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Loeb überrascht, Senna klopft an Tür zur Formel 1

Nach gerade einmal vier Jahren im Rennauto und nur eineinhalb Testtagen ist Bruno Senna in Rekordzeit an der Schwelle zur Formel 1 angekommen. Der Neffe des dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna macht sich nach seinen ersten Testfahrten für Honda große Hoffnungen, bei den Japanern in der Saison 2009 anstelle seines brasilianischen Landsmanns Rubens Barrichello im Cockpit zu sitzen. Neben seiner schnellen Auffassungsgabe und mit guten Rundenzeiten beeindruckte der 25-Jährige in Barcelona vor allem durch seine ruhige Arbeitsweise.
»Es war eigentlich relativ einfach. Ich sollte mich erst nur an die Elektronik im Auto gewöhnen und hatte überhaupt keinen Druck«, sagte GP2-Vizemeister Senna, nachdem ihm am Montag gerade einmal zweieinhalb Stunden genügt hatten, sich an den Formel-1-Boliden anzupassen. »Das Auto ist so ein großer Schritt von der GP2, es ist in allen Belangen besser, vor allem die Schaltung, das ist eine andere Welt«, meinte Senna und schwärmte über die Dynamik, die Leistung, die Gewichtsverteilung.
Nach den ersten »Schnupperrunden« am Montag, bei denen Senna am Ende trotz »ein oder zwei kleinen Fehlern« schon deutlich schneller war als sein ebenfalls unter die Lupe genommener Landsmann Lucas di Grassi, ging es dann am Mittwoch richtig los. Einen ganzen Testtag war Senna unterwegs und am Ende mehr als eine halbe Sekunde schneller als Renault-Testfahrer di Grassi. Und zu Stammpilot Jenson Button fehlten lediglich knappe drei Zehntelsekunden. »Ich bin sehr zufrieden«, meinte Senna nach Testende: »Ich bin gute Zeiten gefahren und habe mit dem Team gut gearbeitet. Es ging alles noch viel leichter als am Montag, ganz automatisch.« Ob er jetzt den Zuschlag für das Renncockpit bekommt, darüber wollte Senna noch nicht spekulieren: »Es liegt jetzt am Team, aber ich denke, dass ich einen guten Job gemacht habe.«
Sollte es mit dem Sprung in die Königsklasse klappen, dann hätte sich gerade einmal vier Jahre nach Sennas erstem Rennen in der britischen Formel BMW sein größter Traum erfüllt - obwohl ihm im Vergleich zu vielen Konkurrenten die Erfahrung aus der Kart- und Juniorenzeit völlig fehlt. Denn nach dem tödlichen Unfall seines Onkels am 1. Mai 1994 in Imola hatte Bruno Senna sein großes Interesse am Rennsport aus Rücksicht auf seine Mutter Viviane jahrelang unterdrückt. Erst kurz vor seinem 18. Geburtstag sagte er ihr, dass er auch Rennen fahren wolle. Die ersten Schritte im Rennauto ermöglichte ihm dann 2004 Ayrton Sennas Freund und früherer Teamkollege Gerhard Berger, heute Mitbesitzer von Toro Rosso.
In seiner erst dritten kompletten Saison startete Bruno Senna 2007 bereits in der GP2, wo er schon im dritten Rennen seinen ersten Sieg feierte. In diesem Jahr verpasste er im Unterhaus der Formel 1 den Titel zwar knapp, hatte die Honda-Verantwortlichen um »Superhirn« Ross Brawn aber dennoch nachhaltig beeindruckt. In Barcelona bot der Brite Senna jetzt die Möglichkeit, zu zeigen, »dass er bereit für die Formel 1 ist«. »Das ist eine ganz spezielle Chance, die Honda mir da gegeben hat«, sagte Bruno, dessen Onkel seine drei WM-Titel (1988, 1990, 1991) alle mit Honda-Power geholt hatte. Brawn, der Michael Schumacher bei Benetton und Ferrari zu sieben WM-Titeln geführt hatte, hätte sicher nichts dagegen, wenn Bruno Senna an diese Erfolge anknüpfen würde. Das nötige Talent hat er von seinem Onkel auf jeden Fall geerbt, und auch dessen Stolz: Denn ein zweiter Ayrton will er nicht werden. »Es ist meine Karriere, ich bin Bruno und nicht Ayrton«, sagte er: »Ich bin hier, um meinen eigenen Weg zu gehen und nicht, um ihn zu kopieren.«
Positiv überrascht hat vor aber auch Sébastien Loeb. Der fünfmalige Rallye-Weltmeister aus Frankreich absolvierte 82 Runden, seine beste Zeit (1:22,503) wurde am Montag nur von sieben Fahrern unterboten. Schon im Dezember 2007 hatte er bereits mit dem damaligen Renault-Piloten Heikki Kovalainen die Autos getauscht und im Formel-1-Renner eine gute Figur gemacht.






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