Netzwerk „Polin“ soll Frauen zum politischen Engagement ermutigen

Gesellschaft

Jenny Baltus-Möres (links) zusammen mit Initiatorin Assita Kanko | Foto: MR

Am Mittwoch wurde in Brüssel das Netzwerk „Polin“ ins Leben gerufen: „Polin“ steht für „politischer Inkubator für Frauen“. Es geht im Wesentlichen darum, Frauen zum Engagement in der Politik zu ermutigen.

Initiatorin Assita Kanko, Mitglied des Gemeinderats von Ixelles (Brüssel), hatte ganz bewusst Frauen aus dem gesamten Land angesprochen – über Partei- und Sprachgrenzen hinaus. Etwa hundert Personen waren zum Auftakt dabei – viele Frauen und auch einige Männer, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete: beispielsweise Staatsministerin Miet Smet (CD&V), Laurette Onkelinx (Vorsitzende der Brüsseler PS-Sektion), Joëlle Milquet (ehemalige CDH-Präsidentin), Ecolo-Co-Präsidentin Zakia Khattabi, Senatspräsidentin Christine Defraigne (MR), Open-VLD-Chefin Gwendolyn Rutten sowie Ex-Ministerin Monica De Coninck (SP.A).

Außerdem waren mehrere Persönlichkeiten aus dem Ausland am Sitz der Nationalbank in Brüssel anwesend. Sie berichteten von gemachten Erfahrungen in der Politik, so auch die isländische Politikerin Hanna Birna Kristjansdottir oder Nathalie Leroy, Präsidentin der französischen Vereinigung für Juristinnen. Am Nachmittag standen Workshops auf dem Programm. Im Rahmen von „Polin“ sollen jetzt alle drei Monate Weiterbildungen stattfinden.

Aus Ostbelgien nahm die Regionalabgeordnete Jenny Baltus-Möres (PFF-MR) teil. In deutscher Sprache ging sie auf die Relevanz des Überschreitens von Grenzen ein – dies nicht nur auf sprachlicher und gemeinschaftspolitischer Ebene, sondern auch mit Blick auf den nötigen Wandel der Gesellschaft, um Ungleichgewichte zu beheben. Ziel sei dabei, dass mehr Frauen den Schritt in die Politik wagen und dass sie sich auch nicht vorzeitig daraus zurückziehen.

Man habe in Ostbelgien vor knapp fünf Jahren mit dem Forum „Frauenstimmen“ ein Netzwerk mit ähnlicher Zielsetzung gegründet. Dieses steht ebenfalls Frauen aller Parteien offen und richte sich an Frauen, die sich sonst nicht aktiv in der Politik engagieren. „Polin“ sei aber deshalb so interessant, weil es ein belgienweites Netzwerk für Frauen sei. „Wir haben die gleichen Rechte – und auch die gleiche Verantwortung. Ich sehe es als großes Privileg, politisch Verantwortung übernehmen zu dürfen und meinen persönlichen Teil zu einer besseren, stärkeren und eines Tages hoffentlich völlig gleichberechtigten Gesellschaft beitragen zu können“, sagte Jenny Baltus-Möres.

„Wir brauchen mehr Frauen in der Politik, und wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen. Mehr Frauen, die es wagen, Grenzen zu überschreiten und Herausforderungen anzunehmen – Tag für Tag aufs Neue. Viel zu oft versucht man, uns in eine viel zu kleine Schublade zu zwängen – da passen wir gar nicht rein. Jede Frau kann auf ihre ganz individuelle Art die gesellschaftliche und politische Vielfalt bereichern“, so die liberale Politikerin. „Verstecken wir uns also nicht: Trauen wir uns – weiterhin – nach vorne zu gehen, den Mund aufzumachen und mitzureden und zu entscheiden.“

Sie kritisierte, dass immer noch viele Frauen in Belgien trotz guter Ausbildung nur halbzeitig oder gar nicht arbeiten gingen. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Kindererziehung und Haushalt auch Arbeit sind, und ich habe den gleichen Respekt vor Frauen, die sich für diesen Weg entscheiden. Aber man darf nicht vergessen, dass man damit auch seine Eigenständigkeit aufgibt und dass ebenfalls das Armutsrisiko steigt“, hielt sie fest.

„Wir haben genauso wie Männer das Recht, wenn wir wollen, auch ganztags zu arbeiten, und das, ob wir Kinder haben oder nicht. Und Männer haben das Recht und auch die Verantwortung sich zu gleichen Teilen in Kinderbetreuung und Haushalt zu engagieren, wofür sie selbst verantwortlich sind.“ In diesem Bereich wisse die Gesellschaft leider noch nicht richtig, wohin sie wolle: „Auf der einen Seite hat man Respekt vor berufstätigen Müttern und sieht sie als Powerfrauen, auf der anderen Seite werden die gleichen Frauen mitunter – wenn auch zum Teil hinter vorgehaltener Hand – als karrieregeil, als Emanze oder gar als Rabenmutter bezeichnet.“

Für den modernen Mann sei es nicht viel einfacher: „Während dem fürsorglichen und liebevollen Papa, der seine Frau entlastet, auf der einen Seite Respekt entgegengebracht wird, wird er von anderen gerne als Waschlappen oder als Pantoffelheld dargestellt, da einige sich schwertun, ihr Bild der Männlichkeit mit der Rolle des Hausmanns zu verbinden.“ Die Entwicklung hin zu mehr Gleichberechtigung könne vielleicht vom Netzwerk „Polin“ POLIN beschleunigt werden. Übrigens organisiert Jenny-Baltus-Möres am 8. März gemeinsam mit ihrer Parlamentskollegin Lyseline Louvigny (MR) im belgischen Senat ein Kolloquium zur Förderung der Gleichberechtigung. (sc/belga/red)

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