Wo Fische Pflanzen ernähren

Technik

Außer Basilikum werden in der Stadt-Farm auch Fische gezüchtet. Deren Wasser wird auch für die Pflanzen genutzt. | Foto: Jörg Carstensen/dpa

In Städten ist es oft eng. Aber alle Menschen brauchen Essen – und die Lebensmittel müssen irgendwo produziert werden. In der Stadt Berlin hatten Leute die Idee für eine moderne platzsparende Farm. Wir haben sie uns angeschaut.

Nicolas Leschke zieht blaue Plastiküberzieher über seine Schuhe. Er desinfiziert auch seine Hände, macht sie also keimfrei. Das ist so ähnlich wie im Krankenhaus. Der Mann ist aber kein Arzt, sondern Chef einer Farm. Dort werden Fische gezüchtet – und gleichzeitig Gemüse. Die Fische sollen nicht krank werden. Deshalb darf kein Dreck von draußen reinkommen.

Die moderne Farm liegt mitten in der deutschen Großstadt Berlin. In den Raum, den Nicolas Leschke betritt, sind es warme 28 Grad Celsius! Dort stehen 13 schwarze Bottiche. Sie sind so hoch, dass sogar Erwachsene auf eine Leiter steigen müssen um hineinzusehen. In den Bottichen schwimmen viele rötliche Fische im Kreis. Es sind Buntbarsche. Jede Stunde fällt etwas Futter aus einem Behälter über den Tieren ins Wasser. Die schnappen dann danach.

Das Besondere an dieser Farm sind aber nicht nur die Fische. Nebenan wachsen in einem Gewächshaus viele Basilikum-Pflanzen. Mit ihren Blättern kann man Salate und Gemüse würzen. Aber was haben die Pflanzen mit den Fischen zu tun? „Die Fische produzieren feste und flüssige Ausscheidungen“, sagt Nicolas Leschke.

Diese Ausscheidungen werden gefiltert und über Schläuche zu den Pflanzen ins Gewächshaus geleitet. Denn sie enthalten Nährstoffe, die die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Die Ausscheidungen der Fische sind also Dünger. „Das Wasser wird hier also doppelt genutzt“, erklärt der Fachmann. Einmal für die Fische – und dann noch mal für die Pflanzen. Weil diese ihre Nährstoffe aus dem Wasser von den Fischen bekommen, brauchen sie zum Wachsen keine Erde. Diese Anbautechnik hat einen besonderen Namen: Aquaponik. Das ist ein erfundenes Wort, in dem zwei Begriffe stecken: erstens Aquakultur, also Wasserkultur, mit der Fische gezüchtet werden. Und zweitens Hydroponik.

Das bedeutet Pflanzenanbau im Wasser. Nicolas Leschke findet das gut, weil so Wasser gespart wird. Außerdem können Fische und Pflanzen auf wenig Platz gezüchtet werden. Leschkes Firma möchte Lebensmittel dort herstellen, wo viele Menschen leben. Damit das Essen nicht weit transportiert werden muss.

Tierschützer sagen aber: Die Fische haben in den Bottichen zu wenig Raum. Sie können sich zum Beispiel nirgends verstecken, wie sie das sonst im Freien machen würden.

Platz ist häufig ein Problem, wenn Menschen Tiere züchten, um sie zu essen. Fische etwa leben eigentlich in Flüssen, Seen oder im Meer, wo sie sich frei bewegen können. (dpa)

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