Mehr als drei Viertel aller Türken in Belgien für Präsidialsystem

Referendum

Recep Tayyip Erdogan durfte sich am Sonntag als Sieger feiern lassen. | Foto: afp

In Belgien hat Erdogans Präsidialsystem beim Referendum viel mehr Zustimmung erfahren als in der Türkei selber.

Mit mehr als  Dreiviertelmehrheit haben die Türken in Belgien, von denen rund 45.000 am Referendum teilnahmen, für das Präsidialsystem von Staatschef Recep Tayyip Erdogan gestimmt. 77,1 Prozent votierten beim Referendum mit „Ja“, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu nach Auszählung fast aller Stimmen aus dem Ausland in der Nacht zum Montag meldete. Das ist weltweit, nach dem Libanon (beinahe 94 Prozent) der zweithöchste Wert.

In Österreich lag die Zustimmung mit 73,5 Prozent ähnlich hoch. In den Niederlanden konnten die Unterstützer des Präsidialsystems 71 Prozent der Stimmen für sich verbuchen, in Deutschland 63,1 Prozent. In der Schweiz blieb das „Ja“-Lager dagegen mit 38 Prozent klar in der Minderheit.

Besonders mit Deutschland und den Niederlanden hatte der Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Regierungsmitglieder für schwere Verwerfungen mit Ankara geführt. Erdogan hatte beiden Ländern „Nazi-Methoden“ vorgeworfen.

Nach den Zahlen von Anadolu stimmten im Ausland insgesamt 59,2 Prozent der Wahlberechtigten mit „Ja“, im Inland waren es demnach 51,2 Prozent. Die Zahlen von Anadolu weichen leicht von denen der Wahlkommission ab. Insgesamt waren im Ausland rund 2,9 Millionen Wahlberechtigte registriert. Auslandstürken machten etwa fünf Prozent aller Wahlberechtigten aus. (belga/dpa/jph)

  1. Wenn eine so große Mehrheit einen Diktator besser als eine Demokratie findet sollten sie konsequent sein und in eine Diktatur umziehen.

  2. Wenn diese Auslandtürken für ihren DIKTATOR sind dann ab in einem Türkenbomber mit Ziel Türkei und nicht sich hier am Sozialsystem laben und wie die Made im Speck leben ,dann würden sie mal den Unterschied sehen

  3. Die in den demokratischen europäischen Ländern lebenden türkischen Erdogan-Anhänger haben mit ihrem Votum nicht nur ihrem Heimatland sondern auch sich selbst einen Bärendienst erwiesen.
    Die „dann geht doch zurück in die Türkei“- Rufe und die neu entfachten Diskussionen über die doppelte Staatsbürgerschaft haben die Erdogan-Wähler selbst zu verantworten, verdeutlicht ihre Wahl doch, wie wenig sie Demokratie und persönliche Freiheit offenbar zu schätzen wissen.
    Eine fehlgeschlagene Integration hierfür verantwortlich zu machen, ist eine naheliegende Erklärung. Aber zur Integration bedarf es Anstrengungen von beiden Seiten.

  4. Ich bin bei weitem kein Befürworter für das, was gerade in der Türkei passiert, aber der Artikel stellt dennoch haltlose Behauptungen in den Raum, bedient populistische Meinungsmache und findet daraus folgend ähnlich Anklang wie die einseitige Berichterstattung auf Ostbelgiendirekt.

    Der Artikel suggeriert ohne Bedenken, dass alle in Belgien lebenden Türken unter Generalverdacht gestellt werden können Antidemokraten zu sein. Ich „wage“ mal zu behaupten, dass dem nicht so ist.

    Reduzieren wir mal die Fakten: Es wird geschrieben, dass 45.000 an der Abstimmung teilgenommen haben und davon mehr als 75% für die von Erdogan vorgeschlagene Reform gestimmt haben.

    Hat sich bisher tatsächlich keiner die Frage gestellt, wie viele Türken tatsächlich in Belgien leben?
    Ist die Zeit, in der wir (als Europäer) unter Repressionen gelebt haben, wirklich schon so lange her, dass keiner daran glaubt, dass Druck durch den Staat soviel Furcht erzeugt, dass viele aus Angst lieber nicht wählen?

  5. „Mit mehr als Dreiviertelmehrheit haben die Türken in Belgien, von denen rund 45.000 am Referendum teilnahmen, für das Präsidialsystem von Staatschef Recep Tayyip Erdogan gestimmt.“

    Diese Aussage stimmt leider so nicht.

    „Die Türken in Belgien“? Nein, denn nicht alle Türken waren wahlberechtigt. Wie viele Türken über 18 Jahren gibt es in Belgien? Mit ausschließlich türkischer Nationalität bzw. mit Doppelpass? Denn nur diese waren ja wohl wahlberechtigt.

    Und von diesen Wahlberechtigten haben 45.000 effektiv an der Abstimmung teilgenommen. Ist das viel? Ist das wenig? Unmöglich zu sagen, da man nirgends erfährt, wie viele zu Hause geblieben sind (Enthaltungen hat es sicher keine gegeben). Das wäre aber überaus wichtig, um die reelle Bedeutung dieser massiven Zustimmung richtig einordnen zu können.

    Könnte da das GE da mal recherchieren und Zahlen liefern?

    Eine Frage ist auch, ob die jetzt schon geforderte Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft etwas an der Integrationsfrage ändern würde. Man darf daran zweifeln.

  6. Wie ist das nun mit den Zahlen?

    Laut GE haben mehr als Dreiviertel von 45.000 türkischen Wählern in Belgien, für Erdogan gestimmt.

    Das schreiben auch LE VIF und LA LIBRE.

    In einem anderen ostbelgischen Medium heißt es dagegen: „In Belgien stimmten 54.083 (74,98%) Türken mit ‚Ja‘ und 18.044 (25,02%) votierten für ‚Nein‘.“
    Das wären insgesamt 72.127 Wähler gewesen.

    LE SOIR schreibt hingegen: „Durant les deux dernières semaines, plus de 81.000 Turcs de Belgique, soit environ 60 % des 137.000 votants potentiels, ont pris part au référendum sur une modification de la Constitution.“

    Immerhin liefert LE SOIR einen Hinweis auf die ZAhl der Wahlberechtigten: 137.000. 60 % davon wären genau 82.200, vovon 60 % oder 63000 für erdogg

    1. … 77% oder 63000 für Erdogan gestimmt haben sollen.

      Wieder eine andere Zahl. Was stimmt denn nun letztendlich in diesem Verwirrspiel?
      Wenn die Medien nicht verlässlicher arbeiten können, wer soll ihnen dann noch vertrauen?
      Oder bin ich vielleicht nur eine Niete in Mathematik?

  7. Wenn diese Zahlen stimmen hätten also rund 46 % der in Belgien wahlberechtigten Türken für die Verfassungsreform gestimmt.
    Natürlich nur, wenn sie denn überhaupt wussten, worüber sie abstimmen. Angesichts der erdoganschen Desinformation und Propaganda habe ich da so meine Zweifel.
    54% der wahlberechtigten Türken hat somit nicht für den Despoten, nicht für die Todesstrafe, nicht für Diktatur und nicht für die Einschränkung der Freiheit in ihrem (?) Land gestimmt. Ein Hoffnungsschimmer ?
    Und den 46%, die dafür gestimmt haben, kann es ohnehin egal sein. Denn SIE leben ja in Belgien.
    Vielleicht hatte Professor Jason Brennan doch nicht ganz unrecht.

  8. Ja, Herr Leonard, Sie schränken es treffend ein: „Wenn diese Zahlen richtig sind,…“

    Welche Angaben stimmen denn nun,
    – die von GE, VIF und LIBRE (77 % Ja bei 45000 Wählern = 34.650 Ja), alle von Belga inspiriert.
    – die von Ostbelgien Direkt (54.083 oder 74,98% Ja, bei 72.130 Wählern),
    – die vom SOIR (137000 x 60 % = 81.000 x 77 % = 62.300 Ja) ?
    – die vom BRF („etwa 77 %“ von 81000 Wählern), was = auch 62.300 ergeben würde.

    Großes Fragezeichen! Kein Ruhmesblatt für die (ostbelgischen) Medien, die nicht fähig sind, korrekte und übereinstimmenden Zahlen zu liefern, oder aber nicht willens sind, diese doch wichtige Frage zu klären.

    Wichtig deshalb, weil in echt populistischer Manier manche schon aus der Hüfte schießen und gleich pauschal die Abschaffung des Doppelpasses fordern, wobei man da auch keine Zahlen kennt, um wie viele Fälle es sich handelt. Es würde ja auch alle anderen Nationalitäten betreffen, denn eine solche Maßnahme nur für Belgo-Türken wäre doch wohl kaum legal.

    Als ob der bloße Besitz eines Reisepasses etwas an den unzweifelhaft vorhandenen Integrationsproblemen ändern würde.

    1. Niemand findet es für nötig in den Medien mal für Aufklärung zu sorgen, was es mit der doppelten Staatsangehörigkeit auf sich hat.

      Hier nun ganz offizielle Hinweise, leider nur auf Französisch:

      https://diplomatie.belgium.be/fr/Services/services_a_letranger/nationalite/plusieurs_nationalites

      Die Regeln sind klar und durchaus logisch.

      Daran sieht man, wie unreflektiert und rein populistisch diese Forderung nach Abschaffung des Doppelpasses ist. Aber wen interessiert schon juristischer Kleinkram?

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