Handysucht hat sich verdreifacht

Suchtverhalten

Wenn man nichts mehr von seiner Umwelt mitkriegt, wie die drei Affen: Ich sehe nichts, höre nichts und sage nichts!
Wenn man nichts mehr von seiner Umwelt mitkriegt, wie die drei Affen: Ich sehe nichts, höre nichts und sage nichts! | Foto: David Hagemann

Wer kennt das nicht? Wenn das Handy in der Jackentasche klingelt oder wir eine neue WhatsApp-Nachricht bekommen, müssen wir sofort auf das Handy schauen und es ist ganz egal, wo wir gerade sind und was wir machen.

Von Barbara Khalmachova

Ob wir beim Abendessen mit den Eltern sitzen oder mit Freunden unterwegs sind, spielt dabei keine Rolle. Bei vielen von uns muss man von einer Sucht reden. Aber was ist eigentlich Handysucht? Wenn wir das Wort „Sucht“ hören, denken wir meistens an irgendwelche Drogen, Alkohol oder Glücksspiele. Doch eine amerikanische Studie fand heraus, dass die Mobilfunk-Nutzung außer Kontrolle geraten kann, dass wir abhängig davon werden können.

Mehr als 60 Mal pro Tag Apps zu öffnen bedeutet Suchtverhalten

Handysüchtig sind die Menschen, die ihr Handy oder Smartphone mehr als 60 Mal am Tag nutzen. Zum Vergleich: Durchschnittliche Nutzer öffnen ihre Apps nicht mehr als 16 Mal am Tag.

Es sind schon weltweit 280 Millionen Menschen von Handysucht betroffen. 2014 waren es 178 Millionen und 2013 waren es 79 Millionen. Die Anzahl der Betroffenen hat sich in drei Jahren mehr als verdreifacht. Frauen schauen viel öfter auf ihr Handy als Männer, mit etwa mehr als 10 Stunden pro Tag. In Deutschland sind es etwa 9,7 Prozent, die als süchtig bezeichnet werden. Deshalb sind in manchen Schulen Handys auch in den Pausen verboten worden. Von ihren Handys sind meistens Jugendliche, Studenten und Personen mittleren Alters abhängig. Sorgen machen sollte man sich dann, wenn die Beschäftigung mit dem Handy das Hobby beeinträchtigt oder soziale Kontakte ersetzt. Bei einer Handysucht unterscheidet man zwischen psychischer und emotionaler Abhängigkeit. Einige Symptome sind Wut, Launenhaftigkeit, Depressivität oder Reizbarkeit, wenn das Handy abgenommen wird oder wenn der Akku leer ist. Doch auch wenn man sich vornimmt, die Zeit am Smartphone zu begrenzen, nutzt man es doch regelmäßig länger als ursprünglich geplant, weil man nicht aufhören kann. Wer zwar stundenlang chattet, aber weiterhin in den Sportverein geht und die Schule schafft, hat eher kein Suchtproblem. Für alle Betroffenen bestehen aber viele Möglichkeiten, diese Sucht zu bekämpfen, zum Beispiel Bücher zu lesen oder Handyzeiten festzulegen, smartphone-freie Tage einzuführen oder das regelmäßige Ausschalten des Handys ab 19 Uhr durchzusetzen, wenn es nicht aus wirklich zwingenden Gründen benutzt werden muss.

Eltern sollten mit ihren Kindern „Schritt halten“ können

Eltern fühlen sich hier oft machtlos. Wenn die Kinder viel zu viel mit ihren Handys beschäftigt sind, sollten die Eltern sie am besten ansprechen und zeigen, wie das Handy funktional genutzt werden kann. Das setzt natürlich voraus, dass die Eltern technologisch mit ihren Kindern Schritt halten können. Wichtig ist auch, dass die Eltern bereits nach dem Kauf eines Handys Regeln für die Handynutzung aufstellen. Neun Jahre ist das früheste Alter, in dem ein Handy wirklich sinnvoll sein kann. Am Anfang ist für Kinder ein älteres Handymodell ausreichend, es muss nicht unbedingt ein Smartphone sein.

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