Endlich in die eigene Tasche

Thema: Weniger Staat, mehr Kreativität

Eine echte Entlastung der Arbeit könnte in Belgien ein regelrechtes Feuerwerk auslösen. | Foto: belga

In der ersten Augustwoche können die Belgier kollektiv aufatmen. Nicht etwa, weil die Hitzewelle jetzt vorbei wäre. Nein, ab jetzt wandern endlich die Früchte ihrer Arbeit in die eigene Tasche – und nicht mehr ins Staatssäckel.

Von Oswald Schröder

Vielleicht reiben Sie sich jetzt verwundert die Augen. Aber es führt kein Weg dran vorbei: Belgien ist zwar knapp am Fußball-WM-Titel beim Fußball gescheitert, aber beim Steuern-und-Abgaben-Leisten sind wir seit Jahren Europameister. Trotz Tax Shift und allen anderen Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Kosten der Arbeit in Belgien zu senken.

Laut einer Studie der beiden Ökonomen James Rogers und Cécile Philippe aus dem Jahr 2014 trägt Belgien immer noch die rote Laterne, wenn‘s um Steuern und Abgaben geht. Bis zum 6. August musste damals ein Durchschnittbelgier arbeiten, um sämtliche Steuern einschl. Mehrwertsteuer, Gebühren, Sozialabgaben usw. zu begleichen. Erst danach gehörte das bitter verdiente Geld ihm: für Miete, Essen, Kleidung und vieles mehr.

Am anderen Ende der Skalarangierten die Zyprioten: Sie konnten noch im März anfangen, in die eigene Tasche zu arbeiten, gefolgt von den Iren und Maltesen Ende April. Die Briten konnten immerhin ab Mitte Mai aufatmen, die meisten anderen Europäer im Juni, unter ihnen die Finnen und Dänen, aber auch unsere niederländischen Nachbarn.

Mehr als die Hälfte des Jahres für „Vater Staat“ arbeiten die Menschen in Deutschland, Frankreich, Österreich, Griechenland, Ungarn und Rumänien. Nur die Belgier müssen bis August warten, ehe es in der eigenen Tasche rappelt.

Zuerst einmal muss man den Unternehmen sowie ihren Mitarbeitern, die weiter auf den Standort Belgien setzen und die Mehrbelastung durch Produktivität und Kreativität ausgleichen, ein Kompliment machen.

Danach muss man sich die Frage stellen, ob der Staat so gierig sein muss oder ob das Problem nicht auch bei den Bürgern liegt, die immer mehr Leistungen vom Staat einfordern. Und die interventionistische Politik geradezu fordern.

Dabei ist eine solche Entwicklung, gerade in unserer kleinen Deutschsprachigen Gemeinschaft, nicht unproblematisch: Sie schafft Abhängigkeit. Mir wäre lieber, der Staat würde sich öfter zurücknehmen und durch günstige Rahmenbedingungen die Konditionen schaffen, damit neue Jobs entstehen und neue Ideen sich entwickeln können. Ohne auf Dauer an irgendeinem Tropf hängen zu müssen. Und ein echter Steuerschnitt wäre besser als jeder Shift: Belastungen verschwinden nicht durch Verschieben. Ein ehrlicher Schnitt hingegen könnte ein echtes Feuerwerk auslösen.

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