Danny Mostert ist seit fast 30 Jahren Briefträger in Kelmis

Lokalrunde

Die Eheleute Vanderhaegen-Meessen kannten Danny Mostert schon als kleines Kind. Seit Jahren ist er ihr „Briefträger des Vertrauens“. | Foto: Cynthia Lemaire

Jeden Morgen um 6.20 Uhr tritt Danny Mostert im Postamt Eupen seinen Dienst an. Dort sortiert der Kelmiser die Post für „sein Viertel“ und fährt zurück an die Göhl. Die Tour führt ihn auch vorbei an seinem Haus. „Ich bringe mir selber die Post“, lacht er.

Von Cynthia Lemaire

Jeder in Kelmis kennt Danny Mostert. Der über zwei Meter große Briefträger ist schwer zu übersehen. Seit 29 Jahren ist er im Dienst der Post und war früher auch in Hergenrath unterwegs. Vor Jahren übernahm er die Tour für das Kelmiser Zentrum und beliefert auch die Siedlung rund um den Friedhof mit Briefen, Werbung und Paketen. Auch wenn die Postzustellung sich im Laufe der Zeit verändert hat, ist Briefträger ein Job mit Zukunft. „Im Vergleich zu früher hat die Anzahl der Briefe zwar abgenommen, aber nicht in dem vorausgesagten Ausmaß“, so die Einschätzung des 48-Jährigen. „Außerdem sind die Paketzustellungen in den letzten beiden Jahren in die Höhe geschnellt“, weiß Mostert.

Seine Route durch einen Teil des Zentrums und durch die Siedlung rechts und links vom Heygraben könnte er wahrscheinlich mit verbundenen Augen gehen.

Per Zufall wurde der Kelmiser Fan eines Fußballklubs aus London.

Die Post ist pro Straßenzug vorsortiert, die Namen der Bewohner der Häuser und Wohnungen kennt er größtenteils auswendig. „Morgen, Danny“, grüßen ihn viele Anwohner, wenn der Briefträger vorbei kommt. „Heute habe ich keine Post für euch“, entgegnet er einem Ehepaar, das gerade mit dem Auto die Einfahrt verlässt. „Sehr gut. Dann ist auch keine Rechnung dabei“, lacht die Frau. Beim Ehepaar Vanderhaegen-Meessen, das gerade im Gartenstuhl vor der Haustüre die Sonnenstrahlen genießt, bleibt Zeit für einen Plausch. „Danny kennen wir von Kindesbeinen an“, erzählen die beiden. Der Postbote bezeichnet das Ehepaar als „vorbildliche Kunden“, die Namen und Hausnummer auf dem Briefkasten vermerkt haben. „Leider tun dies nicht alle Leute“, bedauert Danny Mostert.

Seinen Beruf übt er mit Gewissenhaftigkeit und Freude aus. Doch sein Herz schlägt für den Fußball. Fast jedes zweite Wochenende nimmt er eine nicht gerade kurze Reise auf sich, um seinen Lieblingsverein beim Heimspiel anzufeuern: West Ham United in London. Fan von den „Hammers“ wurde der Kelmiser eher zufällig. „Ich war mit einem Freund auf City-Trip in London und wir wollten uns unbedingt ein Fußballspiel anschauen, um die Atmosphäre zu erleben. Es wurde dann eins von West Ham United. So fing alles an“, sagt Danny Mostert schmunzelnd. Morgens in den Eurostar setzen und abends wieder heimfahren – das macht der 48-Jährige regelmäßig. Tattoos auf seinen Armen zeugen von seiner Liebe zu West Ham United, Großbritannien und Irland. „Ich bin mal in acht Tagen 180 Kilometer entlang der Westküste Irlands gewandert“, erzählt der sympathische Hüne. Seine Leidenschaft für das Wandern – jeden Sommer ist er zehn Tage in Südtirol unterwegs – kommt ihm natürlich in seinem Job zugute. Seine Beine werden nicht schnell müde. Wo andere Menschen zwei Schritte machen müssen, macht er mit seinen langen Beinen einen.

Sein Vater Léon Mostert war ein Urgestein im Kelmiser Karneval und ein beliebter Büttenredner. „Vor allem als Kind habe ich die Karnevalszeit natürlich als sehr intensiv erlebt“, blickt Mostert zurück. Ein richtiger Karnevalsjeck ist aus ihm aber nicht geworden. Die Lebensqualität in Kelmis beschreibt er als sehr gut. „Naja, gemotzt wird immer. Teilweise zu Recht, teilweise zu Unrecht“, sagt er.

„Früher waren die Wahlen in Kelmis keine spannende Sache.“

Vor allem die dichte Bebauung in Kelmis sorge manchmal für Diskussionen. „Jeder will sein Häuschchen haben, aber niemand will Nachbarn vor seiner Nase“, konstatiert der Briefträger.

Eine Parteikarte besitzt er nicht, doch das politische Geschehen in seiner Gemeinde verfolgt er. „Früher waren die Wahlen in Kelmis keine spannende Sache. Man konnte sich denken, wie es ausgehen würde“, spielt er auf die jahrelange Vorherrschaft von Mathieu Grosch und der CSP an. „Vor sechs Jahren kam dann die Sensation. Dieses Mal würde ich die Lage als unvorhersehbar einschätzen. Aber vielleicht liege ich auch falsch und jemand gewinnt haushoch.“ Wenn alle Briefe verteilt sind, kommen die Pakete an die Reihe. Zusätzliche Arbeit, dem Onlinehandel sei Dank. „Es gibt wirklich nichts, was die Menschen nicht im Internet bestellen“, weiß Danny Mostert und erzählt eine Anekdote von einem Paket mit beschädigtem Inhalt, aus dem plötzlich eine Flüssigkeit tropfte. „Es stellte sich heraus, dass die Empfängerin Weichspüler bestellt hatte“, lacht er.

GrenzEcho-LokalRunde, am Sonntag, 27. Mai, ab 11 Uhr in der Patronage in Kelmis.

Immer mehr Pakete muss Danny Mostert austragen.

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