Vor Selfies und Instagram gab’s Polaroid

Fotografie

Eine Polaroid-Kamera „spuckt“ ein Foto aus. Sssssrrrrr! Nach dem Knipsen dauert es etwa eine Minute, bis das Polaroid-Bild fertig ist. | Foto: dpa

Wie durch Zauberhand erscheint das Bild. Nach etwa einer Minute ist das Foto zu sehen. Schon lange vor Digitalkameras und Smartphones konnten Menschen ihre Fotos sofort bestaunen – dank Polaroid.

Von Linda Vogt

Früher dauerte es total lang vom Knipsen bis zum fertigen Foto. Ein kleines Mädchen beschwerte sich damals. „Warum kann ich das Bild nicht gleich sehen?“, fragte Jennifer ihren Papa. Die beiden waren gerade im Urlaub – mehr als 70 Jahre ist das her. Die Ungeduld des Mädchens kennen wir nicht mehr. Digitalkameras zeigen Fotos heute sofort. Und beim Selfie kannst du dich auf dem Handy sogar beim Fotografieren beobachten!

Doch Jennifer musste tagelang auf die Bilder warten. In alten Kameras steckt nämlich eine Folie, der Film. Darauf wird das Foto abgelichtet. Erst in einem Fotolabor wird es mithilfe einer Flüssigkeit sichtbar gemacht. Der Urlaub ist dann aber oft schon vorbei.

Zum Glück war Jennifers Vater ein Erfinder. Der Mann hieß Edwin H. Land. Er dachte nach und tüftelte. Schließlich baute er die sogenannte Polaroid-Kamera, eine Sofort-Bild-Kamera. „In dem kleinen Kasten steckt das Labor schon drin“, erklärt Marinus Reuter. Er kennt sich mit Polaroids aus. Bei den Polaroid-Fotos dauert es nur einige Sekunden. Dann kommt – sssssrrrrr – leise surrend ein Blatt Papier aus der Kamera. Wie durch Zauberhand entsteht darauf langsam das Foto. Mit Magie hat es aber nichts zu tun. Das Geheimnis steckt im Film, weiß Marinus Reuter. „In dem Polaroid-Film liegt nämlich schon die Entwicklungsflüssigkeit.“ In dem viereckigen Blatt sind 16 Schichten mit chemischen Stoffen.

Die Menschen hatten mit der Erfindung viel Spaß. Im Urlaub, bei Geburtstagsfeiern und mit Freunden, jederzeit konnten sie ihre Fotos gemeinsam bewundern. „Das langsame Auftauchen des Bildes ist spannend! Das ist bei Digitalkameras gar nicht mehr fühlbar“, meint der Fachmann. Nach der kurzen Wartezeit konnte man gemeinsam über das Bild lachen. Oder sich ärgern, weil man blöd darauf aussah.

Andere Firmen machten Polaroid nach und bauten ebenfalls Kameras für Sofortbild. Bis sich viele Jahre später ein Rivale die Digitalkamera ausdachte. Nun wollte kaum jemand noch Polaroids machen. Digitalbilder sind sofort da und kosten weniger.

Die Idee, einen Schnappschuss zu bekommen, ist heute so beliebt wie damals. Und noch etwas ist gleich: Wir teilen dabei ein Ereignis mit anderen. „Polaroid ist in gewisser Weise der Vorgänger von Instagram“, sagt Marinus Reuter. Früher versammelten sich alle um das Foto. Heute macht man ein Foto und stellt es ins Internet, dann kann jeder etwas dazu schreiben. Nur sind es dort viel mehr Menschen!

Polaroid fürs Handy

Polaroid gibt es heute auch fürs Smartphone. Es sind Apps, welche die alten Kameras nachmachen. Knipsen – und dann ist ein Surren zu hören. Zu sehen gibt’s aber erstmal nichts. Die App tut so, als müsse sich das Bild erst noch entwickeln! Nach etwas Wartezeit erscheint es dann auf dem Handy.

Die App bleicht die Farben aus und setzt auch einen weißen Rahmen. Denn Polaroid-Fotos sehen ganz besonders aus! Viele Menschen finden sogar die typischen Fehler wie Kratzer, Fingerabdrücke und schlecht entwickelte Stellen liebenswert.

Das alles haben digitale Bilder nicht. Sie wirken im Vergleich dazu perfekt. Und deshalb halten manche sie für ein bisschen langweilig.

Polaroid-Fotos sind inzwischen Trend. Manche Firmen stellen die alte Sofortbild-Technik wieder her. Die Kameras und die teuren Filme verkaufen sich gut. Damit lassen sich dann außergewöhnliche, manchmal fehlerhafte Bilder machen. Das Besondere daran ist: Die Fotos sind einzigartig. Es gibt sie so nur ein einziges Mal.

(dpa)

Hingeworfene Sofortbilder liegen chaotisch auf einem Tisch. Polaroid-Bilder gibt es in verschiedenen Größen und Formaten – je nach Kamera. | Foto: dpa

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