Leerstand untergräbt Dorfkultur

Ländliche Entwicklung

Der Leerstand in der Gemeinde Büllingen ist mit über hundert teils seit Jahren verlassenen und mitunter verwahrlosten Gebäuden recht hoch. Bilder, die unweigerlich auch auf das traditionelle dörfliche Image drücken. | Foto: nemo.presse

Es war eine Zahl, die nicht nur ins Auge stach, sondern die buchstäblich erschreckte, ja schockierte: Demnach benötigen in der Gemeinde Büllingen knapp sechshundert Häuser für die Zukunft einen interessierten Übernahmekandidaten.

Von Norbert Meyers

So zumindest die „Headline“ auf der sechsseitigen Info der Ländlichen Entwicklung, für die die Örtliche Kommission in der Tat zwischen Andlermühle und Wahlerscheid, zwischen Morsheck und Kehr ingesamt 597 Häuser „ausfindig“ gemacht hatte, deren zumindest mittelfristige Zukunft derzeit ungewiss ist. Hinter dieser ernüchternden Bestandsaufnahme liegt eine akribische Recherche in den siebenundzwanzig Orten der Gemeinde, durchgeführt Ende letzten Jahres auf ehrenamtlicher Basis von den Mitgliedern der Kommission.

Eine über die Jahre gewachsene Sensibilität

Es ist übrigens keineswegs das erste Mal, dass die Örtliche Kommission sich dieser Thematik angenommen hat. Das Thema „Leerstand“ ist bereits seit geraumer Zeit ein besonderes Anliegen im Rahmen der Ländlichen Entwicklung. Der Hintergrund: Die offenkundige Landflucht droht die Ortskerne zu entvölkern – was auch eine Projektion der Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahre 2035 unterstreicht.

Konkret: Bis dahin würde die Bevölkerung laut IWEPS um 434 Einheiten „schrumpfen“, also knapp acht Prozent. Wodurch sich die Gemeinde dann nur so gerade über der Fünftausend-Marke halten würde.

Wohlgemerkt… Alles (noch) im Konjunktiv respektive Konditionalis. Wenngleich die Zahlen eine klare Sprache sprechen: Zum Jahreswechsel 2017-18 zählte Büllingen 5.476 Einwohner, heißt: immerhin ein Minus von 72 Personen im Vergleich zum Höchststand im Jahre 2011.

Hintergrund: Alternative mit vielen Anreizen

Da es auch in der Gemeinde Büllingen bereits seit Jahren ein recht schwieriges Unterfangen darstellt, Baugrund in attraktiver ortskernnaher Lage und zu einem vertretbaren Preis zu erwerben, sieht die Örtliche Kommission zur Ländlichen Entwicklung in der Sanierung alter Bausubstanz eine passende Alternative. Und rührt seit mittlerweile ein, zwei Jahren durch gezielte Aktionen und Initiativen die Werbetrommel für dieses „Modell“, dem durchweg beachtliche Stärken bescheinigt werden, so

zentrale Lage, zeitnahe Verfügbarkeit, vorhandene Anschlussinfrastruktur (Strom, Wasser, Telefon), schon gewachsener Garten, beachtliches Volumen (sofern mit Stall oder Scheune), meist größere Anrainerparzellen sowie nicht selten architektonischer, teils sogar historischer Charme. Nicht zu unterschätzen sind ebenfalls die machbaren Einsparungen, angefangen bei der Mehrwertsteuer über die reduzierten Registrierungsgebühren bis hin zu Prämien von Gemeinde oder Wallonischer Region. Sollte das Haus zudem in der Familie bleiben, kann eine frühzeitig geplante notarielle Schenkung den Nachkommen zudem hohe Steuern sparen (u.a. dank kürzlicher Gesetzesänderungen).


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