Braucht Ostbelgien eine Ausbildung in Jugendarbeit?

Gesellschaft

Bogenschießen wurde als erlebnispädagogische Jugendarbeit präsentiert. | Foto: privat

Jugendarbeit in Ostbelgien ist bunt und vielfältig. Aber nicht jeder weiß, woraus sie besteht, welche Herausforderungen sie mit sich bringt, welche qualitativen Voraussetzungen damit verbunden sind oder ob es sogar dafür eine spezielle Ausbildung hier in Ostbelgien geben sollte.

Dazu konnten sich die Teilnehmer der Veranstaltung „einBlick-Zukunft Jugendarbeit“ vor Kurzem in Eupen einen Überblick verschaffen. Im Rahmen von Ateliers wurde die Jugendarbeit mehrerer Einrichtungen in Ostbelgien präsentiert. In einem Film erläuterten vier Erzieher in der Offenen und Mobilen Jugendarbeit ihre Arbeit und gaben so wie der österreichische Jugendforscher Manfred Zentner einen ersten Einblick in die Spezifität der Jugendarbeit. Die Teilnehmer konnten zudem eine Baumcollage erstellen, um symbolisch die interkulturelle Jugendarbeit kennenzulernen oder beim Bogenschießen erfahren, was es mit der Erlebnispädagogik im Jugendbereich auf sich hat. Auch die Dreiland Jugendhilfe, das ZAWM, die SIA, die Info-Zentren, die KLJ, Streetwork stellten der Erzieherberuf im Jugendbereich vor, sodass ein komplettes Bild der Jugend- und Sozialarbeit in Ostbelgien entstand. „So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich wusste nicht, was man da alles machen kann“, meinte eine Schülerin der sozialwissenschaftlichen Abteilung des Königlichen Athenäums Eupen, „Ich könnte mir jetzt richtig gut vorstellen, das zu studieren.“

Nachmitttags ging es um die Ausbildung. René Opsomer, Jugendarbeiter im Jugendheim Kettenis, stellte das Modulhandbuch zur berufsbegleitenden Ausbildung vor. Dazu hatte er auch Experten eingeladen. „Jugendarbeit ist nicht irgendeine Sozialarbeit“ erklärte Manfred Zentner. Sie habe zum Beispiel spezifische Merkmale wie Freiwilligkeit, Partizipation der jungen Menschen, Offenheit für alle und alles oder Flexibilität. Immer wieder treten neue Anforderungen an Jugendarbeiter ran und das Berufsfeld ist so breit gefächert.

Außerdem braucht es eine berufsbegleitenden Ausbildung zum Jugendarbeiter. Es sei wichtig, dass diese einen großen praktischen Teil enthält, denn nur über die Selbstreflexion, so Coach und Supervisor Achim Meyer, könne der Studierende zu der nötigen Professionalität und dem Ausgleich von Nähe und Distanz zu seinem Zielpublikum gelangen. Benötigt wird aber auch einer Ausbildung speziell in Ostbelgien. Denn da viele junge Menschen wegen der mangelnden Französischkenntnisse in ihrem Studium im frankofonen Landesteil scheitern und es nur sehr schwierig ist, einen Studienplatz in sozialer Arbeit in Deutschland zu erhalten, sieht Christa Wintgens, Assistentin für Jugend im Ministerium, es als wichtig an, eine Ausbildung vor Ort anzubieten.

Ein Projektteam ist bereits mit der Vorbereitung befasst. Dazu gibt es ebenfalls eine Partnerschaft mit der österreichischen Zertifizierungsstelle AufZAQ. Wie diese Ausbildung konkret aussehen soll, ist allerdings noch unklar. Prof. Dr. Ulrich Deller gab in der Expertenrunde ein paar Anregungen. So könnte er sich eine Zusammenarbeit mehrerer Hochschulen in der Euregio mit einem international anerkannten Diplom vorstellen. Rita Bergstein, Verantwortliche für Fortbildung und Kontaktseminare bei SALTO von der EU-Kommission, plädiert dagegen eher für einen zertifizierten Lehrgang.

Dass das Modulhandbuch in irgendeiner Weise umgesetzt wird, betonte Bildungsminister Harald Mollers (ProDG). Schließlich sei das Projekt in das Regionale Entwicklungskonzept eingebettet. Er lobte die Projektträger für die gute Vorarbeit, die mithilfe von Partnern und Experten geleistet wurde. Wer das Modulhandbuch einsehen will, kann sich an Christa Wintgens (christa.wintgens@dgov.be) wenden. (red)

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