Vom „Sitzenbleiben“ bis zum Brückenstudium

Bildungspolitik

Kirsten Neycken-Bartholemy | Foto: David Hagemann

Zahlreiche Themen wurden am Donnerstagnachmittag im für Bildungsfragen zuständigen Ausschuss des DG-Parlamentes angesprochen – vom „Sitzenbleiben“ bis zur Senkung der Schulpflicht auf fünf Jahre bis zum Brückenstudium zum Primarschullehrer.

Von Christian Schmitz

Bildungsminister Harald Mollers (ProDG), der auf Dienstreise war, wurde durch seine Kollegin Isabelle Weykmans (PFF) vertreten. Eine Auswahl.

Schulrückstand:Kirsten Neycken-Bartholemy (SP) thematisierte eine aktuelle Unistudie, wonach 60 Prozent der Schüler im fünften Sekundarschuljahr im französischsprachigen Landesteil bereits mindestens einmal „gedoppelt“ haben. Sie wollte wissen, wie die Lage in Ostbelgien aussieht. Die DG-Regierung wartete mit aktuellen Zahlen auf: Aus den Schülerdaten des sechsten Sekundarschuljahres 2018-2019 mit Datenstand September 2018 verzeichnet man 242 Schüler von 670 mit einem Rückstand von zumindest einem Jahr, sprich 36,12 Prozent. „Jeder Prozentpunkt Schulrückstand ist – absolut gesehen – ein Prozentpunkt zu viel, aber der Schulrückstand in der DG sei de facto weit von den 60 Prozent der FG entfernt, „und seit 15 Jahren bewegen wir uns kontinuierlich in die gute Richtung“, meinte Isabelle Weykmans. Die Regierung habe dafür eine Reihe von Maßnahmen und Förderinitiativen ergriffen.

Senkung des Schulpflichtalters: Das föderale Parlament hat am Donnerstag die Senkung der Schulpflicht von sechs auf fünf Jahre ab dem Schuljahr 2020-21 beschlossen. Die DG-Regierung begrüßt die mit der Maßnahme bezweckte Förderung der Bildungsgerechtigkeit und der Chancengleichheit, so Weykmans nach einer Frage von Petra Schmitz (ProDG). Die DG habe aber auch auf die organisatorischen Herausforderungen und Kosten hingewiesen, die dadurch insbesondere in den Bereichen Schulpflichtkontrolle, Schülerbeförderung und Organisation des Religionsunterrichts auf die Gemeinschaften zukämen. So sieht die Verfassung vor, dass die Gemeinschaften für schulpflichtige Kinder kostenlos einen Unterricht in einer der anerkannten Religionen oder in nichtkonfessioneller Sittenlehre („Moralunterricht„) anbieten. Der Hausunterricht müsste auch auf die Fünfjährigen angewandt werden. Die Mehrkosten durch die Senkung der Schulpflicht könnten sich auf 110.000 Euro pro Jahr für die DG belaufen. Dieser Betrag sei aber wegen vieler unsicherer Faktoren mit Vorsicht zu genießen.

Im gleichen Zusammenhang erkundigte sich Sandra Houben-Meessen (CSP) nach Waldkindergärten. Der Regierung seien zwei Elterninitiativen zum Thema bekannt, eine in der Eifel und eine im Norden Ostbelgiens. „Die Initiatoren des Waldkindergartens streben an, eine alternative Kindergartenform ins Leben zu rufen, in der sich die Kinder – ähnlich wie es in Skandinavien und Deutschland möglich ist – ganzjährig im Wald aufhalten und ihren Spiel- und Lernraum nicht im Klassenzimmer, sondern in der Natur haben“, so Isabelle Weykmans. Ob dieses Angebot als anerkannter Kindergarten funktionieren soll oder ob es – in Anbetracht der Tatsache, dass Kindergartenkinder nicht der Schulpflicht unterliegen – eher bei der Kleinkindbetreuung angesiedelt wird, müsse noch geprüft werden. Angeregt wird ebenfalls die Einsetzung einer Arbeitsgruppe.

Brückenstudium: Nach erfolgreichem Bachelorabschluss als Kindergärtner ist ein einjähriges Brückenstudium möglich, das den Erwerb des Diploms als Primarschullehrer ermöglicht. Sandra Houben-Meessen (CSP) stellt sich die Frage, ob dies tatsächlich innerhalb eines Studienjahres möglich sei. Der vergleichbar hohe Anteil an Eigenstudium und Praktika sowie die Absolvierung von Inhalten aus drei verschiedenen Studienjahren mache das Brückenstudium „in der Tat zu einem anspruchsvollen Studium“, antwortete Isabelle Weykmans. Daher führe die Autonome Hochschule mit jedem Interessenten vor Studienbeginn ein persönliches Gespräch. Interessenten setzten sich ausgiebig mit dem Brückenstudium auseinander und die Abbrecherquote sei sehr gering. Da aber die stetig steigenden Anforderungen an Primarschullehrer eine Verlängerung der Studienzeit notwendig machten, stelle sich die Frage, inwiefern ein Brückenstudium nach diesen Anpassungen sinnvoll und möglich sei. Dies müssten die Entwicklungen in der Neuausrichtung des Lehramtsstudiums zeigen.

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