Hoffnung bei Gesprächen zur Beendigung der Teilung Zyperns

UN:

Neue Verhandlungen und neue Hoffnung für Zypern. Am Montag sind die politischen Führer der griechischen und der türkischen Zyprer, Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci, unter UN-Schirmherrschaft nach fast 20 Verhandlungsmonaten in Genf zusammengekommen. Der Plan: Drei Tage bilaterale Verhandlungen zu den wichtigsten Themen der Zypernfrage. Einigen sich die Zyprer untereinander, sollen dann die „Mutterstaaten“, die Türkei und Griechenland sowie die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien zu den Verhandlungen hinzukommen.

Ob der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der griechische Regierungschef Alexis Tsipras und die britische Premierministerin Theresa May nach Genf kommen, blieb am Montag unklar. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker plant jedenfalls, dabei zu sein.

Die UN zeigen sich optimistisch. Der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs für die Zypernfrage, Espen Barth Eide, meinte, Anastasiades und Akinci hätten den Willen und Führungsstärke demonstriert, „wie wir es seit langem nicht gesehen haben“.

Anders sieht man die Aussichten auf Zypern: Am Montag kursierten auf beiden Seiten der geteilten Insel Informationen, dass ein Durchbruch in dieser Phase schwer denkbar sei. Möglich ist jedoch eine vorläufige Rahmenvereinbarung, die die Bildung eines föderativen Zypern als Lösung nennt. Danach sollen die Verhandlungen über zahlreiche brenzlige, weiterhin ungeklärte Fragen fortgesetzt werden.

Eins der wichtigsten Themen: Die beiden Konfliktparteien sollen Landkarten mit ihren Vorstellungen für den Grenzverlauf zwischen den beiden Teilstaaten der künftigen Bundesrepublik Zypern präsentieren. Akinci will, dass möglichst wenige türkische Zyprer nach einer Rückgabe von Territorium an die griechischen Zyprer umgesiedelt werden müssen. Anastasiades jedoch möchte erreichen, dass möglichst viele griechische Zyprer in die Gebiete zurückkehren können, aus denen sie oder ihre Vorfahren 1974 vor den vorrückenden türkischen Truppen fliehen mussten.

Schwer lösbar auch Vermögensthemen: Wer wird das erste Wort haben, wenn es um ein Grundstück eines griechischen Zyprers geht, der 1974 geflohen ist und auf dem ein türkischer Zyprer ein Haus gebaut hat und es anschließend an einem britischen Touristen verkauft hat? In welchem Zustand sind die Banken im türkischen Teil Zyperns? Was wird die Wiedervereinigung kosten? Und wer wird den Preis zahlen? „Wir haben zu viele Fragen und noch keine Antworten dazu“, sagen Diplomaten in Nikosia.

Und dann gibt es noch externe Faktoren. Ohne die Türkei kann die Zypernfrage nicht gelöst werden. Grünes Licht kann nur der türkische Präsident Erdogan geben – der hat aber derzeit ganz andere Prioritäten. (dpa)

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