Ab in den Urlaub

Kommentar

Von Alexander Sarter, sid

Wer am Samstag in Sinsheim den gut auswendig gelernten Äußerungen lauschte, konnte nur zu der Erkenntnis kommen, dass ein Urlaub des Sport-Geschäftsführers mitten in der Saison völlig normal sei.

Klar, 1899 Hoffenheim hatte zuvor fünf Spiele in der Fußball-Bundesliga nicht gewonnen, Trainer Julian Nagelsmann wurde zum ersten Mal in seiner zweijährigen Amtszeit angezählt und die Gerüchte um das baldige Aus von Hansi Flick nehmen kein Ende. Aber deshalb ist die Anwesenheit des früheren DFB-Sportdirektors auf der Tribüne bei der Partie gegen den FSV Mainz 05 (4:2) doch nicht nötig. Ist doch völlig überbewertet, so ein freier Platz.

Die Hoffenheimer hatten nur Glück, dass sich die Profis und Fans des Gegners einen noch blamableren Grabenkampf lieferten – ansonsten wäre sicher viel mehr über die peinliche Posse im Kraichgau berichtet worden.

Es wird in den kommenden Tagen großer Kreativität der Presseabteilung bedürfen, um die erwartete „einvernehmliche Trennung“ sinnvoll zu begründen. Wie es gelingen soll, dass Mehrheitseigner Dietmar Hopp dabei sein Gesicht wahren kann, ist die große Frage.

Nur ein kurzer Auszug seiner Lobeshymne bei der Präsentation Flicks am 28. Juni (!) des Vorjahres: „Diese Verpflichtung ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung unseres Vereins. Nun sind wir optimal besetzt. Wir waren vom Glück begünstigt.“

Da Hopp sein Glück kaum fassen konnte, stattete er Flick gleich mit einem Fünfjahresvertrag aus – obwohl der 52-Jährige im Grunde überhaupt nicht gebraucht wurde. Die Trennung wird daher sicher nicht ganz billig. Vielleicht zahlt Hopp die Abfindung ja aus seiner Portokasse – quasi als Anerkennung seiner Schuld.

Dann ist der zusätzliche freie Platz im Stadion auch nicht weiter tragisch. Gegen Mainz bleiben schließlich schon 6.000 andere Stühle frei.

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