Kommentare zum US-Geheimdienstbericht zum vermeintlichen russischen Hacking

Pressestimmen

In den internationalen Medien wird der US-Geheimdienstbericht über eine angebliche russische Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf unterschiedlich bewertet.Illustrationsfoto: Photo news

Geheimdienstbericht nicht überbewerten

Zum US-Geheimdienstbericht über eine angebliche russische Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf schreibt die Moskauer Zeitung „Wedomosti“ am Montag: Der Bericht, hart in seinen Schlussfolgerungen, hat sich schwach bei den Beweisen gezeigt. (…) In Washington gibt es Kräfte, die (Donald) Trumps freundschaftliche Haltung zu Russland eindämmen wollen. Doch die politischen Folgen des Berichts sollten nicht überbewertet werden. Die Atmosphäre in den Beziehungen ändert sich zwar, doch es wird weder eine echte Annäherung noch eine Abkühlung geben, vermuten Experten. Im digitalen Bereich etwa lohnt es sich nicht, Veränderungen in den USA zu erwarten: Hier gilt Russland bereits als ernste Gefahr.

Vager Geheimdienstbericht

Die liberale lettische Tageszeitung „Diena“zeigt sich auch enttäuscht: Der öffentliche Teil des Berichts hat viele gründlich enttäuscht. Selbst Medien und Experten aus verschiedenen Bereichen, die die Version der russischen Cyber-Angriffe unterstützen, müssen mit seltenen Ausnahmen gezwungenermaßen zugeben, dass der Bericht keine neuen Fakten oder Beweise enthält. Wie auch keine Informationen über die Methoden, wie die Daten gesammelt und bewertet wurden. Dies gibt Skeptikern und den Anhänger des designierten US-Präsidenten Donald Trump reichlich Gelegenheit, das Dokument zu kritisieren und es als politisch motiviert zu brandmarken.

Russische Hacker bedrohen Wahlen in Europa

Die liberale slowakische Tageszeitung „Sme“ sieht das völlig anders: Dass die russischen Hackerangriffe den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl vermutlich nicht wesentlich beeinflussten, heißt nicht, dass sie nicht weiter untersucht werden sollen. Russland will dem Geheimdienstbericht zufolge Einfluss auf Wahlen in Europa nehmen. In Europa stehen dieses Jahr drei wichtige nationale Wahlen an. Dazu gehört die Präsidentschaftswahl in Frankreich, wo beide favorisierten Kandidaten russlandfreundlich sind, wenn auch (der konservative) François Fillon weniger gefährlich ist als (die Chefin der rechtsextreme Partei Front National) Marine Le Pen.

Europas politische Kandidaten und Wähler sind gegenüber Schmeicheleien von (Russlands Präsident Wladimir) Putin viel offener als die amerikanischen. Gerade deshalb wird es wichtig sein, im Frühjahr die russische Propaganda als das zu entlarven, was sie ist, und zu erklären, wie sie die Architektur Europas zersetzt.

Trump will Gefahr nicht erkennen

Zur Reaktion des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf die Hackervorwürfe gegen Russland meint die „Neue Zürcher Zeitung“ am Montag: Es braucht keinen Geheimdienstbericht, um zu erkennen, dass Russland einen eigentlichen Informationskrieg gegen westliche Demokratien führt. Auch private Sicherheitsfirmen haben Indizien für eine russische Spur hinter den Hackerangriffen auf die Partei Hillary Clintons zusammengetragen. Die Präferenz des Kremls für den Republikaner Trump war nie ein Geheimnis, ebenso wenig wie dessen Bewunderung für den starken Mann in Moskau.

Das beunruhigendste an dieser Geschichte ist nicht, dass Russland die amerikanische Politik manipulieren will. Alarmierend ist vielmehr, dass bald ein Mann im Weissen Haus sitzt, der vor dieser Tatsache beharrlich die Augen verschliesst und die von Russland ausgehende Gefahr nicht erkennen will.

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