Kommentare zur Situation in Syrien und im Irak

Pressestimmen

Meilenstein Mossul

Zu den Kämpfen um die nordirakische IS-Hochburg Mossul schreibt die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“ (Moskau): Dass der Islamische Staat Mossul verlieren wird, scheint unvermeidlich. Zwar ist völlig offen, wie sich danach die Kräfte in der Region verteilen werden. Klar ist aber, dass die Kämpfe im Irak noch mehr Einfluss auf den Krieg in Syrien haben werden. Für Russland kommt ein wichtiger Moment. Moskau kann weder die USA noch die Regionalmächte wirklich zu Verbündeten zählen. Falls der Iran infolge zunehmender Spannungen seinen Luftraum schließen sollte, wäre der Kreml isoliert. Nicht einmal die russischen Flugzeuge könnten dann wie bisher problemlos von Syrien aus nach Hause fliegen. Der Weg zum Status einer tatsächlichen Supermacht ist offenbar noch weit.

Zerfallene Welt nicht zu rekonstruieren

Die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ widmet sich der Zukunft des Mittleren Ostens:Es gibt keine Hoffnung auf eine Befriedung des Mittleren Ostens, wenn man nicht die gefährliche Illusion auf Eis legt, eine bereits zerfallene Welt rekonstruieren zu können, nach wie vor die alte geopolitische Karte benutzen zu können, auf der staatliche Einheiten erscheinen, die „Syrien“, „Irak“, „Jemen“, vielleicht auch „Libyen“ genannt werden. (…)

Es bleibt dabei, dass es die lokalen Akteure sein werden, die das letzte Wort haben, die Großmächte müssen den ersten Zug machen, es ist an ihnen, Vorschläge zu machen und Garantien zu geben. (…) Es wird keinen Frieden geben an diesen Orten, bis die alten Staatsgrenzen, entschieden und vereinbart von den westlichen Mächten nach dem Kollaps des Osmanischen Reiches, nicht im Einverständnis aufgegeben werden.

Angriffe würden Kriegsgefahr erhöhen

Die Londoner „Times“ kommentiert Überlegungen zur Durchsetzung eines Bombardierungsverbots für Aleppo: Eine Zone, in der Bombardierungen verboten sind, wäre die etwas bescheidenere Variante (einer Flugverbotszone). Dabei könnten Angriffe gegen Waffendepots oder Flugplätze mit Raketen ausgeführt werden, falls Assads Luftwaffe Krankenhäuser oder andere zivile Ziele angreift. Doch auch eine solche Strategie würde auf eine Kriegshandlung gegen die syrische Regierung hinauslaufen und unweigerlich zu einer Konfrontation zwischen dem Westen und (dem russischen Präsidenten) Wladimir Putin führen. Es gibt Argumente für die Androhung von Gewalt zur Unterstützung diplomatischer Bemühungen. Der Plan eines Bombardierungsverbots sieht jedoch eher nach einer Politik aus, die das heimische Publikum beruhigen soll, als dass damit die Lage der Menschen in Aleppo verbessert werden könnte. Er würde die Gefahr eines versehentlich ausgelösten Krieges mit Moskau erhöhen. Zudem dürfte so ein Plan kaum von einer Administration in Washington umgesetzt werden, deren Präsident als „lahme Ente“ vor dem Ende seiner Amtszeit steht.

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