Der Mensch stört nur noch

Kommentar

Die digitale Welt dient zuerst dem Kapital, schreibt Chefredakteur Oswald Schröder in seinem Kommentar:

Von Oswald Schröder

Das Ereignis war vorhersehbar: Irgendwann würde eine Aktie die magische Grenze von einer Billion Dollar überschreiten. Dass Apple diese 1.000-Milliarden-Grenze nun geknackt hat, wundert nicht. Schließlich ist das Unternehmen aus Cupertino ein Liebling der Spekulanten.
Ehe wir aber jetzt der allgemeinen Euphorie verfallen, für die unsere nach Superlativen lechzende Zeit so anfällig ist, wollen wir uns doch mal den Bodensatz der Champagnergläser anschauen.
Dazu eine andere Meldung: Vor einigen Tagen wurde Facebook abgestraft. 150 Milliarden Dollar verlor die Aktie in der Spitze. Dabei war der Gewinn um über 30% gewachsen, und auch die anderen Daten waren nicht einmal so schlecht. Dennoch: Die Zukunftsaussichten von Facebook sind nicht mehr ganz so rosig. Schon fällt das Fallbeil der Börse: 20% Kursverlust.
Einer der Gründe für den Absturz war offensichtlich der Gewinn des Unternehmens: Der war etwas schwächer ausgefallen als erwartet. Damit wir uns verstehen: Von den Facebook-Margen und den Gewinnen anderer digitaler Riesen wie Amazon oder Google träumt fast jedes mittelständische Unternehmen. Von den Steuersätzen übrigens auch.
Das ist genau mein Punkt: Wenn man sich das Gebaren der großen Hedgefonds anschaut – und die bestimmen heute, wie der Hase zu hüpfen hat – gewinnt man den Eindruck, dass der Mensch mehr und mehr die wirtschaftlichen Abläufe stört. Dabei sollte die Wirtschaft ihm dienen.
Man träumt von einer Wirtschaft, die nur noch mit Algorithmen und Robotern funktioniert. Ohne Menschen. Und am besten ohne Steuern. Den Menschen braucht man nur noch als Konsumenten. Am besten, der Staat zahlt ihm ein gesichertes Grundeinkommen, dann ist das auch geregelt.
Es wird Zeit, dass die Politik Arbeit und Steuern so reguliert, dass sie ihrer Rolle auch im digitalen Zeitalter gerecht werden. Und dem Menschen dienen, nicht dem Kapital.

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