Zwei Jahre Hass und Hetze

Extremismus: Pegida in Dresden

Mehrere tausend Pegida-Anhänger demonstrierten am Sonntag in Dresden (Sachsen). Die Anhänger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) begingen mit der Kundgebung ihr zweijähriges Bestehen.
Mehrere tausend Pegida-Anhänger demonstrierten am Sonntag in Dresden (Sachsen). Die Anhänger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) begingen mit der Kundgebung ihr zweijähriges Bestehen. | Foto: Oliver Killig/dpa

Im Oktober 2014 sind es ein paar Hundert, die in Dresden gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes mit fremdenfeindlichen Parolen auf die Straße gehen. Schnell werden es Tausende. Der große Andrang sind längst vorbei – aber Pegida ist immer noch da.

Von Martin Fischer

Oft schon totgesagt, laufen sie noch immer montags durch Dresden. Es laufen zwar längst nicht mehr so viele Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses wie zu Hochzeiten Anfang 2015 mit. Damals kamen bis zu 25 000 Menschen zu den „Spaziergängen“. Aber zwei Jahre nach der Gründung sind sie beständiger als viele gedacht haben. „Dresden zeigt, wie’s geht“ ist von Anfang an eine beliebte Parole. Aber in der Republik macht es kaum mehr einer nach.

Regelmäßiger Protest vermeintlich „besorgter Bürger“ ist andernorts eingeschlafen oder auf Häufchen zusammengeschmolzen, auch in Sachsen. Nur in der Landeshauptstadt versammelten sich im vergangenen halben Jahr noch Woche für Woche zwischen 2000 und 3000 selbst ernannte „Patrioten“. Und die Halbe-Million-Stadt leidet, nicht nur am Image.

Am Sonntag stehen bei der Jubiläums-Kundgebung gut 8000 Menschen vor der Semperoper. Eigentlich wollten sie den „Geburtstag“ an einem Montag feiern. Da der symbolträchtige Platz aber durch eine länger angemeldete Gegenkundgebung besetzt war, wurde die Veranstaltung kurzerhand vorverlegt. Schon die Nazis und später auch die Kommunisten hatten die historische Kulisse für Kundgebungen genutzt.

Als Geburtstagsgäste kommen alte Bekannte. Unter ihnen der Österreich-Chef der in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung, Martin Sellner, der Chefredakteur des neu-rechten „Compact“-Magazins, Jürgen Elsässer, und der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Kleinpartei „Die Freiheit“, Michael Stürzenberger.

Längst geht es bei Pegida nicht allein mehr um die Angst vor der viel beschworenen „Islamisierung des Abendlandes“. Die Teilnehmer rufen „Wir sind das Volk“ wie einst die friedlichen Revolutionäre, und sie sehen sich selbst in dieser Tradition. Nur dass es jetzt nicht gegen das SED-Regime geht. Sie wollen „Widerstand“ leisten gegen die „Volksverräter“ der „Merkel-Diktatur“, die mit einer „Umvolkung“ die Nation „vernichten“, sich dabei der bezahlten „Lügenpresse“ bedienen und zu Handlangern der verhassten USA und der „Weltfinanz“ machen.

Sie fordern „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Und sie haben kein Problem damit, dass ihr Anführer Lutz Bachmann, ein vielfach vorbestrafter Kleinkrimineller, letzteres längst getan hat. Seit Monaten lebt er auf der Ferieninsel Teneriffa, weil er dort seine „Brötchen verdienen“ muss, wie er sagt. Zu Kundgebungen kommt er immer seltener, fliegt nur noch aus der Sonne ein, um gebräunt seine Form des Patriotismus zu predigen und gegen Flüchtlinge zu hetzen, die nicht zu Hause für ihr Land kämpfen.

Das mediale Interesse an Pegida hat stark nachgelassen. Es braucht schon Krawalle wie am Tag der Deutschen Einheit, um es mit übelsten Beschimpfungen der Repräsentanten des Staates und Störungen wieder einmal in die Schlagzeilen zu schaffen. (dpa)

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