Für Julien Theodor kommen Fritten vor dem Konzert nicht in Frage

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Julien Theodor beim Trompetenspielen in der Malmedyer Kapuzinerkapelle.
Julien Theodor beim Trompetenspielen in der Malmedyer Kapuzinerkapelle. | Foto: Klaus Schlupp

Mit Leidenschaft, großem Talent und strenger Disziplin hat sich der 26-jährige Julien Theodor aus Pont bei Malmedy zu einem herausragenden Solotrompeter entwickelt.

Von Klaus Schlupp

Kaum geht es zum Foto in die Malmedyer Kapuzinerkapelle, ertönen auch schon glockenklare Klänge aus Julien Theodors Trompete. Der 26-jährige, der hauptberuflich als Lehrer arbeitet, hat sich ganz dem Blechblasinstrument verschrieben. Und das, obwohl sein Elternhaus – der Vater ist Soldat, die Mutter Lehrerin – wenig Bezug zur Musik hat. Irgendwie hat ihn die Trompete fasziniert, vielleicht, weil es seine Berufung ist, oder weil Ostbelgien das Land der Harmonien ist, wo man um Blasinstrumente nicht herumkommt.

Theodor ist klassischer Trompeter mit Begeisterung. „Klassische Musik ist Musik, die teilweise schon seit 400 Jahren die Menschen bewegt“, sagt er. Wenn er Konzerte spielt, erkennt er, wie sich Publikum und Musiker durch die Klänge verwandeln und reagieren. Rock- oder Jazztrompeter wollte er nie werden. „Das ist eben ein anderer Beruf“, sagt er.

„Dann musst du eben früher aufstehen.

Juliens Lehrer, als die Trompete nicht mehr so perfekt in den Stundenplan des Schülers gepasst hat.

Wer glaubt, das Leben eines Berufsmusikers sei locker und bestünde nur aus ein wenig trompeten und viel feiern, irrt gewaltig. „Ich muss eine hohe Disziplin halten“, sagt Theodor. Dazu gehört vor allem: üben, üben, üben. Mehrere Stunden täglich spielt er Trompete. Dazu kommt eine vernünftige Ernährung. Eine Portion Fritten und ein Bierchen sind, wenn überhaupt, nur nach dem Konzert gelegentlich mal drin. Jedes Konzert muss Julien auch geistig vorbereiten. „Ich stelle mir den Klang und die Spielweise ganz genau vor“, sagt er. Die geistige Sammlung hilft ihm, mit dem Lampenfieber fertig zu werden, von dem kein Musiker, egal ob Pop oder Klassik, Profi oder Amateur, verschont bleibt. Wer Berufsmusiker werden will, braucht eben echte Leidenschaft für die Musik und das Instrument, sonst würde dieses disziplinierte Leben auf Dauer keinen Spaß machen.

„Dann musst du eben früher aufstehen“ hat Juliens Lehrer damals gesagt, als die Trompete nicht mehr so perfekt in den Stundenplan des Schülers gepasst hat. Denn dort kam für den Malmedyer noch die intensive Beschäftigung mit der deutschen „Vatersprache“ hinzu. An das frühe Aufstehen hat sich Julien Theodor auch während des Studiums in Namur gehalten, und daran hält er sich bis heute. Der Lohn sind die eigene Freude am perfekten Klang und die Dankbarkeit des Publikums.

Ein weiteres wichtiges Mittel zum Erfolg ist das passende Werkzeug. Wie ein Fotograf mit einer Handykamera nichts reißen kann und jeder Zimmermann über einen Hammer aus dem Baumarkt flucht, braucht der Musiker ein Instrument, das perfekt seinen Bedürfnissen angepasst ist. Julien Theodor lässt seine Instrumente in den Niederlanden anfertigen und zwar so, dass die bis in die feinsten Nuancen genau den Klang erzeugen, den er wünscht. Das ist mit einem Preis von fast 4.000 Euro zwar nicht gerade billig, lohne sich aber.

Die Belohnung für Juliens Disziplin ist der reine Klang.

Aber auch andere Besonderheiten gibt es bei Instrumenten. So spielen die deutschen und österreichischen klassischen Trompeter als einzige auf der Welt mit Klappentrompeten mit den Ventilklappen auf der Seite. Theodor hingegen benutzt eine Périnettrompete, die im Rest der Welt und auch in Pop, Bigband und Jazz zu hören ist und Ventile an der Oberseite hat. Der Klang ist dann anders. Die Ventile braucht der Trompeter, um alle Töne der Tonleiter spielen zu können. Bevor sie erfunden wurden, konnten die Musiker nur die von der Länge der schwingenden Luftsäule im Instrument vorgegebenen Naturtöne erzeugen. Die Ventile verlängern und verkürzen diese Säule und ergänzen so den Tonumfang.

Die Belohnung für Juliens Disziplin ist der reine Klang, den er schon bei diversen Konzerten als Solist und in seinen Orchestern in Mons und Gent unter Beweis gestellt hat. Daneben dirigiert er die Kgl. Harmonie Echo vom Hochtumsknopf in Maldingen.

Am 11. Dezember (20 Uhr) wird Julien Theodor im St.Vither Triangel als Solist zu hören sein. Vor dem Konzert mit dem Posaunenensemble „Connected Slides“ lädt der 26-Jährige junge Trompeter zum Workshop ein, um ihre Technik zu verbessern. Auf dem Konzert gibt es dann moderne Klassik zu hören. Denn Klassik ist keinesfalls verstaubt, egal, ob es die 400 Jahre alte Feuerwerksmusik von Georg Friedlich Händel ist oder eben Neueres wie Gershwin. Es ist eine Faszination, für die es sich zu leben lohnt.

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