Tanzen in der Luft

Brauchtum

Madai hat schon als kleines Kind angefangen, für das Fliegen am Holzpfahl zu trainieren. | Foto: Jesus Alvarado/dpa

In Mexiko lernen einige Kinder einen besonderen Tanz in der Luft. Als Voladores schwingen sie an einem Seil um einen hohen Holzpfahl und drehen sich dabei. Wichtig ist auch ein Hut mit bunten Federn.

Einmal durch die Luft fliegen – davon träumen wohl viele Menschen. Der zehnjährige Jaire aus Mexiko lernt es gerade. In seiner Freizeit besucht er eine besondere Schule: eine Schule für Voladores. Volador ist Spanisch und heißt übersetzt in etwa Flieger.

Allerdings steigt Jaire nicht etwa in ein Flugzeug. Als Volador klettert er erst auf einen etwa 20 Meter hohen Holzpfahl. Das ist ungefähr so hoch wie ein Haus mit sechs Stockwerken.

Dann fliegt er kopfüber an einem Seil um den Pfahl. Und der dreht sich dann auch noch. Es ist ein bisschen wie eine Mischung aus Akrobatik und Karussell.

Nur etwa 200 Kinder in ganz Mexiko lernen, Volador zu werden.

„Beim ersten Mal hatte ich ein bisschen Angst“, erzählt Jaire. Er trainiert schon seit sechs Jahren in der Voladores-Schule. Das ist etwas Besonderes. Nur etwa 200 Kinder in ganz Mexiko lernen, Volador zu werden. Dazu gehört nicht nur das Fliegen, sondern auch eine alte Sprache. Auch Jaires Vater und Brüder sind Voladores. Beim Fliegen trägt er eine rote Hose, ein weißes Hemd und einen Hut, verziert mit bunten Bändern. Die flattern dann in der Luft.

Hinter dem Fliegen um den Holzpfahl steckt eine uralte Geschichte. Erfunden haben sie die Totonaken. Das ist ein Volk, das in Mexiko schon vor Hunderten Jahren lebte. In der Geschichte heißt es: Es gab viel zu wenig Regen. Deshalb entschieden die Dorfältesten, dass die Götter milde gestimmt werden müssen. Damit sie es wieder regnen lassen und auf den Feldern mehr Gemüse wächst.

Als die Totonaken das Ritual erfanden, trugen sie Vogelkostüme. So sahen sie aus wie Adler oder Eulen. Solche Kostüme tragen die Voladores auch heute noch.

Auch die elf Jahre alte Madai aus Puebla trägt einen Umhang aus Vogelfedern. Auf dem Kopf hat sie eine Kappe mit einem gelben Schnabel. Sie lernt bereits seit fünf Jahren, wie man sicher um den Holzpfahl segelt. Deswegen hat sie mittlerweile auch keine Angst mehr, wie Madai sagt.

Ihre Mutter und Schwestern sind ebenfalls Voladoras. Sie passen auf, dass Madai nichts passiert. Für ihr zweitliebstes Hobby kann sie aber auf dem Boden bleiben: „Wenn wir nicht für die Voladores trainieren, male ich am liebsten.“ (dpa)

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