König Philippe: neue Dynamik mit zurückhaltendem Stil

Kommentar

21. Juli 2013: Philippe legt seinen Eid ab und wird siebter König der Belgier. | Foto: Photo News

Bei einem Nationalfeiertag stehen oft Jubiläen im Mittelpunkt. Diesmal geht es vor allem um zwei Ereignisse: das Ende des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren und der fünfte Jahrestag der Thronbesteigung Philippes. Ein Kommentar von GrenzEcho-Redakteur Christian Schmitz.

Es gab ziemliche Zweifel, als Philippe am 21. Juli 2013 das Zepter übernahm. Heute wissen wir: Diese waren unbegründet. Seinerzeit wirkte Albert II. amtsmüde und er war gesundheitlich angeschlagen. Außerdem belastete ihn die Affäre um seine uneheliche Tochter Delphine Boël, sodass der freiwillige Thronverzicht mehr als verständlich erschien.

Bei Philippes Thronbesteigung vor fünf Jahren fehlte der europäische Hochadel. Das war offensichtlich ein gutes Omen für das neue Staatsoberhaupt. Philippe führt die Amtsgeschäfte ohne viel Glamour, dafür mit Bescheidenheit und Zurückhaltung. Das entspricht auch am ehesten seinem Naturell.

Philippe gilt nämlich nicht als großer Kommunikator, sondern wirkt immer noch etwas steif, mitunter sogar unbeholfen. Doch auch als „Leisetreter“ trifft er den richtigen Ton. Damit hat Philippe der Monarchie auf seine Weise neuen Schwung verliehen und spricht möglicherweise auch diejenigen an, die nicht viel für Palast und König übrig haben.

Philippe hat bewiesen, dass man nicht als König geboren wird, sondern in eine solche Rolle hineinwachsen muss. Wichtig sind dafür natürlich die richtigen Berater, allen voran aber Königin Mathilde, die als treibende Kraft eine ideale Ergänzung darstellt. Bei öffentlichen Auftritten hält sich der König oft vornehm zurück und überlässt seiner Gattin die Initiative. Diese wirkt immer gut vorbereitet, hakt nach und zeigt sich äußerst interessiert. So erlebte man die beiden auch, als sie Ende Juni 2012 – damals noch als Thronfolgerpaar – das Verlagsgebäude des GrenzEcho am Eupener Marktplatz besuchten.

Politisch hat König Philippe ebenfalls die Zeichen der Zeit erkannt. Dass in Belgien nach sechs großen Staatsreformen nicht mehr der Zentralstaat, sondern Regionen und Gemeinschaften die erste Geige spielen, betont auch das Staatsoberhaupt. Den Respekt vor der föderalen Struktur des Landes sollte er allerdings nicht zu weit treiben. Die kulturelle Vielfalt Belgiens lässt sich bei Staatsbesuchen im Ausland sicherlich auch vermitteln, ohne dass man gleich alle Regierungschefs der Teilstaaten mit im Schlepptau hat.

Im Gegensatz zu seinem Vater Albert, der die monarchiefeindliche N-VA mehr oder weniger offen angegriffen hat, übt Philippe auch hier politische Zurückhaltung. Die flämischen Nationalisten sind – zumindest was das aktuelle Staatsoberhaupt angeht – erstaunlich ruhig und haben sich längst auf Prinz Laurent eingeschossen, der von einem Fettnäpfchen ins andere tritt.

Allerdings: Die große Feuertaufe könnte dem König noch bevorstehen. 2014 ging die Regierungsbildung auf föderaler Ebene relativ glatt über die Bühne. Das könnte im kommenden Jahr nach den nächsten Föderalwahlen ganz anders aussehen.

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