Weiterhin akute Schieflage in der Wettbewerbsfähigkeit

Baufach

Das Baufach verzeichnete im Vorjahr eine weitere Konsolidierung der Arbeitsmarktzahlen.

Die „Confédération Construction“ (heißt: der nationale Dachverband des Baufachs) geht die sechzigste Auflage von Bautibouw „vorsichtig optimistisch“ an, wie Robert de Mûelenaere beim offiziellen Pressetermin die Stimmung in der Branche zusammenfasste. Der Grund dieser verhaltenen Zuversicht liegt im Zuwachs, den das Baufach im Vorjahr kannte. Immerhin wuchs der Betriebsbestand dank Firmengründungen um knapp fünf Prozent auf nunmehr 110.159 Unternehmen, hierunter erfreulicherweise viele kleine und mittlere Betriebe, „die gerade im ländlichen Raum das Rückgrat des Baufachs bilden“, so der Geschäftsführer des Verbandes.

Dieser Entwicklung stehen freilich 1823 Insolvenzen gegenüber, bedingt vor allem durch eine schier unvorstellbare Zuwachsrate der Konkurse in Brüssel – mit sage und schreibe 44,6 Prozent. In Flandern dagegen zeigt sich die Baubranche solide: Hier war die Zahl der Konkurse mit 6,2 Prozent deutlich rückläufig, wogegen in der Wallonie ein erträgliches „Plus“ von 1,8 Prozent Insolvenzen verzeichnet werden musste.

Dessen ungeachtet setzt sich der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt fort – mit insgesamt 203.500 Personen. Nach dem herben Einbruch zwischen Ende 2011 und Ende 2015 lesen sich die Arbeitsmarktzahlen im Baufach seit drei Jahren wieder ermutigend – selbst wenn der Personalstand aus der Zeit vor der Krise noch nicht wieder ganz erreicht ist. Immerhin gingen als Spätfolge der Finanzkrise im Sektor in diesen vier Jahren knapp zehn Prozent der Arbeitsplätze verloren.

Einer ersten, dringend notwendigen Konsolidierung in 2016 folgte ein deutlicher Anstieg in den beiden nachfolgenden Jahren. Hierunter wie gehabt knapp vier Fünftel Lohnempfänger gegenüber rund einem Fünftel Angestellte. Hinzu kommen nochmals etwa 70.800 Selbstständige, so dass im Bausektor derzeit knapp 275.000 Menschen „in Lohn und Brot stehen“.

Eine Zahl, die jedoch der Konjunkturentwicklung weiter hinterherhinkt. Der Grund liegt laut Branchenexperten an der anhaltenden Schieflage in der Konkurrenzfähigkeit zu Mitbewerbern aus ost- oder südeuropäischen Ländern, gegen die belgische Unternehmen meist ohne Chance sind. Eine fragwürdige (Lohn)marge zwischen zwanzig und dreißig Prozent, die sich in den letzten Jahren nur unwesentlich zugunsten der nationalen Anbieter verändert hat.

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