HSV, bitte endlich absteigen

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Klar, man greift beim HSV wieder zum letzten (?) Mittel. Alter Trainer raus, neuer Trainer rein, wie fast jedes Jahr in diesem Jahrtausend. Und hofft inständig, dass es irgendwie noch etwas wird mit dem Klassenerhalt. Auf den man, so klingt es manchmal in der Hansestadt, ein fußballpolitisches Grundrecht zu haben glaubt. Bitte Schluss damit! Dieser Klub ist einfach überreif für eine Zäsur, die ihm nicht dauerhaft schaden wird, sondern Chancen eröffnet, Strukturen und handelnde Personen wirklich ernsthaft zu hinterfragen.

Der VfB Stuttgart beispielsweise, ein anderes traditionsreiches Gründungsmitglied der Liga, hat gerade erst vorgemacht, wie es gehen kann. Abstieg nach 39 Erstligajahren, aber dann – Aufpassen, HSV – den richtigen Trainer verpflichtet. Geht also!

Der bis dahin weitgehend unbekannte Hannes Wolf führte die Schwaben nicht nur zurück in Liga eins, er schlägt sich dort auch wackerer als viele glaubten. Auch wenn 20 Punkte aus 19 Spielen keine überragende Bilanz sind.

Und noch besser bekam einst ausgerechnet dem Hamburger Erzrivalen Werder Bremen eine einjährige Zweitklassigkeit vor auch schon 38 Jahren. An der Weser fanden sie seinerzeit Otto Rehhagel als Dauercoach, der mit den Grün-Weißen mehr als 14 Jahre lang dem mächtigen Rekordmeister Bayern München Paroli bot, Meister, Pokalsieger und Europapokal-Gewinner wurde. Aktuell jedoch balancieren die Grün-Weißen seit Jahren auf der gleichen Rasierklinge wie der Nachbar in Schwarz-Weiß-Blau. Weil anscheinend niemand das Kardinalproblem hier wie dort lösen kann. Auch in Bremen findet man einfach keinen neuen Thomas Schaaf, einen Rehhagel schon gar nicht.

Vielleicht wäre sogar der Doppelabstieg die perfekte Lösung. Dann fände auch das Bundesliga-Derby der beiden Erzrivalen weiterhin statt, wenn auch eine Etage tiefer. Und als Reminiszenz an bessere Tage – und vielleicht als Ansporn für den gemeinsamen Wiederaufstieg. (sid)

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