Kommentare zum Tod von Fidel Castro

Pressestimmen

Castro bleibt in unseren Herzen

Die linksgerichtete Zeitung „Halo noviny“, das Parteiorgan der tschechischen Kommunisten, schreibt am Montag zum Tod des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro: Fidel Castro wird für immer in unseren Herzen bleiben. Nach dem Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez ist sein Ableben nicht nur ein weiterer harter Schlag für die verbleibenden linken Regierungen in Lateinamerika, sondern für die ganze fortschrittliche Welt. Während die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Castro oftmals dämonisierten, war er für viele linksgerichtete Anführer in der ganzen Welt ein Vorbild. Er verwandelte Kuba von einer Zone des Glücksspiels für reiche Amerikaner in ein Symbol des Widerstands gegenüber den USA und überlebte in dieser Zeit zehn US-Präsidenten.

Castro und die neuen Ikonen der Linken

Die konservative Zeitung „Lidove noviny“ aus Tschechien meint zum gleichen Thema am Montag: Mit Fidel Castro geht die letzte linke Ikone der 1960er Jahre von uns. „Sozialismus oder Tod“ proklamierte Castro, und damit war klar, in wessen Sold er stand und wohin er wollte. Im Vergleich zu den linken Ikonen der heutigen Digitalära wie Edward Snowden und Julian Assange mutet Castros Lesbarkeit geradezu nostalgisch an. Die neuen Ikonen haben keinen Staat und keine nationale Befreiungsideologie mehr, wenn sie überhaupt eine Ideologie vertreten.

Wir wissen nicht, in wessen Sold sie stehen und wohin sie wollen. Doch Misstrauen gegenüber dem Kapitalismus, dem Westen und den Vereinigten Staaten verbreiten sie wirksamer, als Fidel Castro das je leisten konnte.“

Über Castro lässt sich nichts Gutes sagen

Die liberale slowakische Tageszeitung „Sme“ sieht das völlig anders:Sogar unter den Ausnahmen, deren Lebensgeschichte so negativ ist, dass für sie nicht der Satz gilt, über Verstorbene solle man nur Gutes sagen, gehört Fidel Castro noch zu den allerschlimmsten. An Gutem lässt sich über ihn nicht einmal ein Wort sagen. Dass in seinem Nachruf nicht einmal ein positiver Halbsatz Platz findet, hat er sich einerseits mit seinem Lebenslauf als Verbrecher verdient, andererseits als Symbolfigur eines Diktators, der für mehr als ein halbes Jahrhundert seinem Volk die Freiheit genommen hat.

Castro war Revolutionär, Idol und Diktator

Zum Castros schreibt die Budapester Tageszeitung „Nepszava“ in einem Kommentar am Montag:Nicht Fidel Castro, der Präsident, sondern Fidel Castro, der Comandante, der Anführer der kubanischen Revolution, war das Idol. Der Comandante, der eine schönere und vor allem eine gerechtere Zukunft versprach. Der für seine Träume kämpfte und es für die Revolution sogar mit der ganzen Welt aufnahm. Deshalb vermochte er weltweit Bewegungen und Menschen zu inspirieren.

Es gehört zu seinem Lebenswerk, ohne Zweifel. Nur, dass auch er selbst es war, der die Hoffnung tötete und bewies, dass die Weltrevolution, die eine gerechte Welt schaffen sollte, eher ein Traum blieb als dass sie zur Wirklichkeit wurde. Denn unter Castros eigener Führung glitt sie ab in eine gnadenlose, die Menschenrechte mit Füßen tretende Diktatur.

Castro war Revolutionär und Bandit

Die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“merkt an:Der Tod Fidel Castros, der 50 Jahre lang in Kuba geherrscht hat, bedeutet das Ende einer Epoche, in der revolutionäre Romantik in der Weltpolitik noch gefragt war. Selbst zehn Jahre nach seinem Rücktritt gingen die Einschätzungen seiner Person auseinander. Für die einen war er ein feuriger Revolutionär, für die anderen ein Bandit und Diktator. Das muss übrigens kein Widerspruch sein.

Fidel hat sein zweifellos vorhandenes Charisma für seine politischen Ziele eingesetzt, und sein revolutionäres Pathos hat mehrfach die Farbe gewechselt abhängig von den politischen Umständen.

Legende und standfest gegen USA

Die konservative lettische Tageszeitung „Neatkariga Rita Avize“fügt am Montag an: Für die Linken der Welt war und wird Fidel Castro eine der Legenden des Marxismus bleiben. Statt seines unendlichen Vertrauens in linke Ideen fasziniert noch mehr Menschen auf der ganzen Welt an Fidel Castro allerdings, dass eine einzige charismatische Persönlichkeit Unglaubliches geschafft hat.

Mit Fidel Castro an der Spitze war Kuba in der Lage, 50 Jahre lang eine Blockade durch eine Großmacht (USA) zu durchstehen, und fähig, einem unvorstellbar überlegenen Druck standzuhalten und nicht aufzugeben.

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