Hilfe, Flandern schneit zu

Erfahrungsbericht

Auf dem Landesflughafen von Zaventem war zu Beginn der Woche wegen des Wintereinbruchs viel Geduld gefragt. | Foto: belga

Das heftige Winterwetter hat zu Beginn der Woche Flandern und Brüssel zu schaffen gemacht. Auch auf dem Landesflughafen von Zaventem gab es am Montag Behinderungen und Flugausfälle. Mittendrin war ebenfalls der langjährige Journalist Heinz Warny. Ein Erfahrungsbericht des ehemaligen GE-Chefredakteurs:

Von Heinz Warny

„Drei Stunden lang sitze ich nun schon auf dem Mittelplatz der hintersten Stuhlreihe eines Airbus der spanischen Gesellschaft Vueling. Was an sich schon fast unzumutbar ist, so eng und unkomfortabel ist die Bestuhlung bei Vueling. Der Blick hinaus fällt auf einen Airbus der SN, vom unaufhaltsam niederfallenden Schnee schön eingepackt, als solle ein Motiv für einen Winterflugplan gestaltet werden.

Nun hat der Kapitän zum dritten Mal gemeldet, dass an den Start nach Barcelona noch nicht zu denken ist. Schnee bedeckt nicht nur das Rollfeld, auch die Start- und Landepisten sind vermummt. Räumfahrzeuge sind von hier aus nicht zu erkennen. Sie haben kaum Chancen gegen die unaufhörlich fallenden Flocken und den scharfen Wind, der den Schnee immer wieder dorthin zurück peitscht, wo er eigentlich nicht hin gehört.

Jetzt reicht’s, beschließe ich, Barcelona und die neuen Volvo-Pkw zum Test sollen warten, zerre mein Handgepäck aus dem engen Fußbereich heraus, dem ich es zum Glück anvertraut hatte – und nicht dem Laderaum, in dem mangels Platz auch viele Handgepäckstücke verstaut werden mussten. Auf der Gangway hin in die Wartehalle des Flughafens prüft niemand, wohin ich will, wer ich bin, woher ich komme. Weshalb auch, wer kehrt schon wieder zurück?

Die Ankündigungen, es müssten bis auf Weiteres alle Starts ausfallen, hat wohl erst wenige wartende Fluggäste genervt. Der Blick nach draußen mahnt zur Geduld. Das werden sie schon hinkriegen, denken viele wohl und stehen Schlange vor den Flughafenschänken und –restaurants. Hier bleibt kein Platz mehr frei. Das Geschäft blüht, die Gäste zahlen gern und viel.

Vergessen, dass der Zug am Morgen nach Brüssel und Zaventem mehr als eine halbe Stunde Verspätung hatte und bis auf zwei schon alle Reisenden in der Maschine verschwunden waren, als ich dort eintraf.

Dass man mit der Bahn pünktlicher ist als mit dem Auto, ist wohl nur ein Werbespruch aus vergangenen Zeiten. Auf der Rückfahrt im Zug denke ich im Nachmittag an all das, was ich in Barcelona verpassen werde und staune, dass bald schon keine Schneeflocke mehr zu sehen ist. Als sei das Land ab Löwen in zwei geteilt worden.

So, jetzt bekommt ihr im Norden ordentlich eins auf die Mütze, die Schnee und Eis eher Gewohnten der südlichen Landeshälfte bleiben verschont. Ausgleichende Gerechtigkeit, denke ich und freue mich, dass das Wetter endlich einmal richtig Kopf steht. Und es stehen, wie die Fernsehbilder am Abend zeigen, auch die meisten Autos in Brüssel und in Flandern. Ohne Winterbereifung, versteht sich. Brauchen sie ja nicht. Und die werden sie auch am Tag nach dieser winterlichen Heimsuchung nicht beschaffen. Geht doch schon wieder ohne!

Am Abend erfahre ich, dass alle Vueling-Passagiere nach mir das Flugzeug verlassen haben, vertröstet auf den folgenden Tag. Viele wohl ohne Schlafplatz in einem Hotel. Welch undankbare Aufgabe hat die Flughafensprecherin, die fürs Fernsehen zu erklären versucht, dass gegen die gleichzeitig einsetzenden Kräfte von Schneefall und Sturm aus wechselnden Richtungen nichts hilft außer Geduld. Wer gesehen hat, wie auch andere Flughäfen heimgesucht worden sind, wie Nizza wegen Sturm und Regen schließen musste, bringt Verständnis auf.

Am Abend werden Notbetten herbeigeschafft, Reisende in eilends vorbereitete Säle gefahren, doch viele harren einfach dort aus, wo sie sich im Flughafen befinden. Familien mit Kleinkindern, denen vom herrlichen Flug vorgeschwärmt worden ist, stehen harte Stunden bevor, wenn sie nicht noch eilends nach Hause gelangen können.

Der Flughafen Lüttich wird in höchster Eile auf die Landung von Passagiermaschinen vorbereitet, die nicht nach Brüssel gelangen können. Dass am folgenden Morgen in Zaventem vieles wieder fast wie gewohnt startet – auch die meisten Flugzeuge – ist erstaunlich und beweist dann doch, wie schnell und gekonnt sich die vielen Flughafendienste auf eine solche Herausforderung einstellen können. Zum Glück war es diesmal nur schnell schmelzender Schnee. Zaventem hat schon vier Härteres erlebt und auch daraus gelernt.“

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