Afrikanische Schweinepest in Belgien: Bei Züchtern geht die Angst um

Landwirtschaft

Die Afrikanische Schweinepest ist in Belgien angekommen. | Foto: dpa

Bislang war der jüngste Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auf Osteuropa beschränkt. Nun gibt es die ersten Fälle in Belgien, in der Provinz Luxemburg, wo die Seuche bei zwei tot aufgefundenen Wildschweinen nachgewiesen werden konnte. 67 Schweinehaltungen der Region werden deshalb von Tierärzten überwacht. In Flandern gibt es sechs Millionen Schweine, in der Wallonie 400.000. „Wenn die Krankheit ausbricht, können die wirtschaftlichen Folgen dramatisch sein“, sagt Agrarminister Denis Ducarme (MR). Züchter befürchten das Schlimmste. Die EU-Kommission forderte die strikte Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen. Frankreich warnte vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen. Die deutsche Bundesregierung sieht sich gerüstet. Am Wochenende soll ein EU-Spezialteam in das betroffene Gebiet kommen.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine, also Wild- und Hausschweine, betrifft und für sie tödlich sein kann. Für den Menschen ist sie ungefährlich. Sie wird vor allem durch infizierte Schweine und das Verfüttern kontaminierter Speiseabfälle (aus infizierten Gebieten im In- und Ausland) übertragen. Das Virus kann aber auch über nicht gereinigte und desinfizierte Fahrzeuge, Ausrüstung und unsaubere Kleidung weiterverbreitet werden. Infizierte Tiere bekommen hohes Fieber, haben Durchfall, Blutungen und Gelbsucht.
Da es keinen Impfstoff gegen die Seuche gibt, müssen Experten zufolge die klassischen Bekämpfungsmethoden wie die Einrichtung von Sperrgebieten, die Tötung infizierter Bestände sowie die gezielte Jagd auf Wildschweine greifen. Zu vermeiden ist in allen Fällen, dass die Infektion auf die Schweinehaltung übergreift, wie dies zuletzt 1985 in unserem Land der Fall war. Der gesamte Export fiel damals still, eine Katastrophe für den gesamten Sektor.
Da die Krankheit nicht heilbar ist, wurden jetzt auch in dem betroffenen Kerngebiet in der Provinz Luxemburg vorbeugende Maßnahmen gegen eine Verbreitung getroffen. In einer Zone von rund 63.000 Hektor ist der Schweinetransport ohne vorherige Genehmigung der Fasnk verboten und werden alle Zuchtbetriebe kontrolliert. Es gilt ein striktes Jagd- und Fütterungsverbot. Spaziergänger dürfen die ausgewiesenen Pfade nicht verlassen und müssen Hunde an der Leine führen. Darüber hinaus sind alle Schweinehalter, Tierärzte und Laboratorien im Land verpflichtet, jeden Fall der Afrikanischen Schweinepest der Lebensmittelbehörde zu melden. Je nach Schwere der Situation kann die Agentur, gemeinsam mit anderen Behörden, beispielsweise entscheiden, die betroffenen Betriebe zu isolieren und den Transport von Schweinen für einen bestimmten Zeitraum zu verbieten.

Der wallonische Agrarverband FWA und der Dachverband der Landwirte- und Züchtervereine (FUGEA) halten die getroffenen Maßnahmen für angemessen, befürchten aber das Schlimmste für den Beruf. „Die Maßnahmen sind eine gute Sache, um die Ausbreitung zu begrenzen, aber es ist immer noch ein Schlag für die betroffenen Landwirte, da die Verluste wahrscheinlich sehr hoch sein werden“, sagte FWA-Präsident Joseph Ponthier am Freitagnachmittag. „Wir sind auch über den Export von Schweinefleisch besorgt, da einige Länder bereits zusätzliche Kontrollen fordern, auch wenn die Krankheit nicht auf den Menschen übertragen werden kann.“ Auch FUGEA-Präsident Philippe Duvivier macht sich  Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen der Schweinepest für die Viehzucht. Er wies darauf hin, dass es seiner Meinung nach höchste Zeit sei, die Wildschweinpopulation in Wallonien zu regulieren, damit die Bauern in Zukunft nicht mehr „Opfer von Gesundheitsrisiken werden, die sie nicht verursacht haben“. Er forderte daher die Behörden und Jäger auf, ihre „Verantwortung“ wahrzunehmen.

Die EU-Kommission nahm die belgischen Behörden in die Pflicht. „Die Eindämmung der Krankheit wird stark von der richtigen Anwendung der EU-Regeln durch die belgischen Behörden abhängen“, sagte eine Sprecherin. Dazu gehörten ein vollständiges Jagdverbot in den betroffenen Gebieten, eingeschränkter Zugang dorthin, sowie Suchtrupps, um verendete Tiere aufzuspüren und zu testen. Die EU-Kommission leiste Unterstützung und stehe in engem Kontakt mit Belgien, hieß es weiter. Am Wochenende solle ein EU-Tierarztteam in die betroffene Gegend geschickt werden. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis werde zudem am Montag Minister der Wallonischen Regien und Flanderns treffen. Der erste Nachweis in Westeuropa weitab von den bisherigen Ausbruchsherden lässt Experten vermuten, dass der Erreger durch den Menschen eingeschleppt wurde. Das kann beispielsweise durch ein weggeworfenes Wurstbrot passieren, das Wildschweine fressen.
Betroffen von der Afrikanischen Schweinepest waren bereits acht osteuropäische Staaten sowie Russland. In Rumänien hat die Seuche das größte Ausmaß seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht: 780 Schweinhaltungen sind betroffen. Europaweit waren bis Ende August mehr als 4.800 Fälle bei Wildschweinen und in Hauschweinbeständen gemeldet worden – rund 700 mehr als im gesamten Vorjahr. (gz/belga/dpa)

  1. WISO bekommen Belgische Jäger nicht die gleichen Bedingungen wie Deutschland dann wäre es nicht soweit gekommen !
    Vielen Dank an das Belgische Forstministerium sie allein trifft die schuld

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