Ein Hauch von Manhattan in Frankfurt

Architektur

Der Neubau des Henninger Turms ragt in Frankfurt vor der Skyline der Bankenstadt in die Höhe. | Foto: Arne Dedert/dpa

Frankfurt setzt architektonisch neben der Rekonstruktion seiner Altstadt weiter auf moderne Wolkenkratzer. Zu den Banken- und Bürotürmen gesellen sich so viele neue Hochhäuser wie sonst nirgendwo in Deutschland.

Von Ira Schaible

Der 140 Meter hohe Henninger Turm hat den Anfang gemacht. Der Solitär ist der erste einer Reihe exklusiver Wohntürme in Frankfurt. Auch der höchste Wohnwolkenkratzer Deutschlands wächst am Main in den Himmel: Der avantgardistisch anmutende Grand Tower soll 172 Meter hoch werden. Er entsteht im Europaviertel.

Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs zwischen Messe und Hauptbahnhof ist ein Schwerpunkt der zahlreichen neuen Hochhäuser. Dazu gehört auch der erste Porsche Design Tower in Europa, ein 80 Meter hohes Wohnhochhaus.

Umsatzvolumen von vielen Milliarden Euro

Der Immobilienspezialist Bulwiengesa geht davon aus, dass 31 Türme zwischen 2014 und 2023 in Frankfurt errichtet werden beziehungsweise schon entstanden sind. Außer Wohnhochhäusern werden dabei sogenannte Hybridtürme mitgezählt, in denen es auch Büros, Boardinghäuser – eine Art Mischform aus möblierter Wohnung und Hotel – oder Hotels gibt. Das gesamte Finanzvolumen schätzt das Unternehmen auf fast 3,9 Milliarden Euro; der Löwenanteil davon ist noch in Planung.

In Deutschlands höchstem Wohnturm sind rund 400 luxuriöse Appartements vorgesehen, elf sind nach Darstellung des Verkäufers JLL Residential noch zu haben. Mehr als die Hälfte der Käufer komme aus dem Ausland, vor allem aus dem asiatisch-pazifischen Raum, nur rund ein Fünftel aus dem Rhein-Main-Gebiet. „Wie in einem 5-Sterne-Hotel bietet der Grand Tower zahlreiche Annehmlichkeiten, die das Wohnen noch lebenswerter machen“, heißt es auf der Homepage.

Dazu zählen eine sechs Meter hohe Lobby mit Concierge-Service sowie ein Garten in der 7. von 47 Etage mit Loungezonen und Kräutern. Im 43. Stock ist eine Sonnenterrasse geplant. Bezugsfertig soll der Turm nach früheren Angaben spätestens Ende 2019 sein.

Als erster Wolkenkratzer nach New Yorker Vorbild in Deutschland soll im Bankenviertel der 183 Meter hohe Omniturm aus dem Boden in die Höhe schießen. Er vereint Wohnen, Hotel, Gastronomie, Gewerbe, Büros und öffentliche Flächen unter einem Dach. Der gefragte dänische Architekt Bjarke Ingels ist am Werk. Für seine innovative geometrische Fassade des Wohnhochhauses „Via 57 West“ in Manhattan hatte er 2016 den Internationalen Hochhauspreis bekommen. Bauherr des gläsernen Turms ist Tishman Speyer. Der Grundstein für die 45 Stockwerke wurde im Mai vergangenen Jahres gelegt, Anfang 2019 soll das Hochhaus fertig sein.

Für die neuen Wohntürme müssen alte Hochbauten erst noch weichen

In unmittelbarer Nähe des Omniturms, auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bank, sollen bis 2022 vier Hochhäuser stehen, darunter ein Mischturm von gigantischen 228 Metern Höhe. Daneben soll ein Wohnturm gebaut werden, der es mit 172 Metern mit dem Grand Tower aufnehmen kann. Zum Quartett gehören noch ein anderer Wohnturm (120 Meter) und ein Bürogebäude (100 Meter). Der notwendige Abriss alter Gebäude soll in diesem Jahr beginnen.

Ein anderes Misch-Hochhaus ist bereits in Bau, zwischen Messe und Senckenberg-Museum, wo vor fast vier Jahren der Universitätsturm (AfE) gesprengt worden war. 140 Meter soll der One Forty West messen. Außer einem Weinkeller, einem Hundewaschplatz und einer Sky-Bar sind ab 84 Metern exklusive Wohnungen geplant; in die unteren Etagen zieht ein Luxushotel ein.

Nicht nur Neu-, auch Umbauten, sogenannte Revitalisierungen, gehören zu den spektakulärsten Bauten. Aus dem ehemaligen Union Investment-Hochhaus macht Stararchitekt Ole Scheeren den knapp 95 Meter hohen Riverpark Tower für Wohnungen und ein Hotel. Der renommierte Stadtplaner und Architekt Albert Speer junior (1934-2017) hatte den Bau im Stil des Brutalismus entworfen.

Architekt Scheeren ist für seine Wolkenkratzer in Asien und seine Wohnkonzepte weltweit bekannt. Es ist das erste Projekt seines chinesischen Architekturbüros in Europa. „Wir machen aus dem schweren Betonbau ein ganz leichtes, offenes Gebäude“, kündigte der deutsche Architekt an.

Ende des Jahres soll es allmählich losgehen, wenn Union Investment in den 110 Meter neuen hohen WINX-Büroturm am Schauspiel umgezogen ist, wie der Sprecher des Immobilieninvestors German Estate Group (GEG), Thomas Pfaff, sagt.

Die GEG gestaltet auch ein anderes traditionelles Hochhaus um: Das ehemalige Commerzbank-Hochhaus Global Tower. Der Gebäudeklassiker von 1974 mit seinen 30 Stockwerken werde vollständig entkernt und komplett umgebaut, sagt Pfaff. „Es bleibt zwar Büro, wird aber nachher ein komplett anderes Gebäude“, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat der Stadt. (dpa)

Der neu errichtete Henninger Turm hat einen ganzen Stadtteil wesentlich verändert. | Foto: dpa

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