Oktoberfest-Trends: Das Holz bleibt 2017 in der Hüttn

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In einem feschen Dirndl sieht jede Frau umwerfend aus. Es zaubert eine schlanke Taille und ein pralles Dekolleté, kaschiert breite Hüften und versteckt Fettpölsterchen. Aber Dirndl ist nicht gleich Dirndl: Schnitt, Farben und Accessoires wollen wohlbedacht sein. Sylvia Eussen, Dirndl-Liebhaberin und Verkäuferin in einem Aachener Trachtengeschäft, erklärt, was dieses Jahr auf der Wiesn besonders angesagt ist – und worauf man besser verzichten sollte.

Dirndl und Lederhose sind Einheitsuniform für Feiernde auf der Münchner Wiesn und ähnlichen Festen geworden.

Welche Modetrends sind für die Wiesn 2017 zu erwarten?

Im Trend liegen klassische Schnitte und Muster, passend dazu sind die Farben oft gedeckt. Angesagt sind zarte Pastelltöne wie Rosé, Mint, Taupe oder Nude. Generell lautet das Motto in diesem Jahr: Weniger ist mehr! 2017 bleibt das Holz in der Hüttn: „Die Blusen sind hochgeschlossen. Das Dekolleté ist nicht mehr so üppig, sondern zurückhaltender. Ebenso angesagt sind langärmlige Blusen, Spitzenblusen und Stehkragen“, erklärt Sylvia Eussen. Wer gerne weiterhin zur Schau stellen möchte, was er hat, kann aber ruhigen Gewissens beim klassischen Dirndl bleiben.

Was nach wie vor überhaupt nicht stilvoll ist, so Eussen, sind Dirndl aus dem Karnevals­geschäft. Die seien meist viel zu kurz. „Die knappen Mini-Dirndl, die nur den halben Oberschenkel bedecken, sind als Trend definitiv vorbei.“ Für eine ordentliche Tracht gehört sich Midi-Länge. „Der Rock sollte mindestens knieumspielend sein“, rät die Expertin.
Ein absolutes Muss bei den Herren sind knappe Lederhosen, die bereits über dem Knie enden – ohne Träger, dafür aber mit Gürtel. Das gibt dem Outfit einen sportlichen Touch. „Die Lederhose muss knackig und eng sitzen“, erklärt Sylvia Eussen. Die Lederhose darf beim Kauf „nicht gemütlich sein“, da sie sich durch Körperwärme und Bewegung noch weitet. Um das Outfit abzurunden, empfiehlt die Trachtenexpertin zur Lederhose gestrickte Wadenbänder.

Sneaker zur Lederhose?

Pünktlich zur Oktoberfest-Zeit hat der Sportartikelhersteller Adidas einen bierabweisenden Oktoberfest-Sneaker herausgebracht: Den Fersenbereich zieren feine Brezel-Stickereien und das Innenfutter ist rot-weiß-kariert. Über den drei Streifen ist „Prost“ ins dunkle Leder gestanzt. Kostenpunkt: 200 Euro.

Auch wenn man es immer öfter sieht: Dirndl oder Lederhose mit Turnschuhen zu kombinieren, ist in den Augen von Sylvia Eussen ein modischer Fauxpas: „Das geht eigentlich überhaupt nicht. Aber es ist eben auch sehr bequem“, gesteht die 44-Jährige.
Ein Muss zum perfekten Oktoberfest-Outfit sind stattdessen Trachtenschuhe, auch Haferlschuhe genannt. „Wander­schuhe, beziehungsweise robuste Schuhe gehen aber auch“, so Eussen. Eine sichere und modische Variante zum Dirndl sind Ballerinas, die nicht nur bequem sind, sondern auch den mädchenhaften Look unterstreichen. „Stiefeletten sind zum Dirndl auch sehr schön. Der Absatz sollte aber nicht zu hoch sein, damit man lange durchtanzen kann.“

Das Schleifen-ABC

Dirndl-Schleife links, rechts oder etwa in der Mitte? Die Binde­richtung der Schürzenschleife am Dirndl verrät den Beziehungsstatus. Ist die Schürze an der linken Seite gebunden, bedeutet das, die Trägerin ist ledig („Schleife links – Glück bringts!“). Sitzt die Schleife rechts, ist die Dame vergeben – oder sie ist schlicht nicht in Flirtlaune. Ist die Schleife vorne mittig gebunden, ist die Trägerin noch Jungfrau. Ist sie hinten in der Mitte gebunden, ist die Trägerin verwitwet.

Schon gewusst?

Vor den 2000er Jahren ist kaum jemand in Dirndl und Leder­hose aufs Oktoberfest gegangen. Während man in den 50er und 60er Jahren sogar im Anzug und Kostüm die Wiesn besuchte, war später der Freizeitlook mit Jeans angesagt. Der Trachten-Hype entstand zunächst in der Nische: Secondhand-Geschäfte in München verkauften alte Dirndl und Lederhosen und das Zubehör. Münchner nahmen nicht die Gesamtoutfits, sondern Einzelteile und peppten damit ihren alltäglichen Look für den Festbesuch auf. Und dann setzte ein Kreislauf ein: Immer mehr kopierten den Look, bauten ihn aus, und erste lokale Designer schneiderten moderne Kleider mit traditionellen Anleihen. Letztlich wurde daraus ein Massenmarkt. (dpa/sue)

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