bedeutet, dass sich große Lawinen schon durch ihr Eigengewicht und damit ohne menschliche Einwirkung auslösen können. Bei einem Lawinenabgang am Teisenberg in den Chiemgauer Alpen starb eine 20-jährige Frau.

Am Sonntag hielt im Alpenraum der starke Schneefall an, bereits in den Vortagen war verbreitet mehr als ein Meter Neuschnee gefallen. Die Experten erwarteten für die nächsten Tage eine leichte Entspannung der Lawinenlage, wenn sich die Neuschneemengen setzen. (dpa)

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